Die Bundesliga im Check von deutsche-handwerks-zeitung.de: Ein serbischer Akrobat, ein bayerisches Nickerchen und Trauer-Starre auf Schalke. Kolumne von Stefan Galler
Diagnose Arroganz
Meisterbetrieb: Kloppo kriegt die Kurve
Was war das für eine Woche für Jürgen Klopp: Der Trainer von Borussia Dortmund hatte sich noch vergangene Woche zu einer heftigen Schiedsrichter-Kritik hinreißen lassen, die ihm vom DFB-Sportgericht eine saftige Geldbuße in Höhe von 12.000 Euro einbrachte. Dann setzte er auf dem Heimweg nach dem Training seinen getunten Wagen volle Möhre in den Straßengraben – zwar nur Blechschaden, doch das makellose Image des Saubermanns und ehemaligen Gute-Laune-Augusts aus dem ZDF bekam weitere böse Kratzer. Insofern stand "Kloppo“ im Borussia-Heimspiel gegen Frankfurt auch ein bisschen selbst unter Druck. Und dann das: Die im heimischen Fußball-Tempel zumeist schwächelnden BVB-Cracks legten eine wahre Gala hin, führten schon nach 26 Minuten mit 3:0, was eine Dortmunder Mannschaft seit 30 Jahren nicht mehr geschafft hat. Am Ende hieß es 4:0 und alle Augen auf Klopp, der nach dem ungefährdeten Sieg aber auch keinen Grund hatte, sich abermals als Motzki zu betätigen. Also schüttelte er artig den Regelhütern die Hand und feierte dann mit Team und Fans. Das Zuckerl gab es schließlich vom früheren BVB-Coach Ottmar Hitzfeld, der den Borussen für die Bundesliga-Endabrechnung einen Platz unter den ersten Fünf prophezeite. Happy End also für Kloppo nach dieser aufregenden Woche.
Gesellenstück: Flugshow ins Glück
Wie oft enden Abstiegskrimis oder andere als "Spiel der letzten Chance“ deklarierten Fußballpartien mit einer drögen Nullnummer oder einem anderen unspektakulären Remis. Manchmal gibt es dann doch einen Sieger, der deshalb die Punkte behält, weil das Runde irgendwie ins Eckige geeiert wird oder eine lächerliche Schwalbe den entscheidenden Elfmeter bringt. Nun war auch der Gipfel der Kellerkinder Cottbus und Karlsruhe am Samstag kein Kicker-Kongress für alle Hobby-Brasilianer oder sonstige Liebhaber der hohen Ronaldinho-Schule. In erster Linie wurde geackert, gegrätscht und manchmal auch getreten. Als dann die meisten Zuschauer bereits damit rechneten, an diesem Tag frühestens im Sportstudio Tore zu sehen zu bekommen, folgte der spektakuläre Auftritt von Branko Jelic: Erst vier Minuten zuvor eingewechselt, versenkte der Serbe in der 80. Minute einen traumhaften Fallrückzieher zum entscheidenden Treffer für Energie im KSC-Tor. Und gab damit den Hoffnungen der Lausitzer, auch in dieser Saison als größter Underdog der Liga wieder die Klasse halten zu können, neue Nahrung. Wer also in Zeiten der Finanzkrise noch ein paar Mücken übrig hat und seine Zockermentalität bisher bewahren konnte, sollte schnell im nächsten Wettbüro vorbeischauen und auf den Cottbuser Klassenerhalt setzen. Die Quoten dürften am Samstag nicht sonderlich gefallen sein: Energie ist nämlich immer noch Tabellenletzter.
Erstes Lehrjahr: Mir san mir – und manchmal überheblich
Alles klar im Borussia-Park. Die Bayern führten um 17.04 Uhr mit 2:0 und das einzige, was die schwarz gewandeten Balltreter nun noch beschäftigte, war die Frage, ob ihre Busfahrerin den schnellsten Weg von Mönchengladbach zum Düsseldorfer Flughafen kennen würde. Was dann innerhalb von handgestoppten 137 Sekunden passierte, war die logische Folge von Arroganz, Selbstgefälligkeit und dem trügerischen Gefühl, im deutschen Fußball ganz allgemein und in dieser Partie im Besonderen völlig konkurrenzlos zu sein: Bumm-Bumm machte es, zweimal durften die schwer abstiegsgefährdeten Gladbacher aus kürzester Distanz völlig frei köpfeln – und schon war der Dreier vertölpelt, die jüngste Siegesserie beendet und die Ankündigung von Manager Hoeneß, schon nächste Woche die Tabellenführung zu übernehmen, zur Lachnummer geworden. Der arme Uli kauerte bei Spielende mit hochrotem Kopf auf der Bayernbank und sah aus wie ein Schnellkochtopf, bei dem das Überdruckventil klemmt. Aber auch für die Überheblichkeit seiner Elf hat Trainer und Motivationsguru Jürgen Klinsmann offenbar schon das richtige Mittel in der Schublade: Er ist allen Ernstes kurz davor, den Amerikaner Landon Donovan für die Rückrunde zu verpflichten. Die USA mögen in vielen Bereichen Weltspitze sein, der Fußball gehört nicht dazu – und das dürfte selbst für einen der besten Balltreter des Landes gelten. Aber vielleicht trägt es ja zur allgemeinen Demut bei, wenn einer im Kader ist, der nicht so wahnsinnig gut kicken kann.
Zwei linke Hände: Auf Trauer folgt Lethargie
Auf Schalke haben sie in dieser Woche getrauert: Klublegende Charly Neumann starb am Dienstag 77-jährig. Entsprechend gedämpft war die Stimmung schon vor dem Gastspiel der Königsblauen in Leverkusen. Die S04-Spieler trugen Trauerflor, Fans beider Mannschaften würdigten Neumann vor dem Spiel mit Transparenten und einer Schweigeminute. Seinen Lebenstraum, einmal mit der Meisterschale durch die heimische Arena zu laufen, konnte das Team dem Kult-Zeugwart und –Mannschaftsbetreuer nicht mehr erfüllen. Dafür hatte Schalke-Manager Andreas Müller schon kurz nach der Todesnachricht verlauten lassen, nun sei es die Pflicht der Mannschaft, für Neumann in naher Zukunft den Titel zu holen. Wer dachte, das würde sich im Match gegen Leverkusen bereits in einer besonders engagierten Leistung niederschlagen, sah sich getäuscht: Wäre es nicht pietätlos, müsste man fast sagen, die Schalker stellten sich eine Halbzeit lang tot. Nicht ganz so blutleer, aber auch nicht wirklich gut dann Abschnitt zwei, weshalb der alte und neue Tabellenführer Bayer 04 einen allenfalls gegen Ende nochmal kurz gefährdeten 2:1-Erfolg feierte. Der ansonsten so ruhige Trainer Rutten tobte hinterher wie selten zuvor und kündigte Konsequenzen an. Vorschlag wäre eine Frischzellenkur oder kneipp‘sche Wechselbäder, damit das mit dem plötzlichen Blutdruckabfall kurz vor dem Anpfiff nicht wieder vorkommt. Für Charly Neumann kann man nach dem Spiel vom Samstag jedenfalls nur hoffen, dass die da oben im Schalker Himmelreich keine Auswärtsspiele übertragen.