Die Turbulenzen an den internationalen Finanzmärkten haben die Anleger in Deutschland auch am Dienstag in Atem gehalten. Trotzdem die US-Notenbank noch vor Öffnung der Börsen den Leitzins senkte, startete der Dow Jones-Index mit deutlichen Verlusten in den Handel.
Aktienmärkte atmen nur kurz durch
Die US-Notenbank senkte wegen zunehmender Wachstumsrisiken ihren Leitzins überraschend deutlich um 75 Basispunkte auf 3,50 Prozent. Damit schienen sich die seit Wochenbeginn unter kräftigen Verlusten leidenden Aktienkurse zu fangen. Entsprechende Hoffnungen währten aber nur kurz.
Dax deutlich im Minus
Eine halbe Stunde später war wieder alles wie gehabt: Der DAX lag deutlich im Minus, und auch die anderen Indizes tendierten schwächer. Der Kursrutsch an den internationalen Börsen sorgt zunehmend für Sorge.
Experten befürchten Auswirkungen auf die konjunkturelle Entwicklung in Deutschland. Allerdings sei die gegenwärtige Korrektur an den Finanzmärkten teilweise übertrieben, sagte das Mitglied des Direktoriums der Europäischen Zentralbank (EZB), Jürgen Stark. "Wir befinden uns mitten in einer Korrektur an den Finanzmärkten", sagte er, und dieser Prozess werde noch eine Weile dauern. Er rechne mit einer deutlichen Verlangsamung des Wachstums in den USA, sagte Stark. In Deutschland und im Euroraum sei die Lage aber besser.
Keine Anzeichen für Rezession
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mahnte angesichts der jüngsten Börsenturbulenzen die Bürger zur Besonnenheit. "Es gibt keine Anzeichen für eine Rezession in Deutschland", sagte sie. Vorschnelle Reaktionen der Bürger wären jetzt am Platz.
Auch nach Auffassung des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) droht in Deutschland trotz der drohenden Rezession in den USA und des Börsen-Crashs vom Montag kein wirtschaftlicher Abschwung. Den Kursverfall bezeichnete DIHK-Chefvolkswirt Volker Treier als "Korrektur des Börsen-Hypes, die etwas kräftig ausgefallen" sei. Es sei "wieder einmal deutlich geworden, dass sich die Börse nicht auf Dauer von realwirtschaftlichen Prozessen abkoppeln" könne, sagte Treier.
Der Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft, Dennis Snower, warnte dagegen vor dem Ausbruch einer Weltwirtschaftskrise. "Je länger die US-Immobilienkrise anhält, desto größer ist auch die Gefahr, dass es zu einer Weltwirtschaftskrise kommt. Die aktuelle Lage ist in jedem Fall eine Bedrohung der Weltwirtschaft."
US-Börsen mit deutlichen Verlusten
Die US-Börsen sind unterdessen erwartungsgemäß mit deutlichen Verlusten in den Handel gestartet. Der Dow-Jones-Index fiel in der ersten halben Stunde nach der Eröffnung der New Yorker Wall Street um rund 2,0 Prozent auf 11.854 Punkte, und der Nasdaq-Composite sank um 2,5 Prozent auf 2.281 Zähler.
Die Eröffnung um 15.30 Uhr MEZ war mit Spannung erwartet worden, nachdem es am Montag an den weltweiten Börsen zu deutliche Kurseinbrüchen wegen aufkommender Rezessionsängste gekommen war. Die US-Börsen waren am Montag wegen eines Feiertags allerdings geschlossen.
ddp
