Handwerker und Verbraucher aufgepasst: Die EU-Kommission will zur finanziellen Entlastung die Mehrwertsteuersätze auf arbeitsintensive Dienstleistungen senken. Besonders Handwerkbetriebe können davon profitieren.
EU will reduzierte Steuersätze für Handwerker
Geht es nach EU-Kommissar Laszlo Kovacs, sollen arbeitsintensive Dienstleistungen auf Dauer mit ermäßigten Steuersätzen belegt werden. "In Sektoren, in denen davon ausgegangen werden kann, dass im Binnenmarkt keine echten Wettbewerbsverzerrungen entstehen, sollen ermäßigte Sätze fakultativ angewendet werden", schlägt der EU-Kommissar für Steuern und Zollunion vor.
Unter diese arbeitsintensiven Dienstleistungen fallen etliche Handwerkerleistungen:
- Kleinere Reparaturdienste z.B. an Schuhen, Kleidung, Computern, Uhren oder Fahrrädern.
- Reinigungs- und Wartungsarbeiten an beweglichen Gegenständen.
- Dienstleistungen im Kosmetik- und Friseurbereich.
- Renovierung und Instandsetzung von Gebetstätten sowie von Denkmälern.
- Wohnungsbau und alle Dienstleistungen im Zusammenhang mit dem Wohnungswesen (Renovierung, Instandsetzung, Reinigung usw.).
In Deutschland sind die Regeln für einen ermäßigten Mehrwertsteuersatz bis 2010 befristet. EU-Kommissar Kovacs zielt darauf ab, diese Befristung aufzuheben und allen 27 EU-Staaten ermöglichen, die Mehrwertsteuer auf die arbeits- und personalintensiven Dienstleistungen zu senken. Dies werde Handwerks- und anderen Kleinbetrieben nützen, betonte der Steuerkommissar.
Das Handwerk ist erfreut über die Initiative aus Brüssel. "Der EU-Richtlinienvorschlag findet die volle Unterstützung des deutschen Handwerks", erklärt Otto Kentzler. Der Handwerkspräsident und der EU-Kommissar sehen in dem Vorschlag die Möglichkeit, die Schwarzarbeit einzudämmen. "Eine spürbare Senkung von Abgaben und Steuern ist nicht in Sicht. Deshalb ist es richtig, dass auch über die Alternative eines ermäßigten Steuersatzes nachgedacht wird. Diese Chance eröffnet der Vorschlag der EU-Kommission", sagt Kentzler.
In 18 EU-Staaten gelten heute ermäßigte Mehrwertsteuersätze für arbeitsintensive Dienstleistungen: Niederlande, Luxemburg, Belgien, Spanien, Frankreich, Italien, Griechenland, Portugal, Zypern, Malta, Finnland, Ungarn, Tschechien, Großbritannien, Rumänien, Polen, Lettland, und Slowenien haben die Mehrwertsteuersätze auf Handwerkerleistungen bereits reduziert. "Für die Akzeptanz Europas bei den Bürgern kann der Vorschlag der EU-Kommission nur hilfreich sein", findet Kentzler.
pc