DHZ-Info Vor 60 Jahren: Währungsreform bringt die D-Mark

Rundfunk-Sondermeldungen und Extrablätter ließen am Samstag, dem 19. Juni 1948, die westdeutschen Bürger den Inhalt ihrer Geldbörsen und Brieftaschen zählen: Am nächsten Tage, so verkündeten die drei westlichen Militärgouverneure, werde in ihrem Besatzungsgebiet eine Währungsreform durchgeführt. Die inflationäre Reichsmark des besiegten Deutschland werde durch die neue D-Mark ersetzt.

Vor 60 Jahren: Währungsreform bringt die D-Mark

Jeder Bürger, ob Kind oder Greis, konnte ein "Kopfgeld" von 60 Reichsmark 1:1 gegen die aus den USA eingeflogenen DM-Noten eintauschen. Das gleiche Verhältnis galt für Verbindlichkeiten wie Löhne und Gehälter, Mieten und Renten. Unter dem Strich kam ein Gesamtumtauschverhältnis – einschließlich des Guthabens der Masse der Sparer - von 100 Reichsmark zu 6,50 D-Mark zustande. Dagegen blieben das Produktivvermögen, Aktien, Haus- und Grundbesitz sowie alle privaten Lagerbestände unangetastet.

Bereits in den Monaten zuvor hatte die von allen erwartete Reform zu hektischen Aktivitäten geführt. Flucht in die Sachwerte, dunkle Schwarzmarktgeschäfte, das radikale Horten wertvoller Waren sowie Währungsspekulationen mit Dollar und Pfund gehörten zum Alltag. Doch schon am 21. Juni schien alles wie verwandelt. Die Schaufenster waren plötzlich mit Waren gefüllt, Lebensmittel im Überfluss vorhanden. Sogar ein Volkswagen war zum Preis von 5.300 DM innerhalb von acht Tagen zu haben. "Für die meisten Zeitgenossen", so resümierte der Bielefelder Wirtschaftshistoriker Werner Abelshauser, "stand weder der Tag der Verkündung des Grundgesetzes am 23. Mai 1949 noch die Konstituierung des Bonner Parlaments am 7. September 1949 für den entscheidenden Neubeginn in Staat und Wirtschaft, sondern eben der 20. Juni 1948."

Dieser bis dahin schärfste Währungsschnitt in Deutschland markierte aber auch eine folgenschwere Zäsur in der deutschen Nachkriegsgeschichte: Er war – so der Historiker Heinrich August Winkler – "die nächste Station auf dem Weg zur deutschen Teilung". Die Geldreform bildete jedoch das unerlässliche wirtschaftliche Fundament für den Separatstaat, dessen Aufbau die Westmächte kurz zuvor auf einer Konferenz in London bei den Westdeutschen in Auftrag gegeben hatten.

Die Sowjetunion, der Alliierte des Westens im Krieg gegen Hitler-Deutschland, hatte bis dahin am gemeinsam verkündeten Ziel einer deutschen Wirtschaftseinheit festgehalten. Doch Moskaus Eintreten für eine gesamtdeutsche Finanzlösung wurde von Washington als der Versuch angesehen, ganz Deutschland in die sowjetische Einflusssphäre einzubeziehen.

Nun war für die Russen Eile geboten, um eine Überschwemmung ihrer Besatzungszone mit abgewerteten Reichsmarknoten zu verhindern. Am 23. Juni 1948 zog Moskau mit einer Währungsreform für Ostdeutschland nach – mit einer "Kopfquote" von 70 Reichsmark gegen 70 neue Mark der (Ost-)Deutschen Notenbank. Wegen fehlender neuer Scheine wurden die alten Noten provisorisch mit einem aufgeklebten Kupon zur neuen Währung erkoren.

Doch in Ostdeutschland blieb der wirtschaftliche Effekt der Reform zunächst aus. Private Unternehmen waren benachteiligt worden, wohlgefüllte Warenlager kaum vorhanden. Die großzügige 1:1-Umwertung der Konten der Volkseigenen Betriebe (VEB), der Sowjetischen Militäradministration, der Parteien und Zentralbehörden ließ zudem die Geldschöpfung der Notenbank auf viel zu hohem Niveau beginnen. Wie im Westen war damit auch im Osten Deutschlands eine Grundentscheidung über die künftige Vermögensverteilung getroffen, dazu das Fundament für den Übergang zu einer zentralen Planwirtschaft gelegt worden.

Karl-Heinz Gräfe/ddp