Der neunte Bundesliga-Spieltag im Check von deutsche-handwerks-zeitung.de Bayerns blaue Augen, ein glücklicher Jubilar und das Shopping-Paradies Mailand

Wie es in Uli Hoeneß in den letzten Wochen wirklich aussah, weiß wohl nur sein Internist. Eines jedenfalls steht fest: Ganz so cool, wie sich der Bayern-Manager vor dem Hintergrund der sportlichen Fehlgriffe zuletzt nach außen gegeben hatte, war er bestimmt nicht. Kolumne von Stefan Galler

Bayerns blaue Augen, ein glücklicher Jubilar und das Shopping-Paradies Mailand

Meisterbetrieb: Vom Haus- zum Herbstmeister in 45 Minuten

Nach der spektakulären Aufholjagd am Samstag gegen die "Wölfe" ließ der Wurstfabrikant im Nebenberuf dann ein bisschen tiefer blicken. Auf die Frage nach einer möglichen Herbstmeisterschaft der Münchner sagte Hoeneß: "Zur Pause dachte ich, wir werden höchstens Hausmeister." Doch nicht zuletzt dank eines überragenden Miroslav Klose und des nötigen Quäntchen Glücks in der Abwehr drehten die Bayern einen 1:2-Rückstand in einen 4:2-Sieg um. Da waren Jürgen Klinsmann und seine Elf mit einem blauen Auge davongekommen. So wie Franck Ribéry aus dem Champions League-Spiel gegen Florenz. Dessen Veilchen strahlte auch am Samstag noch in vielen bunten Farben.

Gesellenstück: Christoph Daum feiert mit alten Freunden

Die Geburtstagswoche von Trainer Christoph Daum hatte es wahrlich in sich: Zunächst mal sorgte Löwen-Stürmer Berkant Göktan dafür, dass der vor acht Jahren überführte Daum nicht mehr der einzige Kokain-Sünder in der deutschen Fußballgeschichte ist. Dann durfte er ausgerechnet an seinem 55. Geburtstag mit dem 1. FC Köln zum Rheinderby bei seinem ehemaligen Verein Bayer Leverkusen antreten und wurde prompt zumindest von einem Fan mit einem ordentlichen Feuerwerk gefeiert. Dass es wegen des Böllers, der aus dem Kölner Block aufs Spielfeld flog, fast einen Spielabbruch gegeben hätte, sei nur am Rande erwähnt. Auch die Tatsache, dass Daums Plan von der "Sensation von Leverkusen" wegen zweier später Gegentore nicht ganz aufging, konnte dem Jubilar den Ehrentag nicht vergällen. Schließlich feierten die gegnerischen Fans ihren früheren Übungsleiter mit den schönen Liedern "Happy Birthday to you" und "Du hast die Nase voll". Wenn das mal keine schöne Party war.

Erstes Lehrjahr: Aufstand der letzten Machos

So richtig nachvollziehbar ist der Konflikt eigentlich nicht: Da eilt die Nationalmannschaft in der WM-Qualifikation von Sieg zu Sieg – und dennoch kracht und blitzt es an allen Ecken und Enden. Torsten Frings stänkert gegen Bundestrainer Löw, Michael Ballack springt ihm zur Seite und knüppelt ebenfalls auf den DFB-Coach ein. Was aber steckt hinter diesem Feldzug der beiden Haudraufs aus dem deutschen Mittelfeld? Geht es wirklich nur um die Wahrung ihrer Pfründe, um die offensive Einforderung ihrer Stammplätze? Oder haben diese beiden Schwergewichte des deutschen Fußballs nicht vielmehr ein persönliches Problem mit der Jogi-Hansi-Olli-Connection an der Spitze der Nationalmannschaft? Diese gewollt intellektuell daherkommenden Softies Löw, Flick und Bierhoff scheinen mittlerweile lieber Vorzeige-Schwiegersöhne wie Hitzlsperger oder Rolfes in den tragenden Rollen der Auswahl zu sehen als jene beiden alternden Machos, die keiner Konfrontation aus dem Weg gehen.

Da sei nur die handfeste Auseinandersetzung Ballacks mit Bierhoff nach dem EM-Finale erwähnt. Der Kapitän soll den Teammanager als "Obertucke" bezeichnet haben. Und Frings tritt bei jeder Gelegenheit nach dem Bundes-Jogi. Mal sehen, ob es eine gemeinsame Zukunft gibt. Ballack hat ja schon angekündigt, sich entschuldigen zu wollen. Eines würde sicher helfen: Wenn sich die Störenfriede neue Spitznamen zulegen würden: Wie wäre es mit Balli und Torsti?

Zwei linke Hände: Die verblassenden Galaktischen oder Silvios Resterampe?

Vergangene Woche war ja großer Europapokal-Aufmarsch, nicht nur in der Champions League, sondern auch im UEFA-Cup, wo sich bekanntlich fünf Bundesligateams bis in die Gruppenphase vorgekämpft haben. Die sind in guter Gesellschaft, schließlich muss sich auch der AC Milan dieses Jahr mit dem Wettbewerb um den "Cup der Verlierer" trösten. Grund genug für uns, mal über den Liga-Tellerrand hinauszuschauen. Die Italiener siegten zum Auftakt 3:1 in Heerenveen, sorgten aber mit einem ganz anderen Thema für Schlagzeilen: David Beckham soll im Winter zumindest für ein halbes Jahr nach Mailand wechseln. Für dessen Frau Victoria sicherlich eine willkommene Abwechslung, nach den Boutiquen in Hollywood mal jene in der italienischen Modemetrople leer zu kaufen.

Fraglich nur, welchen sportlichen Wert der Transfer hat, schließlich kickt Beckham seit geraumer Zeit nur noch in der amerikanischen Operettenliga, sein Klub L.A. Galaxy spielte in der laufenden Saison zudem ziemlich irdisch und verpasste dementsprechend die Playoffs. Da drängt sich der Eindruck auf, dass Silvio Berlusconis Klub langsam zum Endlager für verbrauchte Megastars wird, schließlich kugelte sich in der Vergangenheit schon ein kaum mehr austrainierter Ronaldo im Milan-Trikot übers Feld. Und neuerdings versucht mit Ronaldinho ein weiterer Brasilianer, dessen bessere Tage längst vorbei sind, bei den Rossoneri neue Motivation für seinen Beruf zu finden. Die Mailänder avancieren sozusagen zur Galaxie der verblassenden Stars oder einfach zu Silvios Resterampe.