Ein Interview mit Roland Lotz, Vorstandsmitglied des BKK-Landesverband Ost zum Start der Arbeitgeberversicherung und der Frage, wie schnell Krankenkassen inzwischen auf Arbeitgeberanfragen reagieren können.
"Zeit ist die knappste Ressource"
DHZ: Ende nächsten Jahres feiert die BKK-Arbeitgeberversicherung ihr 15-jähriges Bestehen. Worin sehen Sie den Erfolg des Modells?
Lotz : Mit dem Okay der Aufsicht starteten wir im Januar 1995 am Standort Magdeburg die damalige Lohnfortzahlungskasse. Gut zehn Jahre danach folgte dann der Gesetzgeber und gab dem Verfahren im Gesetz über den Ausgleich der Arbeitgeberaufwendungen, dem AAG, die entsprechende Basis. Heute können insgesamt 115 Betriebskrankenassen aus ganz Deutschland von Service und Leistung unserer Arbeitgeberversicherung profitieren.
DHZ: Sie betreuen heute rund 800.000 Arbeitgeber aus ganz Deutschland. Wie bewältigt man einen derartigen Aufwand?
Lotz: Das ist ohne leistungsfähige EDV undenkbar. Immerhin erreichen uns monatlich mind. 80.000 Erstattungsanträge, in Stoßzeiten über 12.000 Anträge pro Tag und mehr als 120.000 Erstattungsanträge im Monat. Heute bearbeiten wir fast alle Anträge voll digitalisiert. Im Idealfall erfolgt die Auszahlung des Erstattungsbetrags an den Arbeitgeber drei Minuten nach Antragseingang. Da es die entsprechende Technologie nicht gab, mussten wir sie seinerzeit selbst entwickeln. Auch die Arbeitgeber profitieren davon: Nicht zuletzt dank unserer Initiative existiert heute für alle Kassen das gleiche, maschinenlesbare Meldeformular.
DHZ: 2009 startet der bundeseinheitliche Gesundheitsfonds. Welche Perspektiven sehen Sie für Ihr Unternehmen, wenn der Beitragssatz der Kassen als Wettbewerbsmarker ausgedient hat?
Lotz: Ich denke, dass künftig wieder mehr auf die Leistungen der Kassen geschaut wird. Niemand kann es sich leisten, knappe Ressourcen in unproduktive Strukturen zu investieren. Und die knappste aller Ressourcen ist die Zeit. Die Betriebskrankenkassen werden sich daher auf ihr Kerngeschäft konzentrieren und unter Fonds-Bedingungen neu ausrichten müssen. Die Arbeitgeber erwarten auch künftig schnellen Service und natürlich zügige Zahlungen. Wir haben in nun bald eineinhalb Jahrzehnten das dafür nötige know-how gesammelt. Was immer der Fonds bringt, wir stehen bereit.
BKK-AGV
Die Arbeitgeberversicherung des BKK-Landesverbandes Ost wurde 1995 in Magdeburg als Lohnfortzahlungskasse gegründet. Arbeitgeber erhalten hier die Aufwendungen bei Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall der Beschäftigten (Umlage 1) und bei Eintritt in Mutterschutz oder Beschäftigungsverbot (Umlage 2) erstattet. 90 Mitarbeiter betreuen heute im größtenteils vollautomatisierten Verfahren 115 Betriebskrankenkassen und rund 800.000 Arbeitgeber aus ganz Deutschland.
Die Umlagesätze betragen in der U1 0,9 v.H. bei 60 Prozent bzw. 2,7 v.H. bei 80 Prozent Erstattung inklusive Arbeitgeberanteile; in der U2 beträgt die Umlage 0,12 v.H. bei 100 Prozent (Mutterschutz) und 120 Prozent Erstattung (Beschäftigungsverbot).
