Die Sonderschau Exempla auf der Internationalen Handwerksmesse in München präsentiert 25 Instrumentenbauer aus aller Welt.
Jens-Christopher Ulrich
Auf der Suche nach dem perfekten Klang
Ob auf Hochzeiten, Geburtstagsfesten oder Beerdigungen – die Musik ist für nahezu alle Kulturen dieser Welt von großer Bedeutung. Der Bau eines Musikinstruments vereint klassische handwerkliche Tugenden wie Materialkenntnis und -verarbeitung, technisches Geschick, Formsicherheit, das Adaptieren oft jahrhundertealter Erfahrungen, aber auch die Neugierde, den Forscherdrang, Neues zu entwickeln. Die Deutsche Handwerks Zeitung stellt einige der Aussteller vor, die vom 11. bis 17. März auf der Exempla zu sehen sind.
Noch heute umfasst der Bau einer Geige rund 500 Arbeitsgänge. Dabei werden diverse Holzarten verbaut – der Korpus besteht hauptsächlich aus europäischer Fichte aus den Alpen, die in natürlichen Bergmischwäldern oder Schutzwaldungen wächst, oder aus Bergahorn. Dagegen werden Griffbrett, Wirbel und Saitenhalter meist aus Ebenholz gefertigt. Giorgio Grisales und Stefano Trabucchi, beides Absolventen der renommierten Geigenbauschule in Cremona, eifern auf der Exempla ihren berühmten Cremoneser Vorbildern Antonio Stradivari und Andrea Amati nach.
Fiedel für Frodo
Die Hardangerfiedel wurde 1651 erstmals erwähnt. Sie ist ein in der Volksmusik Norwegens beliebtes Instrument, das vereinzelt auch in der klassischen Konzertmusik zum Einsatz kommt. Weltweite Berühmtheit erlangte sie im Kinofilm „Der Herr der Ringe“. Der junge Fiedelbauer Ottar Kåsa aus der norwegischen Provinz Telemark stellt in München einige seiner Instrumente aus und führt Schnitzarbeiten am Hals einer Fiedel vor.
Der Kontrabass als tiefstes und größtes Streichinstrument ist im modernen Sinfonieorchester ebenso vertreten wie im Jazz und Rock ’n’ Roll. Horst Grünert aus Penzberg, der neben Kontrabässen auch Celli baut und restauriert, arbeitet ausschließlich mit ausgesuchten Hölzern, die zuvor jahrelang im eigenen Holzlager getrocknet wurden. Nur so können sich die unterschiedlichsten Klangfarben entfalten und kostbare Instrumente fachmännisch restauriert werden.
Open-Air-Flügel aus Karbon
Dass noch heute alle Märsche in Bayern „böhmisch“ geblasen werden, ist auch ein Verdienst der Musikinstrumenten-Manufaktur Wenzel Meinl GmbH. Die aus dem böhmischen Graslitz stammende Familie ist seit dem 19. Jahrhundert im Blasinstrumentenbau tonangebend. Im bayerischen Geretsried bauen rund 20 Mitarbeiter neben Tuben auch Posaunen, Trompeten, Tenor- und Baritonhörner, Wagnerhörner und Euphonien. Firmeninhaber Gerhard Meinl, selbst ausgebildeter Trompeter, hat in seinem Betrieb das Prinzip der „offenen Werkstatt“ eingeführt. Dabei kommen Künstler nach Geretsried und entwickeln die Instrumente nach ihren Wünschen gemeinsam mit den Instrumentenbauern. Zunächst wird aus dünnen Messingblech und -rohren der Rohling geformt. Früher wurden diese mit flüssigem Blei gefüllt und nach Erkalten von Hand in die gewünschte Form gebracht. Heute funktioniert dies umweltfreundlich mit Hilfe von Eis. Mit speziellen Techniken wird die Oberfläche des jeweiligen Instruments dann geglättet und zugleich verdichtet und gehärtet.
Über 900 Stunden, in denen 1.500 handpolierte Einzelteile aus ausgewählten Materialien zusammengesetzt werden, sind nötig, um eine Harfe von besonderer Spielqualität herzustellen. Der Horngacher Konzertharfenbau aus Starnberg gilt heute als der weltweit führende Betrieb in seiner Klasse. Klaus Horngacher ist ausgebildeter Orgelbauer und Harfenbauer, in seinem Betrieb arbeiten Schreiner, Bootsbauer und Feinmechaniker.
Zither-Promoter Max in Bayern
Die Klaviermanufaktur Steingraeber & Söhne, 1820 in Thüringen gegründet und seit 1852 in Bayreuth tätig, wird bereits in der sechster Generation geführt. Chef Udo Schmidt-Steingraeber verfügt in seinem Familienbetrieb über Trockenkammern, in denen die Holzkorpusse der Flügel auf drei Prozent Feuchtigkeit wie bei Wüstenklima heruntergetrocknet werden oder in denen die Hölzer auf hohe Luftfeuchtigkeit wie z.B. in Singapur vorbereitet werden. Für das Gehäuse wird Vollholz verwendet; auch in der Behandlung der Gehäuseoberflächen greift man auf Altbewährtes wie Schellack oder Wachs zurück. Eine Neuentwicklung ist dagegen ein Flügel mit einem Resonanzboden aus Karbon. Diese Bauweise dient der erhöhten Stabilität der Stimmung von Instrumenten, die extremen Klimaschwankungen ausgesetzt sind, etwa wenn sie unter „Open-Air-Bedingungen“ gespielt werden.
Zur Spezialität von Gitarrenbauermeister Tom Launhardt aus Wetzlar gehören neben akustischen Gitarren auch E-Gitarren und E-Bässe. In kleinen Serien baut Launhardt die erfolgreichsten Gitarrenmodelle der Musikgeschichte nach, wie die „Fender Stratocaster“ oder die „Les Paul“ von Gibson. Einen besonderen Ruf hat sich der Wetzlarer in der Instrumentenlackierung erarbeitet. Von der klassischen Schellackpolitur bis zu Lackierungen mit Polyurethan oder Nitrocellulose werden historische und innovative Techniken in seiner Werkstatt eingesetzt.
Das Alphorn stammt aus Tibet
Bei der Zither handelt es sich in ihren Ursprüngen um ein alpenländisches Volksmusikinstrument, das erst im ausgehenden 19. Jahrhundert Einzug in die Salons des europäischen Bürgertums hielt. Mittlerweile ist sie zu einem akzeptierten Konzertinstrument avanciert.
Ihre Bekanntheit im Alpenland und später in ganz Europa verdankt sie Herzog Max in Bayern, der das Instrument 1836 erstmals hörte und zu seinem Lieblingsinstrument erkor. Kurt Hartwig führt bereits in dritter Generation die Zither- und Gitarrenbauwerkstätte seines Großvaters in München.
Dass das Alphorn ursprünglich aus Tibet stammt und erst ab dem 16. Jahrhundert in der Schweiz bekannt wurde, ist weitgehend unbekannt. Wirklich populär wurde es dort erst in den 60er Jahren. Hansruedi Bachmann und sein Sohn Walter aus dem Emmental sind die einzigen Alphornbauer der Schweiz, die noch die gesamte Fertigung – das sind immerhin 80 Stunden für ein drei bis fünf Meter langes Instrument – von Hand ausführen.