Bundesfinanzministerium Bankenkrise bremst Bahn-Börsengang

Der Börsengang der Deutschen Bahn wird wegen der anhaltenden Finanzmarktkrise auf unbestimmte Zeit verschoben. Das teilten das Bundesfinanzministerium und die Deutsche Bahn mit.

Vorerst nicht an der Börse: die Deutsche Bahn. Foto: ddp

Bankenkrise bremst Bahn-Börsengang

Die Teilprivatisierung der Bahn sei kein Selbstzweck, erläuterte Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) die Entscheidung. "Sie muss der Stärkung des Unternehmens und einer Verbesserung des Angebots für die Bahnkunden dienen. Im derzeitigen Marktumfeld ist ein entsprechender Erlös offensichtlich nicht zu erzielen", sagte er. "Ein Verschleudern von Aktien unter Wert wird es nicht geben. Es ist deshalb unumgänglich, den Börsengang der Bahn zu verschieben", fügte er hinzu.

Grundsätzlich hält die Bundesregierung allerdings weiter an dem umstrittenen Vorhaben fest. "Der Börsengang der Bahn kommt. Wir werden das Vermögen des Bundes nicht zur Unzeit an den Kapitalmarkt bringen", sagte Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD). "Sobald das Marktumfeld einen erfolgreichen Börsengang möglich macht, sind wir startklar. Die Weichen sind gestellt", fügte er hinzu.

Auch die Deutsche Bahn will weiter an den Kapitalmarkt. "Wir haben eine überaus positive Resonanz der Investoren erhalten", sagte der Vorstandsvorsitzende Hartmut Mehdorn. "Angesichts der extrem hohen Volatilität und Verunsicherung an den weltweiten Kapitalmärkten, insbesondere seit Anfang dieser Woche, haben wir uns aber gemeinsam mit unserem Eigner, dem Bund, entschlossen, den Zeitplan anzupassen", sagte er weiter.

Ursprünglich wollte die Bahn am 27. Oktober 24,9 Prozent der Anteile ihrer Personen- und Güterverkehrstochter DB Mobility Logistics an die Börse bringen. Die Infrastruktur, also die Bahnhöfe und das rund 34.000 Kilometer lange Netz, soll beim Bund bleiben. Bereits am kommenden Montag sollte die Zeichnungsfrist beginnen. Anfänglich waren Einnahmen von fünf Milliarden bis acht Milliarden Euro erwartet worden. Wegen der anhaltenden Finanzmarkturbulenzen hatten Kritiker zunehmend davor gewarnt, deutlich weniger Geld zu erlösen. Von höchstens vier Milliarden war teilweise sogar die Rede.

Unions-Haushaltsexperte Steffen Kampeter (CDU) begrüßte die Verschiebung sowie das gleichzeitige Festhalten an dem Projekt. "Wir verkaufen unsere Bahn nicht zu einem nicht akzeptablen Preis", betonte er. Auch FDP-Verkehrsexperte Horst Friedrich zeigte sich erleichtert. "Es muss bei den Verkaufserlösen von fünf bis acht Milliarden Euro bleiben, die der politischen Entscheidung zugrunde gelegt wurden", sagte er. Das Bündnis "Bahn für Alle" sprach sogar von einem "Grund zu feiern".

Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) lobte die "späte Einsicht". "Wir weisen seit Wochen darauf hin, dass die Stimmung an den Kapitalmärkten alles andere als geeignet ist, um die Bahn an die Börse zu bringen", sagte DSW-Hauptgeschäftsführer Ulrich Hocker. Die Bahn sei zwar grundsätzlich ein defensives und solides Papier, doch die Gefahr, "dass die Aktie von der allgemeinen Vertrauenskrise mit in die Tiefe gerissen wird, ist einfach zu groß".

Ralf Beunink/ddp