Unter einem Fass versteht man normalerweise einen Behälter zur Aufbewahrung meist flüssiger Substanzen. Die einzige Flüssigkeit, die sich bei Tischlermeister Christian Seltmann in seiner Fasssauna ansammelt, ist Schweiß. Ein Fass als Sauna? Geht das? Kein Problem, sagt Seltmann. Von Dörthe Rautmann
Ein Fass zum Schwitzen
Von der Fasssauna aus den Sternenhimmel sehen. An der Umsetzung dieses Kundenwunsches grübelt Seltmann im Moment. "Bis jetzt habe ich noch keine Lösung, aber im Kopf schon einige Ideen." Seit sich Seltmann auf den Bau von Fasssaunen spezialisiert hat, wird er immer wieder von seinen Kunden vor neue Herausforderungen gestellt. "Ich bin ein richtiger Tüftler und es macht mir unheimlichen Spaß, die zufriedenen Gesichter der Kunden zu sehen, wenn ich ihre Vorgaben erfüllen konnte", berichtet der Chef des Vier-Mann-Betriebs aus Göpfersdorf in Ostthüringen.
Auf die ungewöhnliche Form der Sauna ist Seltmann durch einen Besuch in Prag gekommen. Dort dienen runde Fässer aus Holz als Unterkunft. Weiter inspiriert durch eine Internetrecherche über die Saunakultur in Finnland, entstanden schließlich erste Entwürfe für eine Fasssauna. Zugute kam ihm durch seine Tätigkeit im Innenausbau, dass viele Hausbesitzer auch auf eine Sauna nicht verzichten wollten und sich von Seltmann eine normale Kabinensauna einbauen ließen. So kam man ins Gespräch über Saunen für den Garten. Aus den Gesprächen folgten Planungen und eine erste Umsetzung. Zunächst lief der Verkauf schleppend. Der Besuch von Messen sowie Werbung im Internet und die Mund-zu-Mund-Propaganda brachten dann den Erfolg. "Klappern gehört schließlich zum Handwerk", berichtet Seltmann lachend von seinen ersten Gehversuchen.
Rund drei bis vier Jahre hat das Unternehmen gebraucht, bis der Absatz der Sauna richtig gut lief. Im Jahr 1998 startete er mit dem Projekt Fasssauna. Finanziell geholfen haben ihm zunächst auch die Fördermittel des Landes Thüringen. Mittlerweile macht die Tischlerei rund 80 Prozent des Umsatzes mit den Fasssaunen. Den Rest bringt der Innenausbau, dem Seltmann nach wie vor gern nachkommt. "Eine meiner besten Investitionen war die Beschäftigung eines Patentanwalts. Nur so kann man seine selbst entwickelten Produkte auch wirkungsvoll schützen lassen", sagt Seltmann. Denn die Konkurrenz schläft nicht und Nachahmer gibt es immer wieder.
Die patentierte Fasssauna gibt es in einem Durchmesser von 1,90 m, die Länge beträgt 2,30 m. Anfertigungen nach Maß sind möglich. Durch die außergewöhnliche Form ergibt sich eine erstklassige Luftverteilung. Da auch im Bodenbereich massives Holz verbaut ist, entwickelt sich ein gutes Saunaklima. Bei dem verwendeten Material handelt es sich um 60 mm starke nordische Fichte. Die Spannbänder aus Edelstahl sorgen im Winter für Standfestigkeit und Dichte. Platz bietet die Sauna für zwei Personen im Liegen oder für sechs Personen im Sitzen. Die Fasssauna, die rund 1 t wiegt, kostet je nach Ausstattung zwischen 3.300 bis 8.000 Euro. Die ungewöhnliche Saunaform verkauft sich nicht nur in Deutschland, sondern europaweit: Die entfernteste Sauna steht in Spanien. "Demnächst bauen wir eine Fasssauna vor einem Chalet in der Schweiz auf", berichtet Seltmann, der auf Montage immer mitfährt, um den direkten Kontakt zum Kunden sowie ein Feedback zu bekommen.
Einen großen Teil seiner Zeit verbringt Seltmann mittlerweile aber mit der Bearbeitung von Anfragen sowie der Weiterentwicklung seines Internetauftritts. Dort ist er seit neuestem auch via Videokonferenz zu erreichen. Rund 95 Prozent der Bestellungen gehen bei Seltmann übrigens über das Internet ein. Neben der Messe seine einzige Werbe-form. Werbung in eigener Sache hat Christian Seltmann durch den Gewinn des Titels "Mutmacher der Nation" des Landes Thüringen betrieben. Mit seinem Engagement und Einsatz, seinen Ideen und seiner Überzeugungskraft beeindruckte er die Jury der Mittelstandsinitiative. Ende des Jahres geht es dann um den Bundesentscheid.
Seine Ideen sind auch immer wieder gefragt, wenn es um Sonderanfertigungen geht. "Für eine Kundin aus Schleswig-Holstein haben wir extra sturmfeste Dachziegel auf die Fasssauna gebaut", berichtet Seltmann von den ungewöhlichen Anfragen seiner Kunden. Normal ist ein Mansardendach. Ein Campingplatzbesitzer hat sich die mobile Fasssauna bestellt und bietet sie seinen Gäste an, d. h., er vermietet die Sauna und bringt sie direkt vor das Zelt bzw. den Wohnwagen. Aber nicht nur als Sauna wird das Fass genutzt: Ein Eisverkäufer hat sich das Innere des Fasses so umbauen lassen, dass er seine Eismaschine dort unterbringen konnte und sozusagen "Eis aus dem Fass verkauft".
Die Herstellung der Fasssauna in der Werkstatt dauert in der Regel drei bis vier Tage. Sie wird anschließend vor Ort montiert. Damit die Kunden die Fasssauna fortbewegen können, gibt es sie auch mit einem Fahrgestell. Im Lieferumfang der Fasssauna sind Kopfstützen, die Saunaleuchten, der -ofen mit Steinen, Sanduhr, das Thermohygrometer und der Aufgusskübel mit Kelle. Die Kunden haben die Wahl zwischen einem Elektroofen und einem Holzofen. Je nach Bedarf wollen viele Kunden Fenster in die Sauna eingebaut haben oder LED-Farblicht. Letzteres wird extra für die Tischlerei hergestellt. Es ist mit einer gebogenen Acrylscheibe ausgestattet. Möglich ist eine Beleuchtung mit bis zu acht verschiedenen Farben. Ein ebenfalls lieferbarer Badebottich bringt die nötige Abkühlung nach dem Saunagang. Dieser Bottich ist ausgestattet mit einem holzbeheiztem Unterwasserofen. Der Ofen hängt im Wasser und von oben wird das Holz hineingefüllt. Wenn gewünscht, baut Seltmann mit seinem Team auch ein Waschbecken und eine Trockentoilette in die Sauna bzw. in den Vorraum ein.
Aber nicht nur mit der Fasssauna ist Seltmann, der sich kurz nach der Wende selbstständig gemacht hat, sehr geschäftstüchtig, sondern auch mit den dazugehörigen Accessoires. In seinem Ausstellungsraum in Göpfersdorf findet der Saunagänger alles, was sein Herz begehrt: Von kleinen Holzlaternen für die Sauna über unterschiedliche Düftöle für den Aufguss bis hin zu einem Saunaaromatopf ist alles käuflich zu erwerben. So hat sich der Tischlermeister eine Miniaturausgabe als Räucherfasssauna "made in Erzgebirge" patentrechtlich schützen lassen. Funktionstüchtig mit Räucherstäbchen und im Sommer mit Mückenschreck-Räucherkerzen zu verwenden.
Seltmann ist sich sehr wohl darüber im Klaren, dass er mit seinem Fasssaunageschäft ein Nischenprodukt entdeckt hat, das ihm auch in schwierigen Zeiten Aufträge liefert. Auch in Zukunft will er sich diesem Geschäft widmen. In seinem Kopf schwirren schon viele Ideen, wie die Fasssauna noch weiter vermarktet werden kann. Man kann also gespannt sein, wo die Fasssauna demnächst zum Einsatz kommt und vor allem wie.