Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken Genossenschaftsbanken sehen keine Kreditklemme

Die Volks- und Raiffeisenbanken sehen sich trotz der Finanzmarktturbulenzen für das laufende Jahr gut gerüstet und fühlen sich mit ihrer soliden Eigenkapitalausstattung bestens gewappnet. Von Karin Birk, Berlin

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Genossenschaftsbanken sehen keine Kreditklemme

Die Genossenschaftsbanken hätten sich in den stürmischen Zeiten bisher als "krisenfestes Schiff" bewiesen, sagte der Präsident des Bundesverbandes der Volks- und Raiffeisenbanken (BVR), Christopher Pleister, bei der Jahrespressekonferenz in Berlin. Gleichwohl müssten die Genossenschaftsbanken an ihrer Wirtschaftlichkeit arbeiten, die im Jahr 2007 im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangenen sei. Keine Notwendigkeit sieht Pleister, "aus dem Bankensektor nach der von Hilfe des Staates zu rufen". Diese gehe immer zulasten des Steuerzahlers, sagte der Verbandssprecher in Bezug auf die jüngste Forderung des Deutschen Bank-Chefs Josef Ackermann durch eine gemeinsame Aktion von Politik, Notenbanken und Banken, das Vertrauen an den Finanzmärkten wieder herzustellen.

Sektor kaum von Turbulenzen betroffen

Wie Pleister weiter sagte, ist der Genossenschaftsbank-Sektor der gegenüber Privatbanken und Sparkassen am wenigsten von den aktuellen Finanzmarkturbulenzen als Folge der US-Subprimekrise betroffene Bankensektor in Deutschland. Als Grund nannte er die Tatsache, dass der Ankauf von so genannten Subprime-Papieren nicht der Geschäftspolitik der Volks- und Raiffeisenbanken entspreche und deshalb so gut wie nicht stattfinde. Entsprechend gering seien deshalb auch die Abschreibungen in diesem Bereich.

Im Genossenschaftsbanksektor gebe es deshalb auch nach wie vor "keine Kreditklemme", sagte Pleister. Kredite an mittelständische Unternehmen könnten die Genossenschaftsbanken weitgehend aus ihren Einlagen vergeben. Größere negative Auswirkungen – etwa wegen eines höheren Dollarkurses – auf mittelständische Unternehmen sieht Pleister nicht. Der BVR hält deshalb auch weiterhin an seiner Wachstumsprognose der Gesamtwirtschaft von 1,8 Prozent für 2008 fest.

Für die Genossenschaftsbanken zeigte Pleister sich mit dem Start ins laufende Jahr zufrieden: "Wir liegen bei den ordentlichen Ertragskomponenten im positiven Bereich", sagte er in Bezug auf Zinsmarge und Provisionen. "Wir brauchen aber eine höhere Wirtschaftlichkeit als 2007."

Im vergangenen Jahr konnte nach den Worten von BVR-Vorstandsmitglied Uwe Fröhlich das Kreditgeschäft um 1,9 Prozent auf 367 Milliarden Euro ausgebaut und die Kundeneinlagen um 3,1 Prozent auf 441 Milliarden Euro erhöht werden, allerdings habe die "flache Zinsstruktur" die Ertragsmöglichkeiten im klassischen Einlagen- und Kreditgeschäft in Deutschland begrenzt. So habe sich die Zinsspanne um 0,17 Prozentpunkte auf 2,13 Prozent der durchschnittlichen Bilanzsumme reduziert, wogegen die Spanne bei Provisionsgeschäften konstant geblieben sei und die Verwaltungskosten gesenkt werden konnten. Insgesamt liege das Teilbetriebsergebnis mit 3,9 Milliarden Euro um 4,7 Prozent unter dem Vorjahresniveau.

Damit habe sich auch die Aufwands- und Ertragsrelation im Vergleich zum Vorjahr auf 76,3 (75,6) Prozent verschlechtert. Dies sei "langfristig nicht zufrieden stellend". Deshalb wolle man den Vertrieb stärken und die Verwaltungskosten weiter senken. Der Jahresüberschuss vor Steuern hat sich 2007 auf 2,6 (Vorjahr: 3,6) Milliarden Euro verringert. Dabei ist die große Veränderung wie Fröhlich sagte, vor allem auf einen "Einmaleffekt" aus der Aktivierung von Körperschaftssteuerguthaben im Jahr 2006 zurückzuführen. Insgesamt werden die rund 16 Millionen genossenschaftlichen Anteilseigner 2007 im Durchschnitt eine Dividende von voraussichtlich 5,6 (5,5) Prozent erhalten.

Positiv bewertet der BVR die Entwicklung der seit 1934 bestehenden eigenen Sicherungseinrichtung. "Unsere Bankengruppe ist sehr gut geschützt", sagte BVR-Vorstandsmitglied Gerhard Hofmann. Auch im vergangenen Jahr hätten die Mittel wieder aufgestockt werden können. Ingesamt bezahlen alle Mitgliedsbanken 0,75 Promille des Kreditvolumens an die Sicherheitseinrichtung. Wie viel Geld sich darin mittlerweile befindet, wollte Hoffmann allerdings nicht sagen. Sicher sei nur, dass durch die Sicherungseinrichtung eine in Schieflage befindliche Genossenschaftsbank ihre Zahlungsverpflichtungen in vollen Umfang erfüllen könne.

Durch das 2003 eingeführte Präventionsmanagement habe auch die Zahl der Sanierungsfälle weiter reduziert werden können. Seit Bestehen der Einrichtung habe so bisher kein Kunde seine Einlage verloren und Hilfeleistungen durch öffentliche Mittel oder andere Bankengruppen seien nicht notwendig gewesen.