Lehman-Pleite erschüttert Finanzwelt Aktienkurse brechen weltweit ein

Die Pleite der viertgrößten US-Investmentbank Lehman Brothers und der Notverkauf des Bankhauses Merrill Lynch an die Bank of America infolge der Finanzmarktkrise haben weltweit die Finanzmärkte erschüttert.

Aktienkurse brechen weltweit ein

Allein bei Lehman Brothers belaufen sich die Schulden auf rund 613 Milliarden Dollar (433 Milliarden Euro). Notenbanken und Aufsichtsbehörden versuchten in Europa mit Erklärungen und Markteingriffen, den Schock zu dämpfen.

Die Europäische Zentralbank (EZB) stellte 30 Milliarden Euro im Rahmen eines sogenannten eintägigen Feinsteuerungstenders zu einem Durchschnittssatz von 4,39 Prozent zur Verfügung. Auch die Schweizerische Nationalbank (SNB) und die Bank of England (BoE) teilten zusätzliche Liquidität zu. Zudem kündigte ein Zusammenschluss von zehn großen Banken – unter ihnen auch die Deutsche Bank – an, 70 Milliarden Dollar zur Verfügung zu stellen, um Liquiditätsengpässe von Banken abzufedern.

Lehman Brothers hatte in der vergangenen Woche wegen der Hypothekenkrise einen Verlust von 3,9 Milliarden Dollar im dritten Quartal bekannt gegeben. Die Aktie der Investmentbank verlor seitdem mehr als drei Viertel ihres Werts. Am Sonntag wurde bekannt, dass sich die britische Barclays Bank und die Bank of America aus den Verhandlungen über einen Kauf der New Yorker Investmentbank zurückgezogen haben. Die Bank of America kauft nun stattdessen für 50 Milliarden Dollar die Investmentbank Merrill Lynch.

Lehman Brothers stellte am Montag einen Insolvenzantrag. In dem eingereichten Antrag auf Gläubigerschutz werden Schulden in Höhe von rund 613 Milliarden Dollar aufgelistet. Für die Deutschland-Tochter Lehman Brothers Bankhaus AG in Frankfurt am Main erließ die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) ein Veräußerungs- und Zahlungsverbot. Außerdem untersagte die BaFin, Zahlungen entgegenzunehmen, die nicht zur Tilgung von Schulden ihr gegenüber bestimmt sind. Man habe das Moratorium anordnen müssen, um die verbliebenen Vermögenswerte zu sichern.

Die Engagements deutscher Kreditinstitute bei dem angeschlagenen US-Institut sollen sich insgesamt allerdings «in einem überschaubaren Rahmen» halten und "verkraftbar" sein, wie das Bundesfinanzministerium, die BaFin und die Deutsche Bundesbank in einer gemeinsamen Erklärung mitteilten. Die Behörden stünden in engem Kontakt mit ihren jeweiligen internationalen Partnern und den Spitzen der deutschen Kreditwirtschaft und beobachteten die weitere Entwicklung an den nationalen und internationalen Finanzmärkten sehr genau.

Auch der US-Versicherer AIG befindete sich in Schwierigkeiten. Der nach der Allianz zweitgrößte Erstversicherer der Welt bemüht sich nach Informationen der "New York Times" bei der US-Notenbank um einen Überbrückungskredit im Volumen von 40 Milliarden Dollar. Die AIG-Führung hatte am Wochenende nach Möglichkeiten gesucht, frische Mittel zu bekommen, um eine Herabstufung durch die Ratingagenturen zu verhindern. Der Zeitung zufolge würde AIG nach einer solchen Ratingsenkung maximal 48 bis 72 Stunden überleben.

Angesichts der neuen Turbulenzen infolge der weltweiten Finanzmarktkrise brachen die Aktienkurse am Montag weltweit ein. Der deutsche Leitindex DAX verlor bis zum Nachmittag rund vier Prozent und fiel deutlich unter 6.000 Punkte. An der New Yorker Wall Street büßte der Dow-Jones-Index kurz nach der Eröffnung 2,6 Prozent ein.

ddp