Ein Schiri ohne Augenlicht, ein fliegender Schuh und Klopps verfolgter Klopper. Die Bundesliga-Kolumne von Stefan Galler.
Daum und Vucicevic triumphieren in München
Meisterbetrieb: Perfekte Vita statt Skiurlaub
Eigentlich wollte Christoph Daum gar nicht mit nach München reisen, er hatte bei Kölns Manager Michael Meier schon einen Urlaubsantrag gestellt, schließlich kennt der Trainer-Guru seine Auswärtsstatistik gegen die Bayern sehr genau. Doch der Chef ließ den Coach nicht zum Skifahren abdampfen und prompt sollte es diesmal endlich klappen, ausgerechnet am Karnevalssamstag feierte der einstmals verschnupfte Daum seinen ersten Erfolg bei den Roten.
"Das war das einzige, was in meiner Vita noch gefehlt hat“, sagte der Kölner Coach und dürfte sich ebenso wie die Beobachter in der Allianz Arena vor allem über die Leistung seines Spielmachers Nemanja Vucicevic gewundert haben. Der hatte früher mal bei Bayerns Lokalrivalen 1860 gespielt und war damals vor allem dadurch aufgefallen, dass er mittels Haarwuchsmittel die kahle Schädeldecke bewuchern wollte – mit dem Effekt, dass er ein halbes Jahr Zwangspause einlegen musste: Das Wässerchen enthielt Stoffe, die auf der Dopingliste stehen.
Nun also die glorreiche Rückkehr des Ex-Löwen in die Landeshauptstadt – inklusive zweier Vorlagen und einer sagenhaften Zweikampfstatistik. Apropos Rückkehr: Lukas Podolski soll ja jeden Tag eine Kerbe in seinen Spind an der Säbener Straße machen, um die Tage zu zählen, bis er endlich wieder nach Kölle zurückkehren darf. Am Samstag bestritt er mutmaßlich sein letztes Spiel gegen seinen Lieblingsklub – und wurde von Trainer Klinsmann schon zur Pause ausgewechselt. „Er hätte auch jeden anderen herausnehmen können“, sagte Prinz Poldi hinterher. Klar, dass sich Klinsi für den Monarchen entschied, schließlich genießen Adlige gewisse Privilegien.
Gesellenstück: Wölfe fressen Tabellenführer
Kurios ging es auch beim Duell des VfL Wolfsburg gegen die neuerdings total trendige Berliner Hertha zu. Dass die Wölfe am Ende den Tabellenführer fraßen (womit die Spitzenposition auf den HSV überging), lag allerdings weniger an fußballerischen Großtaten als an den merkwürdigen Entscheidungen von Schiri Knut Kircher. Der verweigerte einem Berliner Tor wegen eines leichten Körperkontakts die Anerkennung, gab später jedoch den Wolfsburger Siegtreffer, obwohl Schütze Dzeko seinen Gegenspieler Simunic dabei als Startrampe missbraucht hatte.
"Nur ein blinder Mann sieht nicht, dass das ein Foul war“, sagte der erboste Simunic später, während Torschütze Dzeko entwaffnend simpel entgegnete: "Ich hab nur Ball geguckt und Tor gemacht.“ Dass man nicht mit zweierlei Maß messen darf, weiß natürlich jeder Handwerker – offenbar jedoch nicht der erfahrene Bundesliga-Referee Kircher. Wer schlechte Arbeit abliefert, verliert seinen Job – auch das kennt man aus der Arbeitswelt. Deshalb hat Hertha-Keeper Drobny mit seinem Vorschlag vielleicht ja recht: "Wenn Schiris Angst haben und unsicher sind, ist es besser, man spielt ohne sie.“
Erstes Lehrjahr: Bomba Ba
Alles war drin im Baden-Württemberg-Derby: Sechs Tore, jede Menge Nickligkeiten, ein verschossener Elfmeter und am Ende eine Punkteteilung – Stuttgart und Hoffenheim trennten sich 3:3. Protagonist auf TSG-Seite war Demba Ba, der gleich mal alle Treffer seines Teams im Handstreich selbst erzielte. Angeblich gibt es die ersten Mütter im Kraichgau, die ihre Söhne auf den Namen Dembaba taufen lassen wollen. Dembaba Müller – das klingt weniger nach provinzieller Exotik, denn nach "Bomba“ der Nation.
Zum Superhelden taugte Ba allerdings nicht, weil sein Kollege Salihovic in der Nachspielzeit das mögliche 4:3 per Strafstoß versemmelte. Der Bosnier war allerdings vermutlich ziemlich entnervt – dank VfB-Keeper Jens Lehmann. Der hatte es nämlich ein paar Minuten zuvor schamlos ausgenutzt, als Salihovic bei einem Zweikampf seinen Schuh verlor: Mit einem gezielten Wurf bugsierte er den Kickstiefel auf das Dach seines Tores und verschaffte Salihovic damit eine unfreiwillige Pause. Merke: Einem, der mit dem Hubschrauber zum Training kommt, ist alles zuzutrauen.
Zwei linke Hände: Sprüche-Klopper schief gewickelt
Als Fußballfreund musste man sich in den letzten Jahren immer wieder fragen, wie man nur so wahnsinnig sympathisch sein kann wie dieser Jürgen Klopp. Stets bestens gelaunt, unglaublich eloquent, witzig und ausgestattet mit einem geradezu unbestechlichen Gerechtigkeitssinn – kein Wunder, dass die Leute dem Trainer noch nicht einmal die Zusammenarbeit mit ZDF-Moderationsmaschine Kerner übelnahmen.
Doch das Image bekommt langsam Risse: Das hängt nicht nur damit zusammen, dass sich die Sprüche des Dortmunder Coaches mehr und mehr wiederholen. Auch seine merkwürdige Sicht der Dinge im Fall des BVB-Spielers Kevin Prince Boateng ist doch einigermaßen verwirrend. Der nicht gerade als leicht erziehbar geltende Kicker hatte sich schon vor zwei Wochen gegen Bayerns Klose einen Tritt jenseits des guten Geschmacks erlaubt – nun avancierte er im Revierderby gegen Schalke zum Wiederholungstäter.
Abermals stiefelte er mit Kristajic einem Gegenspieler mit Vehemenz auf das Knie, erneut legte sich Klopp nach Spielende mächtig für ihn ins Zeug. In seiner mit einigen Kraftausdrücken angereicherten Wutrede vermittelte er den Eindruck, als sei eine wilde mediale Jagd auf Boateng im Gange. In Wahrheit sollten sich lieber Boatengs Gegenspieler verfolgt fühlen.