Vom Stift zum Stifter

Der Projektentwickler und gelernte Maurer Gisbert Dreyer engagiert sich seit zehn Jahren mit seiner Stiftung in Afrika

Karin Birk

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    Links außen: Staudamm ....Bilder: ?????????
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    Für die meisten Kinder in Burkina Faso ist der Schulbesuch noch Luxus. Umso wichtiger ist, dass viele Schulen gebaut werden.Fotos: Birk

Vom Stift zum Stifter

Es ist wie früher. Gisbert Dreyer bückt sich, fährt mit der Kelle in den Mörtel, klatscht die Masse auf den Stein, verteilt sie, bückt sich und holt den nächsten Ziegel. Der gelernte Maurer und studierte Architekt legt gemeinsam mit der Frau des Premierministers von Burkina Faso, Priscille Zongo, den Grundstein für ein Kinderzentrum in Dano im Südosten des Landes. Gebaut wird eine Vorschule mit Kindergarten, die den Namen seiner Frau „Regina Schuh“ tragen wird.

Früher gab es nur eine Ernte pro Jahr – heute ist es mehr

Die Schule ist nicht das erste Projekt der Eheleute. Seit zehn Jahren engagieren sie sich in Dano: Einen Staudamm, Brunnen und ein Schulungszentrum haben sie gebaut. Sie haben Schulgebäude renoviert und landwirtschaftliche Projekte vorangetrieben. „Das war nicht immer leicht“, erinnert sich Dreyer. Besonders schwierig war es, wenn er in Afrika nach dem Rechten hätte schauen müssen, in Deutschland aber nicht vom Schreibtisch wegkam. Denn sein Geld verdient er mit der Entwicklung und Durchführung großer Bauprojekte. Bürogebäude am Potsdamer Platz in Berlin, in der West City in Frankfurt/Main zählen genauso dazu wie solche am Marstall-Platz in München.

Auch in Burkina Faso schreckt er nicht vor größeren Vorhaben zurück. Dabei sind er und seine Frau eher zufällig auf Afrika gekommen. Durch eine Freundin und deren Hilfsverein wurden sie auf die desolate Wasserversorgung im Land aufmerksam. Mit Freunden finanzierten sie eine Machbarkeitsstudie für einen Staudamm. Und da sich keine öffentlichen Finanziers für den Bau fanden, entschlossen sich die Eheleute 2001, den Damm vor allem aus Eigenmitteln zu finanzieren und eine gemeinnützige Stiftung zu gründen. Denn eines war den beiden klar: Ohne Wasser gibt es keine Entwicklung. „Mit dem Staudamm haben wir jetzt das ganze Jahr über Wasser“, sagt Regina Schuh. Denn nach der Regenzeit bildet sich hinter dem 350 Meter langen Damm ein 25 Hektar großer See mit rund 800.000 Kubikmetern Wasser, das peu à peu in eine nahe gelegene 20 Hektar große Ackerfläche geleitet wird. Die Bauern merken es.

„Früher hatte ich höchstens eine Ernte im Jahr. Heute ist es mehr“, sagt Somé d’Assa. Er ist einer der 88 Bauern der Kooperative, von denen jeder eine kleine bewässerte Parzelle bewirtschaftet. Während der Regenzeit baut er Reis an. Gute 18 Zentnersäcke hat er 2008 herausgeholt. Drei davon brauchte er, um seinen Kredit für Saatgut und Dünger zurückzubezahlen, den Rest verkaufte er. Dann hat er Mais und Zwiebeln angebaut. Wie die anderen Bauern verkauft er den meisten Reis an die Stiftung. „Damit ist ihnen der Absatz zu fairen Preisen gesichert“, sagt Dreyer. Auf dem freien Markt sei dies durch die subventionierten Exporte aus den USA und Europa nur selten möglich. Die Stiftung versorgt mit dem Reis rund 550 Schüler an drei Schulen mit kostenlosem Essen. Das zahlt sich aus: „Früher waren am Ende eines Schuljahres nur noch vier Fünftel einer Klasse da, heute sind es fast alle“, sagt Salfo Kaboré, Finanzchef der Stiftung.

Die Stiftung würde gerne noch mehr Nahrungsmittel aufkaufen, doch die landwirtschaftliche Produktion läuft nicht immer rund. „Ein Teil der Felder bringt nur wenig Ertrag, weil die Bauern sich bei der Aussaat und beim Bewässern nicht abstimmen“, sagt Dreyer. Doch so schnell gibt er nicht auf. Er setzt auf Expertenwissen: Jetzt soll die Agrarwissenschaftlerin Ines Stolz neuen Schwung in die Kooperative bringen. Die Afrika-Kennerin soll die Bauern schulen und eine funktionierende Drei-Felder-Wirtschaft aufbauen. Die Erträge beim Reis und anschließenden Gemüseanbau sollen erhöht und der Boden dann durch Leguminosen-Anbau mit Stickstoff angereichert werden.

Höhere Erträge sind nicht nur in Dano wichtig. Nach dem World Fact Book ist die Bevölkerung in Burkina Faso allein 2008 um drei Prozent auf rund 15 Millionen Menschen gewachsen. Rund 90 Prozent leben von der Landwirtschaft. Mit einem Pro-Kopf-Einkommen von umgerechnet rund 320 Euro im Jahr gehören sie zu den Ärmsten der Welt. Und nur weniger als ein Viertel der über 15Jährigen kann lesen und schreiben.

Gerade deshalb sind Schulen wichtig. Bisher hat die Stiftung zwei Grundschulen renoviert und gemeinsam mit dem Rotary Club Nürnberg-Erlangen das Gymnasium erweitert. Die Schüler fühlen sich wohl: „Das neue Gebäude gefällt mir sehr gut“, sagt die 17-jährige Schülerin Angeline Somé. Dabei ist das ausgefallene Dach vom burkinabischen Architekten Diébédo Francis Kére so konstruiert, dass die Wärmeeinstrahlung nicht so groß ist und immer ein Lüftchen durchzieht.

Als neues Projekt prüft die Stiftung, ob sich die nahe gelegenen, weniger fruchtbaren Böden für den Anbau der Energiepflanze Jatropha eignen. Sollte das der Fall sein, könnte nach drei oder vier Jahren die Nuss des Baumes geerntet und zu Öl verarbeitet werden. „Damit könnten die Frauen dann kleine Kochöfen befeuern“, sagt Dreyer. Dies hätte mehrere Vorteile: Die Frauen würden weniger Bäume abholzen und damit die Erosion vermindern, sie bräuchten keine Zeit zum Holzsuchen und könnten stattdessen bei der Nussernte Geld verdienen.

Die gute Ausführung bringt manchen Folgeauftrag

Für alle Projekte hat die Stiftung bisher rund vier Millionen Euro investiert. Darunter ist auch eine internationale Schulungs- und Begegnungsstätte mit Wohn- und Bürogebäuden, mit Kantine und Konferenzraum, deren Bau nach deutschen Plänen mit afrikanischen Handwerkern ebenfalls ein kleines Abenteuer war.

Oft war der burkinabische Bauleiter Formouzèrè Adama Zala deshalb auf der Baustelle: „Die Leute waren nicht gewohnt, so zu bauen“, erinnert sich Zala, der an der FH Kiel Architektur studiert hat. Doch das Ergebnis lässt sich sehen: „Ein Sichtmauerwerk, so sauber, so gerade, das gibt es in Burkina Faso nicht so oft“, sagt er. Vieles hätten die Maurer, Fliesenleger oder Dachdecker hier zum ersten Mal gemacht. Und manches gleich zwei- oder dreimal. Heute sind die afrikanischen Handwerker froh, denn die gute Ausführung hat ihnen schon manchen Folgeauftrag gebracht.www.dreyerstiftung.de