Die Bayern bekamen gerade noch mal die Kurve beim FC Rot-Weiß Erfurt. Überhaupt fehlte in der ersten Runde des DFB-Pokals das Salz in der Suppe. "Zahlreiche Amateure hatten zwei linke Füße", meint Stefan Galler in der Fußball-Kolumne von deutsche-handwerks-zeitung.de.
Unwetter, Bus-Panne und das Märchen von den eigenen Gesetzen des Pokals
Meisterbetrieb
Das letzte Erstrundenspiel am Sonntagabend war dann auch das mit Abstand unterhaltsamste. Und deshalb würde die Meisterehre des Pokal-Wochenendes eigentlich den Bayern und dem FC Rot-Weiß Erfurt gebühren. Weil aber die Münchner ohnehin dauernd Meister werden und sie sich außerdem beim 4:3-Zittersieg gegen einen Drittligisten angestellt haben wie im Betriebspraktikum, kassierten die Thüringer den Großteil der Komplimente. Nimmermüde kamen die Stehaufmännchen vom Steigerwaldstadion nach jedem Gegentor ins Spiel zurück, während der deutsche Rekordchampion den Eindruck vermittelte, als wolle man mit Kurzarbeit das Tagwerk verrichten: Immer mal ein paar Minuten laufen und spielen, dann wieder abwarten, ob das schon genügt. Einen richtig guten Namen macht man sich damit in keiner Branche, nicht mal in jener, die man ohnehin schon anführt.
Gesellenstück
Der Freitagabend hätte so schöne Alternativen geboten: Gemütliches Kuscheln auf der Couch mit Freundin Sarah oder ein Spielchen auf der Konsole mit Kumpel Poldi. Aber es gibt eben zwei Dinge, die Nationalspieler Bastian Schweinsteiger über alles gehen: Seine Familie und der Sport, mit dem er sein Geld verdient. Und deshalb stand für ihn außer Frage, am Freitag trotz eines drohenden Unwetters zum Pokalspiel der SpVgg Unterhaching gegen den SC Freiburg zu fahren. Schließlich wurde dort nicht nur Fußball gespielt, sondern das auch noch unter anderem von seinem Bruder Tobias im Dress der Gastgeber. Aber es wurde ein ganz bitterer Abend für die Schweinsteigers: Nach zehn Spielminuten folgte eine einstündige Unterbrechung wegen eines heftigen Gewitters, Bastian verkroch sich unter der Haupttribüne, um halbwegs trocken zu bleiben. Anschließend wurde zwar noch gekickt, der Hachinger "Schweini" kam jedoch erst nach 80 Minuten ins Spiel und scheiterte per Fallrückzieher an der Querlatte. Am Ende flog die SpVgg aus dem Pokal und der berühmtere der beiden Brüder trat kurz vor Mitternacht bedröppelt den Heimweg an. Wäre er doch nur gleich zu Hause geblieben.
Erstes Lehrjahr
So eine Fernreise muss eben gut vorbereitet werden, am besten, man nimmt möglichst alle verfügbaren Ersatzteile mit. Der Mannschaftsbus von Bundesligaaufsteiger 1899 Hoffenheim schaffte es zwar bis Chemnitz, dort jedoch verabschiedete sich der Anlasser des Klubvehikels. Weil das Ersatzteil erst aus Leipzig nach Chemnitz geliefert werden musste, hing die Elf von Trainer Ralf Rangnick nach ihrem 1:0-Sieg noch eine Zeit lang in Sachsen fest. Zwar wären die Hoffenheimer ohne die Unterstützung von Software-Milliadär Dietmar Hopp nie bis ins Oberhaus vorgedrungen, in diesem Fall wäre eine Kfz-Werkstatt als Hauptsponsor jedoch vermutlich praktischer gewesen.
Zwei linke Hände
Eigene Gesetze soll der Pokal ja bekanntlich haben, zumindest war es in der Vergangenheit meist so, dass sich diverse Bundesligaklubs in der Provinz bis auf die Knochen blamierten. Diesmal setzten sich alle Teams aus dem Oberhaus durch, auch wenn sich zum Beispiel die Bayern, Hamburg, Leverkusen oder auch der VfL Bochum mächtig schwer taten. Doch am Ende hatten eben immer die Favoriten die Nase vorn, weshalb es nicht nur bei risikobereiten Zockern lange Gesichter gab. Auch der neutrale Beobachter musste ein bisschen enttäuscht sein, dass das Salz in der Suppe fehlte, weil zumindest an diesem Wochenende zahlreiche Amateure halt doch zwei linke Füße hatten.
Stefan Galler ist Redakteur bei der Süddeutschen Zeitung und Fußball-Kommentator beim Münchner Lokalsender Gong 96,3 und bei Premiere. Für deutsche-handwerks-zeitung.de beleuchtet er Spieltag für Spieltag Besonderes und Kurioses aus den Bundesligaspielen in einer wöchentlichen Kolumne.