Großaktionär will Anteil nicht verkaufen Noch keine Lösung für Hypo Real Estate

Eine Einigung zur Rettung des angeschlagenen Münchener Staats- und Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate steht noch immer aus. Der US-Großaktionär J.C. Flowers will an seinem Anteil von knapp einem Viertel an dem Institut festhalten.

Foto: ddp

Noch keine Lösung für Hypo Real Estate

Zudem favorisiere der Investor eine Lösung für die Bank, bei der ein möglicher Anteil des Bundes auf 75 Prozent plus eine Aktie begrenzt bleibe. Unterdessen dementierte die HRE einen Bericht über einen Refinanzierungsbedarf in Höhe von einer Billion Euro.

Flowers führt ein Konsortium von Investoren an, das 23,7 Prozent der HRE-Anteile hält und Ende Juni 2008 zu einem Preis von 22,50 Euro je Aktie eingestiegen war. Am Freitagnachmittag kostete eine Aktie der HRE nur noch 1,28 Euro. "Die Investoren wollen nicht zu dem aktuellen Marktniveau oder gar darunter herausgehen", sagte eine informierte Person der Wirtschaftsnachrichtenagentur Dow Jones Newswires. Sie hätten "viel Geld verloren und kein Interesse daran, mit einem Bruchteil des angelegten Geldes nach Hause zu gehen".

Flowers will einen möglichen Einstieg des Bundes auf 75 Prozent plus einer Aktie begrenzen. "Auch wenn sich die Ausgangslage ständig ändert, erscheint diese Lösung, 75 Prozent plus eine Aktie, das zu sein, worauf die Verhandlungen hinauslaufen", wird aus Aufsichtsratskreisen zitiert.

Das Kabinett hatte am Mittwoch den Entwurf des "Rettungsübernahmegesetzes" gebilligt, mit dem die Grundlage für eine Rettung der HRE geschaffen werden soll. Danach darf die Regierung nur dann eine Rechtsverordnung zur Enteignung der Altaktionäre erlassen, wenn sie zuvor alle milderen Mittel ausgeschöpft hat, um sich die Kontrolle über ein Institut zu sichern.

"Eine Enteignung in Deutschland könnte für zukünftige Investoren abschreckend sein und wäre ohnehin eine Kröte, die die Union nur unter größter Not schlucken würde", zitierte Dow Jones Newswires weiter die informierte Person. Ein Regierungsanteil von 75 Prozent plus einer Aktie würde dem Staat die gewünschte Entscheidungsfreiheit geben, ohne das Konsortium um Flowers herauszudrängen, sagte sie weiter. Daher arbeite Christopher Flowers, der das Konsortium in Gesprächen mit der Regierung vertritt, auf diese Lösung hin. Allerdings herrsche aktuell Funkstille zwischen Flowers und der Regierung.

Vom Bund verlangt Flowers im Falle des Ausstiegs eine Entschädigung, die sich an dem Aktienkurs orientieren sollte, der in den zwei Wochen vor dem Aufkommen der Verstaatlichungsgerüchte am 8. Januar gegolten habe. "Hier sprechen wir über knapp drei Euro pro Aktie", sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Das Bundesfinanzministerium wollte sich nicht zu den Preisvorstellungen äußern.

Einen Bericht der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung", wonach die HRE einen Refinanzierungsbedarf von einer Billion Euro habe, wies das Institut indes zurück. Dies sei eine Falschinterpretation, erklärte der Konzern. Die HRE verfüge zwar über Derivate mit einem Nominalvolumen in der genannten Größenordnung. Doch müsse nur der Marktwert in der Bilanz verbucht werden, nicht das dahinterliegende Nominalvolumen. Das Blatt hatte aus dem vermeintlich höheren Refinanzierungsbedarf gefolgert, dass die Lage bei der Bank noch dramatischer sei als bislang angenommen.

Ralf Beunink/ddp