Überlassen Sie auch bei der privaten Haushaltsplanung möglichst wenig dem Zufall. Von Elke Pohl
Der Kassensturz für Zuhause
Ein Privathaushalt ist – zumindest in finanziellen Dingen – wie ein kleines Unternehmen. Nur wer gut rechnet und plant, kommt mit dem Budget zurecht.
Wer Ordnung in seinen privaten Gelddingen halten oder schaffen will, sollte – ähnlich wie im Unternehmen – möglichst wenig dem Zufall überlassen. Denn: Ohne exakte Kostenplanung funktioniert auch der Privathaushalt nicht oder nicht gut. Vor allem größere Investitionen – Wohnungseinrichtung, Auslandsreise, Auto, eigenes Haus, Ausbildung der Kinder – sind nur realistisch oder reißen keine Löcher ins Budget, wenn auch langfristig darauf hingearbeitet wird. Die einfache Logik, nie mehr auszugeben als eingenommen wird, ist zwar ein Schritt in die richtige Richtung, reicht aber nicht aus. Festlegen von Zielen, konsequenter Vermögensaufbau, Absicherung von Risiken und unter Umständen auch Fremdfinanzierung sind dafür unumgänglich.
Unangenehmes einkalkulieren
Bei der Betrachtung der Zukunft sollten unbedingt auch solche Situationen mitbetrachtet werden, die man am liebsten ausblendet – wie Krankheit, Pflegebedürftigkeit und Tod. Dabei ist ein Mindestmaß an Wissen nötig, vor allem dann, wenn man sich in Verhandlung mit Banken, Versicherern oder anderen Verkäufern begibt. Denn: Letztendlich geht es allen nur darum, etwas zu verkaufen – und möglichst mit Gewinn. Nur wer hier gut gewappnet ist, hat eine Chance, seine Ziele vernünftig durchzusetzen.
Ausgangspunkt jeder Finanzplanung sind zum einen der Istzustand und zum anderen die anvisierten Ziele. Dazu ist vielfach ein schonungsloser Kassensturz notwendig, vor allem dann, wenn der Eindruck besteht, dass man mit dem gegenwärtigen Einnahmen-Ausgaben-Verhalten auf keinen grünen Zweig kommt.
Langfristige Ziele anvisieren
Es kann auch für gestandene Familien von Vorteil sein, über einen Zeitraum von zum Beispiel sechs Monaten ein Haushaltsbuch zu führen, in das alle Einnahmen und Ausgaben detailliert eingetragen werden – auch die langfristigen, wie etwa Jahresprämien von Versicherungen. Aus dieser Analyse ergibt sich auf einfache Weise ein klares Bild darüber, wie gegenwärtig gewirtschaftet wird, wo sich eventuell Einsparmöglichkeiten ergeben und wie viel Geld für weitere Rücklagen zur Verfügung steht. Haushaltsbücher kann man im Schreibwarenladen kaufen, bei der Verbraucherzentrale bestellen oder als Software erwerben.
Die wichtigste Anforderung ist Liquidität. Sie bestimmt das gesamte weitere Vorgehen. Ist etwa durch eine Hypothek eine andere Forderung in Gefahr oder das laufende Budget zu gering, sollte entweder der Hauskauf verschoben oder an anderer Stelle in nötigem Umfang eingespart werden. Zudem sollten alle Familienmitglieder in die Planung einbezogen werden. Sonst gibt es am Ende einen schönen Plan, aber wichtige Ziele wurden vergessen. Bei der kurzfristigen Finanzplanung geht es um Anschaffungen in der nächsten Zeit, um Steuernachzahlungen oder auch – auf der Einnahmenseite – um einen zuteilungsreifen Bausparvertrag. Optimal wäre es, die Einhaltung des Plans immer wieder zu überprüfen und bei Veränderungen – etwa Gehaltserhöhung oder Arbeitslosigkeit eines Verdieners – entsprechend anzupassen. Die mittelfristige Planung geht weiter in die Zukunft und verlangt, dass größere Anschaffungen wie Auto, Hausmodernisierungen oder auch aufwändige Familienfeiern vorbereitet werden. Die langfristige Planung betrifft die einschneidenden Ereignisse des Lebens, wie Hauskauf oder -bau, Ausbildungsvorsorge für die Kinder oder die eigene Altersvorsorge.
Der Vorteil langfristiger Planungen besteht darin, dass frühzeitig mit der Vorsorge begonnen werden kann, ohne auf kurzfristige Renditen schielen zu müssen, was sich als gefährlich erweisen kann. Gerade bei Sparformen, an denen sich der Staat beteiligt, wie Riesterrente oder Bausparen, ist ein frühzeitiger Start sinnvoll, um auch mit einem kleinen Einsatz langfristig eine hohe Rendite zu erzielen.
Planungsfehler
Der Tod jeder vernünftigen Finanzplanung sind ungeplante, oft sinnlose Anschaffungen. Wer etwa ohne hinreichendes Polster Geld für Konsum ausgibt, muss im kommenden Monat unter Umständen auf Geld für den Lebensunterhalt oder auf andere Anschaffungen verzichten. Konsum über einen Kredit steigert den künftigen Verzicht noch weiter, weil mit Zinsen zu rechnen ist. Beispiel: Wer einen Monat lang einen Dispokredit über 10.000 Euro in Anspruch nimmt, hat im nächsten Monat über 100 Euro weniger für Lebenshaltung, Versicherungen, Altersvorsorge usw. zur Verfügung. Gehäuft können damit erhebliche Lücken gerissen werden, die Anlass zu erneuter Geldbeschaffung sein können – ein Teufelskreis. Und noch etwas gefährdet vorausschauende Planungen: Aktuelle Wünsche werden oft als besonders dringlich empfunden, während weit in der Zukunft liegende Ziele nur halbherzig verfolgt werden. Leider wirkt sich diese durchaus verständliche Haltung in späteren Lebensphasen auf verhängnisvolle Weise aus.