Dass deutsche Autofahrer im Ausland Bußgelder für unterschiedlich Darstellungen des Kfz-Kennzeichens auf Nummernschild und Fahrzeugschein bezahlen müssen, entpuppt sich als Gerücht. Weil die Kfz-Zulassungsstellen immer mehr Anfragen von ratlosen Bürgern bekommen, haben sich nun sogar Bundesverkehrsministerium, Kraftfahrtbundesamt und das Auswärtige Amt eingemischt.

Wahre Geschichte oder passendes Gerücht zur Ferienzeit? Im Sommer vergangenen Jahres kursierten Geschichten rund um hohe Bußgelder für "einen Bindestrich zu viel" im Fahrzeugschein mancher Autofahrer. Immer wieder meldeten die Medien, dass deutsche Reisende im Ausland zur Kasse gebeten wurden, weil im Fahrzeugschein nach dem Ortskürzel ein Bindestrich abgedruckt war, den es auf dem Kennzeichen gar nicht gibt.
Auch die Deutsche Handwerks Zeitung berichtete von einem Fall aus Tübingen, der der Redaktion zugetragen wurde. Der Betroffene musste für die abweichenden Angaben den Erzählungen zufolge 500 Euro Strafe in Italien bezahlen. Schon damals gab der ADAC Entwarnung, dass deutsche Autofahrer nichts zu befürchten hätten, wenn sie entsprechende Zahlungen verweigern.
Dutzende neue Papiere ohne Bindestrich
Doch die Geschichte drehte seine Runden und verunsicherte viele Autofahrer. Pünktlich zur Urlaubszeit kommt sie nun wieder aufs Tapet. Diesmal geht es um deutsche Autofahrer in Luxemburg und hat Hunderte besorgte Autofahrer in die Bitburger Zulassungsstelle getrieben. Seit Wochen kämen täglich Dutzende Autofahrer, um sich neue Papiere ohne Bindestrich ausstellen zu lassen, bestätigte der zuständige Mitarbeiter der Kreisverwaltung, Erhard Hirschberg.
Denn in den meisten Fällen sind die Zulassungsstellen bereit, die Abweichungen einfach auszugleichen, indem sie einen neuen Fahrzeugschein ausstellen. Neue Zulassungen mit den EU-Kennzeichen sind von dem Problem nicht mehr betroffen.
Dass durch den "Bindestrich zu viel" hohe Strafen drohen können, halten nun aber auch das Kraftfahrtbundesamt und Bundesverkehrsministerium für Unsinn: Den EU-Partnern und den deutschen Behörden sei egal, ob ein Bindestrich nur im Fahrzeugschein oder auch auf dem Kennzeichen steht.
Bis heute ist laut Verkehrsministerium und Kraftfahrtbundesamt kein Fall aktenkundig, in dem ausländische Polizisten einen deutschen Autofahrer deshalb zur Kasse gebeten hätten. Doch der Fall, dass doch mal ein Deutscher Bindestrich-Ärger bekommen könnte, hielt sogar Diplomaten auf Trab: Das Auswärtige Amt informierte die EU-Partner jetzt vorsorglich über die Belanglosigkeit des Bindestrichs. jtw/ dpa