Der 14. Bundesligaspieltag im Check von deutsche-handwerks-zeitung.de Ein Mobilfunkgegner, der erste Hoffenheim-Kritiker und Schwabens Napoleon

Es war einiges los am 14. Spieltag der Fußball-Bundesliga: Ribéry verzückte mit pinkem Schuhwerk, Christoph Daum sah rot und Stuttgarts Trainer Armin Veh flog. Bundesliga-Kolumne von Stefan Galler

Ein Mobilfunkgegner, der erste Hoffenheim-Kritiker und Schwabens Napoleon

Meisterbetrieb: Geschmackssicheres Schuhwerk und ein Sprücheklopfer mit Schnauzbart

Es ist ja nichts Neues, dass die Bayern stets nach Superlativen streben. Sie haben die meisten Titel gesammelt, sind der umsatzstärkste Verein in Deutschland, zudem derjenige mit den meisten Mitgliedern und Fans. Das sind alles Fakten, doch abgesehen davon, umranken auch noch unzählige gefühlte Rekorde den FCB. So mancher Fußballexperte fügte in dieser Woche noch ein weiteres Kapitel zum niemals endenden bajuwarischen Heldenepos hinzu.

Etwa Matthias Sammer, DFB-Sportdirektor und zumindest in seiner aktiven Zeit kein ausgesprochener Freund der Münchner. Zu Bayerns Wunderdribbler Franck Ribéry sagte der einstige "Feuerkopf" ganz sachlich: "Ich glaube, er ist im Moment der beste Spieler der Welt." Ein großes Wort gelassen ausgesprochen, aber angesichts von Ribérys kleiner Zaubershow mit den adretten rosa Schuhen – inklusive Traumfreistoß zum 1:1 und perfekter Flanke für Klose zum 3:1 – konnte man schon auf solche Gedanken kommen.
Unterdessen bekam auch Jürgen Klinsmann noch ein schönes Attribut von einem erfahrenen Kollegen: Der Bayern-Coach sei der "bestbezahlte Trainer-Lehrling im Weltfußball", tönte Peter Neururer, der nach zweijähriger Arbeitslosigkeit zuletzt beim Zweitligisten MSV Duisburg endlich wieder Unterschlupf fand. Der schnauzbärtige Lautsprecher mag mit seiner Kritik nicht gänzlich daneben liegen, allerdings stellt sich die Frage, was der frühere Werbeträger für Garagentore (!) mit seinen bisherigen 13 Klubs (!!) selbst so Bahnbrechendes erreicht hat. Ein paar Mal auf-, deutlich öfter abgestiegen und mit Bochum immerhin einst in den UEFA-Cup eingezogen. Nicht üppig, aber das sieht Neururer ganz anders: "Wenn es nach der Fachkompetenz geht, müsste ich Real Madrid trainieren." Rekordverdächtig: Neururer, einer der meistzitierten Sprücheklopfer im Weltfußball.

Gesellenstück: Nordderby mit Haken, Ösen und einer Batterie

Von wegen kühle Norddeutsche: Wenn es zwischen Hamburg und Bremen um Bundesligapunkte geht, ist es mit der hanseatischen Zurückhaltung vorbei, die Emotionen schlagen hohe Wellen, es gibt ordentlich auf die Socken und manchmal auch ziemlich sinnfreie Aktionen der Anhänger. Beim 2:1-Sieg des HSV am Sonntag war wieder mal von allem etwas dabei: Ein paar zünftige Blutgrätschen, herrliche Tore wie Diegos zwischenzeitlicher Ausgleich und ein gepflegter Fan-Aussetzer unmittelbar danach, als ein Hamburger Anhänger seinem Ärger über das Werder-Tor dadurch Ausdruck verlieh, dass er seinen Handy-Akku mit Schmackes an die Schläfe von Bremens Kapitän Baumann feuerte.

Nun mag Mobilfunk nicht Jedermanns Sache sein, die Aktion war in jedem Fall ziemlich daneben. Ähnlich übrigens wie die Reaktion von Werder-Coach Schaaf auf die Frage nach Baumanns Verletzung: "Völlig unwichtig", sagte der und ergänzte, was aus seiner Sicht viel entscheidender sei: "Es gibt leider immer noch genügend Vollidioten."

Schön, dass Ivica Olic und Tim Wiese nicht dazu zählen: Der kroatische Stürmer hatte beim letzten Aufeinandertreffen die Stollen des Bremer Keepers mitten ins Gesicht bekommen. Nun rächte sich Olic, indem er Wiese das 2:1-Siegtor für den HSV per Sonntagsschuss einschenkte. Damit waren die Beiden quitt – es folgte ein harmonischer Trikottausch in den Katakomben. Auch das gehört zu einem feurigen Derby: Am Ende muss man sich in die Augen schauen können.

Erstes Lehrjahr: Sensenmann vor der Trainerbank

Da fliegt er heran, der Kanadier McKenna. Haarscharf über der Grasnarbe, genau in die Knochen von Salihovic. Das Ganze passiert unmittelbar vor der Hoffenheimer Trainerbank, der ganze Tross springt auf, fordert eine Bestrafung des Kölner Sensenmannes. Es herrscht Chaos, dann zückt der Schiri die Rote Karte. Und nun wütet nur noch einer: Der Coach des bestraften McKenna, Christoph Daum. Und der macht aus seiner Anti-Hoffenheim-Attitüde kein Hehl. Dem in der Liga – zumindest offiziell – so beliebten Aufsteiger bläst erstmals scharfer Gegenwind ins Gesicht. Bei Daum ist nichts zu hören von Bauchpinselei für den ach so knuffigen Neuling, den man ob seines Offensivgeistes einfach liebhaben muss. Der FC-Trainer teilt stattdessen ordentlich aus: "Was da passierte, ist mit das Unfairste, was ich je in diesem Stadion erlebt habe", trompetet der Fußball-Lehrer. Und weiter: "Die machen immer einen auf attraktiv, lieb und nett, aber die haben den Platzverweis provoziert."

Vielen Fans in der Bundesliga ist Retorten-Klub Hoffenheim ohnehin ein Dorn im Auge. Die Kölner Anhänger hatten auf einem Transparent ihre Meinung zur TSG 1899 gepinselt: "Hochgezüchtet wie ein Schwein – und immer noch ein Dorfverein." Eines ist klar: Je länger Rangnicks Wunderteam an der Spitze der Liga mitmischt, desto mehr Antipathie schlägt ihm aus immer neuen Ecken entgegen. Erfolg macht einsam, aber der Hoffenheimer Coach weist den Vorwurf, seine Mannschaft würde provozieren, zwei Wochen vor Nikolaus ganz cool von sich: "Diesen Schuh, den man uns vor die Tür stellen will, ziehen wir uns nicht an."

Zwei linke Hände: Misserfolg ist unsexy

Da wurde entwaffnende Ehrlichkeit zum fatalen Bumerang: Noch vor wenigen Tagen hatte Stuttgarts Trainer Armin Veh öffentlich eingeräumt, nach dem Gewinn des Meistertitels 2007 Fehleinkäufe getätigt zu haben. Nun verlor er mit dem VfB sang- und klanglos 1:4 in Wolfsburg – und erhielt prompt am Sonntagvormittag die Papiere: Zweite Trainerentlassung in der laufenden Bundesligasaison. Und das, obwohl die Männerfreundschaft zwischen dem smarten Veh und dem Mini-Sportdirektor Horst Heldt stets als kaum erschütterbar galt. Doch erstens hatte Veh durch sein selbstkritisches Statement vom Freitag ja auch den Manager mit bloßgestellt und zweitens macht Misserfolg ziemlich schnell unsexy, auch innerhalb rein platonischer Kumpelbeziehungen und erst recht im knallharten Fußballbusiness. Also kam es laut Zeugenaussagen am Sonntagmorgen zu einem hochemotionalen Gespräch mit dem bekannten Ergebnis. Veh musste einsehen, wie wenig verwelkter Meisterlorbeer wert ist und Horst Heldt darf nun mit dem passionierten Hütchenträger und Interimstrainer Markus Babbel den sportlichen Bereich leiten. Der ist zwar nicht so fesch wie Veh, aber 1,91 Meter groß – 21 Zentimeter länger als der VfB-Napoleon.