In Ulm, um Ulm und um Ulm herum

Wo das Glück in Deutschland heimisch ist – eine Studie der Deutschen Bank Research hat Regionen nach ihrem Wohlfühlfaktor gelistet

In Ulm, um Ulm und um Ulm herum

Während die westliche Welt nach Wachstum strebt und dies im Bruttosozialprodukt bemisst, geht ein abgeschiedenes Bergvolk im Himalaya einen anderen Weg. In Bhutan steht das Bruttosozialglück im Zentrum der Bemühungen des Landes. Doch auch in Deutschland versuchen Wirtschaftswissenschaftler dem Glück in der Gesellschaft nachzuspüren. Eine Studie der Deutschen Bank Research hat eine Rangliste der „glücklichen Regionen“ erstellt.

Demnach fühlen sich die Einwohner in den Regionen Donau-Iller (Ulm und Umgebung, je eine Region in Baden-Württemberg und in Bayern), Ostwürttemberg, Osnabrück und Hamburg-Umland Süd am wohlsten. „Ballungsräume befinden sich nicht unter den ersten Plätzen“, resümiert Stefan Bergheim, der Autor der Studie.

Untersucht wurden sechs Bereiche: die Lebenszufriedenheit, das Vertrauen in die Mitmenschen, Gesundheit, Arbeitslosigkeit, Geburtenrate und Einkommen. In den „glücklichen Regionen“ sind alle sechs Bereiche durchweg günstig ausgeprägt, ohne dass die Regionen in einzelnen Bereichen Spitze wären. Einen eher schwachen Zusammenhang konnte Stefan Bergheim zwischen Lebenszufriedenheit und Lebenserwartung sowie Lebenszufriedenheit und Ausländeranteil feststellen. Deutlich wurde allerdings ein klares West-Ost-Gefälle. „Die vielen ostdeutschen Regionen am Ende der Rangliste zeigen einmal mehr, dass einheitliche Lebensverhältnisse in Deutschland ... nicht existieren“, heißt es.

Werden die 97 Raumordnungsregionen zu Clustern zusammengefasst, ergeben sich erstaunliche Zusammenhänge: In typischen Mittelzentren wie Arnsberg (Nordrhein-Westfalen, Platz 6) oder Südostoberbayern auf Platz 19 seien alle sechs Bereiche hoch ausgeprägt, insbesondere jedoch die Einschätzung zur Gesundheit. Die Bevölkerungsdichte dieses Clusters liegt mit 210 Einwohnern pro Quadratkilometer deutlich unter dem von Ballungszentren mit 560 Einwohnern pro Quadratkilometer und auch unter dem Bundesdurchschnitt. Typische Ballungszentren wie die Industrieregion Mittelfranken auf Platz 29 oder Bochum/Hagen (Platz 33) glänzen dafür mit sehr hohen Einkommen. Die vorderen Plätze in der Wohlfühlrangliste nehmen ausschließlich Gebiete mit mittlerer Bevölkerungsdichte ein. Als bestes Ballungszentrum rangiert Stuttgart auf Platz 22.

Unter den Regionen am Ende der Rangliste lassen sich Cluster ausmachen, in denen alle sechs Bereiche relativ schlecht ausgeprägt sind, wie Magdeburg auf Platz 88 oder Nordthüringen auf Rang 91. In anderen Regionen ist hingegen zwar das Vertrauen in die Mitmenschen überdurchschnittlich hoch wie in der Region Chemnitz/Erzgebirge, trotzdem belegt sie nur Rang 79.

Überrascht zeigte sich der Autor der Studie über die Entwicklung der Immobilienpreise, hatte er doch angenommen, dass sich über Zuwanderung in die „glücklichen Regionen“ höhere Immobilienpreise bilden, die wiederum über ein niedrigeres Realeinkommen zu einem Ausgleich bei der Zufriedenheit führen. Doch lasse sich diese These nur beim Wanderungssaldo belegen. Trotzdem könne man in vielen Regionen mit guter Platzierung relativ günstig Bauland erwerben. In den zehn bestplatzierten Regionen lagen die Baulandpreise in den Jahren 2001 bis 2003 im Schnitt unter 100 Euro pro Quadratmeter, während in den Regionen auf den Plätzen 21 bis 30 der durchschnittliche Preis über dem doppelten Preis lag.

Abschließend mahnt der Autor zu einer differenzierten Betrachtung der Studie. Da es sich bei einer Analyse des Wohlergehens um einen jungen Forschungszweig handele, blieben viele Fragen offen. Zumal Veränderungen wohl erst nach längerer Zeit wirksam würden. So könnten in vielen ostdeutschen Regionen schon Entscheidungen für eine Verbesserung getroffen worden sein, die sich in den Daten noch gar nicht widerspiegeln. ste