Ist das nicht ärgerlich? Man spart jeden Monat eine Summe X, legt das Geld auf die "hohe Kante" und trotzdem wird es irgendwie nicht so richtig mehr. Woran kann es liegen?
Schlauer sparen
Eine Falle sind Tagesgeldkonten. Sie locken mit guten Zinsen, aber diese Tagesgeldkonten heißen nicht umsonst so, denn dort sollte Geld nur kurzfristig geparkt werden. Für die langfristige Anlage sind diese Konten schlichtweg nicht geeignet. Sie werden zur Renditefalle, denn selbst bei 5 Prozent Zinsen bleiben nach Abzug von Inflation und Steuern gerade einmal 1 bis 2 Prozent übrig. Das Ergebnis: Langfristig angelegtes Geld gehört nicht auf ein Tagesgeldkonto.
Anleger fahren langfristig mit Investmentfonds besser, die eine höhere Rendite erwirtschaften. Aber auch Fonds können zu einem Geld-Grab werden. Denn dort wird im Durchschnitt zum Beispiel mit Aktienfonds eine Rendite von 7 bis 9 Prozent jährlich erzielt. Das Problem: Oft versuchen Banken, Anleger wieder dazu zu bringen, die Fonds umzuschichten, also alte Fondsanteile zu verkaufen und neue zu kaufen. Die Begründung: Die alten bringen nicht mehr genug Rendite, die neuen werden sich besser entwickeln. Allerdings verdienen an diesem Hin und Her vor allem die Banken. Denn wenn die Sparer 9 Prozent Rendite im Jahr erwirtschaften, gleichzeitig aber einmal jährlich den Fonds wechseln, dann werden Gebühren fällig, die bis zu 6 Prozent betragen können.
Unter dem Strich bleiben also gerade einmal 2 Prozent Gewinn, der durch die Inflation so weit schrumpft, dass die tatsächliche Rendite allenfalls auf Sparbuchniveau liegt. Grundsätzlich gilt: Aktienfonds sind für die langfristige Geldanlage gedacht. Sparer sollten Fonds dementsprechend lange halten, sodass die teuren Gebühren sich nach einigen Jahren einigermaßen amortisiert haben.
Ein weiteres Problem sind Versicherungen: Für die deutschen Sparer sind Kapitalversicherungen immer noch die Nummer 1 bei der langfristigen Geldanlage. Der Grund: Die Anlage in Versicherungsprodukte gilt als sichere Anlage. In Wirklichkeit aber ist es mit der Sicherheit nicht weit her. Tatsächlich bewegt sich die Rendite der garantierten Rente oft im Bereich von Sparbuchzinsen - und die Anleger sparen sich arm. Sichere Geldanlagen sind ein wichtiges Standbein der Vorsorge - aber die Rendite muss trotzdem stimmen. Sinnvoller sind Anlehen und festverzinsliche Geldanlagen, die ohne hohe Kosten eine solide Rendite erwirtschaften.
Das ist der große Wunsch aller Geldanleger: Man findet einen Experten, der immer weiß, wo der Hase lang läuft an der Börse, der immer die richtigen Tipps hat und der einem genau sagen kann, wo man investieren soll. Das Problem: Solche Experten gibt es nicht. Niemand kann vorhersagen, wie die Börse sich entwickelt. Wer jemanden sein Geld anvertraut, der so etwas verspricht, muss sich auf Verluste einstellen.
In der Zeit der Börsenhysterie des Neuen Marktes galten viele Fondsmanager als "Seher" (so wurden sie tatsächlich bezeichnet), weil ihre Fondskurse steil nach oben gingen. Allerdings lag das meist nicht an ihren phänomenalen Fähigkeiten, sondern am hysterischen Börsenumfeld. Das konnte man vor allem daran sehen, dass die Fonds in die Knie gingen, als die Börse kollabierte. Anleger müssen sich selbst Gedanken um Ihr Geld machen. Sie sollten investieren, wenn sie meinen, die richtige Geldanlage gefunden zu haben.
Oliver Mest/ddp