Der Kfz-Betrieb A24 entstand aus einer milden Gabe und hat seitdem über 1.000 Jugendlichen den beruflichen Einstieg ermöglicht
Angelika Basdorf

Letzte Chance für Chancenlose
Eine Betriebsgründung sieht normalerweise anders aus. Und der Pfarrer der Gemeinde St. Johannes in München-Haidhausen, Heinrich Samhammer, hatte auch eine wesentlich bescheidenere Idee, als er 1983 eine 7.000-Mark-Spende „für eine aktuelle Notlage“ bekam. Entwickelt hat sich daraus ein Unternehmen mit einem Drei-Millionen-Euro-Etat und derzeit 180 Mitarbeitern, das inzwischen für über 1.000 Jugendliche zum beruflichen Rettungsanker geworden ist.
Leistungsgeminderte Jugendliche haben kaum die Chance auf einen Ausbildungsplatz, geschweige denn die Möglichkeit, in der Arbeitswelt Fuß zu fassen. Die A24 GmbH beschäftigt 110 Jungen und Mädchen, die aufgrund von Lernbehinderungen, psychischer und sozialer Beeinträchtigungen, Drogen, Haft oder Migrationshintergrund Startschwierigkeiten auf dem ersten Arbeitsmarkt haben. Hier werden sie unter anderem zu Kfz-Mechatronikern, Karosseriebauern, Zweiradmechanikern und Bürokaufleuten ausgebildet. Die Erfolgsquote von A24 kann sich sehen lassen: Von den 41 Auszubildenden, die im vorigen Jahr zur Gesellen- oder Abschlussprüfung angetreten sind, haben 40 bestanden. 32 von ihnen fanden direkt im Anschluss einen Arbeitsplatz. Gleichwohl ist A24 keine beschützende Werkstatt, sondern der größte freie Kfz-Servicebetrieb Münchens. Auf einem Gelände von 6.000 m2 werden alle Kfz-Marken repariert. Die Ausstattung der Werkstätten erfüllt neueste technologische Standards – bis hin zum Einsatz der Nanotechnik in der Fahrzeugpflege. „Die Markt- und Serviceorientierung unseres Betriebes ist unsere Stärke und ein wesentlicher Pfeiler unseres Konzepts“, sagt die stellvertretende Geschäftsführerin Ursula Geisler. Die Pädagogin zeichnet verantwortlich für die einzelfallorientierte pädagogische und psychosoziale Betreuung der Jugendlichen. Die meisten von ihnen werden von der Stadt oder vom Arbeitsamt zugewiesen, weswegen sich beide mit jeweils einer Million Euro pro Jahr an den Ausbildungs- und Förderkosten beteiligen. „Circa eine Million Euro erwirtschaften wir selbst“, zeigt sich Geschäftsführer Adolf Wulf stolz über die Wirtschaftsleistung des Unternehmens, dessen Anfänge vor über 20 Jahren in der Ausbildung von drei jungen Männern zu Kfz-Mechanikern lagen. Heute bietet A24 nicht nur die vier Vollausbildungsgänge im dualen System an. Neu sind die verkürzten und weniger theoretisch angelegten Ausbildungen zum Kfz-Servicemechaniker oder zum Fahrzeugpfleger. Diese Berufe sind bewusst an die Bedürfnisse behinderter und sozial schwacher Jugendlicher angepasst.
Sie kennen die Spielregeln
Die Mehrheit des sozialpädagogischen Personals bei A24 hat zusätzlich zur pädagogischen Ausbildung eine oder zwei Ausbildungen im gewerblichen Bereich absolviert. Dadurch wissen diese Fachleute aus eigener Erfahrung, was Ausbildung bedeutet, und kennen die Spielregeln des Arbeitsmarktes. „Für manch Jugendliche sind wir die letzte Chance, für viele die erste überhaupt in ihrem Leben“, sagt Adolf Wulf. Dafür wurde A24 jetzt mit einem Deichmann-Förderpreis gegen Jugendarbeitslosigkeit in Höhe von 5.000 Euro belohnt. „Ein Arbeitsplatz ist nicht die einzige Voraussetzung für eine gelungene soziale Integration, aber doch ein ganz wesentlicher Faktor, der dazu beiträgt, Jugendlichen ein stabiles Umfeld zu ermöglichen“, sagte der Initiator und Stifter des Preises, Heinrich Deichmann, anlässlich der Preisverleihung. Das 1913 von seinem Großvater gegründete Unternehmen ging in Sachen Ausbildung seit je mit gutem Beispiel voran. Derzeit bildet der Schuheinzelhändler allein in Deutschland über 2.500 Jugendliche aus. Mit dem seit 2005 jährlich ausgeschriebenen Deichmann-Förderpreis gegen Jugendarbeitslosigkeit möchte er „kleine Betriebe, die nicht über vergleichbare finanzielle Ressourcen verfügen, in ihrem Engagement für die Jugend unterstützen“. In diesem Jahr bewarben sich 150 Betriebe und Schulen um die zehn Preise im Gesamtwert von 100.000 Euro.