Der zehnte Bundesligaspieltag im Check von deutsche-handwerks-zeitung.de Schwedische Dörfer, tschechische Schauspieler und ein Badener Rambo

Bundesligaprofis schätzen Stress nicht sehr und da eine Englische Woche mit viel Stress verbunden ist, sinkt auch die Toleranzschwelle. Der zehnte Spieltag war gezeichnet von Provokationen und Überreaktionen. Kolumne von Stefan Galler

Schwedische Dörfer, tschechische Schauspieler und ein Badener Rambo

Meisterbetrieb: Auf Sieg programmiert

Man kennt das ja, wenn lange eingefahrenes Fußball-Establishment in seinen Grundmauern erschüttert wird: Irgendwann weicht die Freude über den frechen Emporkömmling einer gewissen Empörung darüber, dass da jemand womöglich an die Pfründe der Etablierten will. So in etwa verhält sich das bei vielen Fußballfreunden und insbesondere bei den alteingesessenen Bundesliga-Granden derzeit mit dem Phänomen Hoffenheim. 22 Punkte nach zehn Spielen hat der Tabellenführer, der sich von keinem Rückstand aus der Ruhe bringen lässt, unglaublich spektakulär aufspielt und damit massiv an der Hierarchie der Eliteklasse rüttelt. Und das, obwohl Mäzen und Milliardär Dietmar Hopp noch gar nicht am dicken Geldschrank war und ein paar Weltstars an Land gezogen hat. Vielmehr reicht es offenbar schon, ein Zweitligateam wachsen zu lassen und mit dem ein oder anderen Talent anzureichern, um Deutschlands beste Fußballvereine rechts zu überholen. Doch was steckt dahinter? Nicht nachweisbare Dopingmittel werden es ja wohl nicht sein, wir sind ja nicht bei der Tour de France. Eher schon hat Softwareunternehmer Hopp ein paar Mark in eine neue Abteilung seines Unternehmens gesteckt: Der Codename der Arbeitsgruppe heißt F.a.E.p. – Fußballer auf Erfolg programmieren.

Gesellenstück: Willkommen in Ibrahimovic-City

Jeder Schuss kann eine Stange Geld wert sein, jeder Fehlversuch eben so viel kosten. Ein Fußballspieler in der Position, in der augenblicklich Bastian Schweinsteiger steckt, dürfte so etwas wie richtig dicken Leistungsdruck spüren – noch mehr als ohnehin schon in unserer gnadenlosen Medienwelt. Der Nationalspieler verhandelt demnächst mit dem FC Bayern um einen neuen Vertrag, im Raum steht eine Verdoppelung seiner Bezüge von momentan bescheidenen 3,3 Millionen auf 6 Millionen Euro Jahressalär. Da hätte er beim Spiel in Frankfurt ordentlich Argumente sammeln können, etwa, wenn er Ribérys Zuspiel in der ersten Halbzeit zur Führung genutzt hätte. Am Ende war er dann ja doch noch an beiden Toren der Münchner zum 2:1-Sieg beteiligt, alles im grünen Bereich also, was den bevorstehenden warmen Geld-Dauerregen angeht.

Für ein Dach überm Kopf und eine warme Mahlzeit am Tag wird es ziemlich sicher auch in Zukunft reichen, auch wenn zu europäischen Spitzenverdienern wie Zlatan Ibrahimovic noch ein Stück vom Knetekuchen fehlt. Der Schwede verdient bei Inter Mailand angeblich 12 Millionen Euro im Jahr, also eine schlappe Mille im Monat oder auch 33.000 Euro am Tag. Drängt sich die Frage auf, was man sich von so viel Asche kaufen soll. Mit ein paar Immobilien ist es da eigentlich nicht getan, selbst ganze Straßenzüge wären bei diesem Gehalt kein Problem. Also nicht wundern, liebe Skandinavien-Urlauber, wenn Sie bei Ihrer nächsten Schwedenreise irgendwo zwischen Malmö und Helsingborg das Ortsschild "Kommun Ibrahimovic" passieren: Hier hat sich dann nämlich ein Nationalspieler seine eigene Gemeinde hingestellt.

Erstes Lehrjahr: Schwalbe im Tiefflug

Bundesligaprofis schätzen Stress nicht sehr und da eine Englische Woche mit viel Stress verbunden ist, sinkt auch die Toleranzschwelle. Anders ausgedrückt: Die Nerven liegen blank, Provokationen können schnell mal zu Überreaktionen führen. Hamburgs David Jarolim kitzelte mal wieder seine Gegner, indem er nach einer spektakulären Flugeinlage im Stuttgarter Strafraum zum wiederholten Mal einen Elfmeter erwirkte. VfB-Keeper Jens Lehmann konnte sich nur schwer zurückhalten, der Nummer 14 im Hamburger Team an die Wäsche zu gehen. Dessen Spielweise ist bei der Gegnerschaft nicht gerade populär, schließlich teilt der Tscheche aus, wo er kann, mit dem Einstecken hapert es aber: Schon ein Zupfer am Ärmel führt beim offenbar sehr empfindsamen Mittelfeldrenner zu Schreikrämpfen und halsbrecherischen Stürzen. Dafür gibt’s zwar keine guten Haltungsnoten, dafür aber meistens Strafstöße oder Karten gegen den jeweiligen Kontrahenten. Stuttgarts Verteidiger Khalid Bouhlarouz, einst Jarolims Kollege beim HSV und ebenfalls nicht gerade ein Kind von Traurigkeit, spricht vielen Kickern und Fans mit rustikalen Worten aus der Seele: "Was David macht, ist scheiße für den Fußball."

Zwei linke Hände: Der Bösewicht der Bundesliga

Wenn wir schon in der Rubrik "Bad Boy" sind, dann wenden wir uns doch gleich noch einem Prototypen für dieses Genre zu. Gemeint ist Karlsruhes Maik Franz, der bei einer Umfrage unter seinen Berufskollegen nach dem unbeliebtesten Bundesligakicker prozentual mal locker Edmund Stoibers beste Bayernwahlergebnisse in den Schatten stellen würde. Seit Dienstagabend hat Franz noch ein paar Feinde mehr, schließlich gab er beim 0:3-Heimdebakel gegen Schalke mal wieder den skrupellosen Fußball-Bösewicht. Als er nach unzähligen Provokationen und Fouls, sowie einem ultrabrutalen Bodycheck gegen Farfan schließlich für eine verhältnismäßig harmlose Geste Gelb-Rot sah, zertrümmerte er auch noch einen Klappstuhl am Spielfeldrand. Dabei gibt sich Franz abseits des Platzes gerne als smarter und eloquenter Typ. Erst neulich war er im ZDF-"Sportstudio" zu Gast und offenbarte, sich vor einem Spiel gegen einen ausländischen Stürmer nicht extra die gemeinsten Beleidigungen aus dem Wörterbuch herauszuschreiben. Muss ja auch nicht unbedingt sein, oft reicht ja auch ein Ellbogenschlag, eine Blutgrätsche oder ein Hieb in die Magengrube, um sich verständlich zu machen.