Überweisungspanne KfW räumt fachliche Fehleinschätzungen ein

Die bundeseigene Förderbank KfW hat erneut massive Fehler bei der millionenschweren Überweisung an die insolvente US-Investmentbank Lehman Brothers eingeräumt.

KfW räumt fachliche Fehleinschätzungen ein

Im Rückblick lag eine "Fehleinschätzung der verantwortlichen Abteilungen zum Insolvenzrisiko" bei Lehman zugrunde, heißt es in einer Stellungnahme der KfW-Bankengruppe. Sie widersprach damit Medienberichten, wonach die Überweisung "offenbar in voller Absicht" erfolgt sei.

KfW-Chef Ulrich Schröder habe in der Verwaltungsratssitzung am 18. September bereits mitgeteilt, dass die Risikoeinschätzung der verantwortlichen Abteilungen falsch vorgenommen worden und deshalb in den automatisierten Zahlungsverkehr nicht eingegriffen worden sei.

Laut KfW-Stellungnahme hat Schröder in der Verwaltungsratssitzung weiter erklärt, dass die Handhabung der Transaktion mit Lehman Brothers "neben fachlichen Fehleinschätzungen der Gefährdungssituation grundlegende Schwächen in der Aufbau- und Ablauforganisation der KfW sowie strukturelle Defizite im Risikomanagement" offenbart habe.

Dem "Handelsblatt" sagte Schröder, es sei ein Fehler gewesen, die Situation an dem fraglichen Wochenende nicht zu verfolgen, um im Zweifelsfall eingreifen zu können. "Die Überweisung hätte am Wochenende oder am Montagmorgen gestoppt werden müssen", sagte Schröder. Daher setzten die Vorwürfe zu Recht ein. Schröder sagte der Zeitung zudem, dass die KfW in diesem Jahr schwarze Zahlen nicht schaffen werde.

Medienberichten zufolge war den KfW-Bankern bereits vor der millionenschweren Überweisung an das insolvente Investmenthaus Lehmann Brothers die Schieflage des amerikanischen Bankhauses bekannt. Laut "Frankfurter Allgemeine Zeitung" sind die Manager bereits drei Tage vor der Überweisung bei einer Analyse zu dem Schluss gekommen, dass 2Lehman nicht so gut aussieht". So habe die KfW beschlossen, die geplante Überweisung durchzuführen, weitere Geschäfte mit Lehman aber nicht mehr zu tätigen. Trotz sich zuspitzender Medienberichte sei der Auftrag zur Transaktion dann am Montag um 8.37 Uhr bei der Bundesbank eingegangen und wenig später ausgeführt worden. Dem Bericht zufolge ist mindestens die Hälfte der 350 Millionen Euro verloren.

Nach Angaben von "Spiegel Online" hingegen haben sich die drei suspendierten Manager der KfW bereits am Freitag auf einen Überweisungsstopp an Lehman verständigt. Allerdings habe offenbar niemand die bereits im Computer gespeicherte Transaktion überprüft. Kurz nach der Überweisung habe KfW-Chef Schröder wie alle anderen Chefs deutscher Banken eine Mail der Bundesbank erreicht, wonach "Lehman nicht mehr am Zahlungsverkehr teilnimmt".

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) kritisiert indes den Umgang der KfW mit dem Geld der Steuerzahler. Steinmeier sagte der "Saarbrücker Zeitung", er finde es "unglaublich, wie leichtfertig manche Bankmanager mit dem Geld ihrer Kunden umgehen, oder wie im Fall der KfW mit dem Geld von uns Steuerzahlern". Zugleich kündigte er an, am Rande der UN-Generalversammlung in New York mit US-Notenbankern zu sprechen. "Die internationale Finanzwirtschaft braucht Regeln, um die Gier und Zockermentalität einzudämmen", sagte der Minister.

ddp