Digitaler Fahrtenschreiber Was die Tachographenpflicht fürs Handwerk bedeutet

Nach jahrelangen Diskussionen bekommt die EU eine neue Tachographenpflicht. Der große Durchbruch wurde fürs Handwerk nicht erreicht; noch immer kostet der digitale fahrtenschreiber den Unternehmern vor allem Geld, Zeit und Nerven. Aber das Schlimmste wurde in den Verhandlungen verhindert. Wie der digitale Fahrtenschreiber künftig eingesetzt werden soll.

Digitaler Tachograph: Bald Pflicht ab Entfernungen von 100 Kilometern und für Lastwagen ab 3,5 Tonnen. - © Foto: VDO

Brüssel hat entschieden: Handwerker müssen ihren Tachographen einschalten, wenn sie mehr als 100 Kilometer von ihrem Firmensitz mit einem Fahrzeug über 3,5 Tonnen fahren. Bislang musste der Tachograph schon bei 50 Kilometern Entfernung benutzt werden. Das Handwerk hatte indes gefordert, einen Radius bis 150 Kilometern zuzulassen, weil Handwerker ja nur zu ihren Kunden fahren und nicht dem Transportgewerbe zuzurechnen sind.

Die jetzt vom Ministerrat beschlossene Regelung soll im kommenden Herbst vom EU-Parlament verabschiedet und in den kommenden zwei bis drei Jahren Realität werden. In der Zwischenzeit werden die technischen Voraussetzungen für die Tachographenpflicht geschaffen.

Was kommt aufs Handwerk zu?

Technische Investitionen: Das Ziel Brüssels ist ein effizienterer und leichter überprüfbarer Fahrtenschreiber mit EU-weit einheitlichen technischen Standards. Das birgt Kosten auch für den Unternehmer. Neue Fahrzeuge ab 3,5 Tonnen müssen über einen Tachographen verfügen. Ältere Last- und Lieferwagen sollen spätestens nach 15 Jahren nachgerüstet worden sein. Das Nachrüsten eines Tachographen kann bis zu 1.500 Euro kosten.

Die neuen, digitalen Fahrtenschreiber zeichnen unter anderem Geschwindigkeit, Strecken sowie Ausgangs- und Endpunkte der Fahrt auf.

Interne Kosten: Betriebe brauchen eine Software zur Datenverwaltung. Denn schnell sind bei größeren Flotten so viele Daten vorhanden, dass sie in Papierform nicht mehr zu bewältigen sind. Oftmals fehlt zudem die Hardware zum Daten-Download. Mitarbeiter und Verwaltung müssen womöglich geschult werden. Oder Unternehmer nutzen gleich einen externen Dienstleister, weil sie sich den ganzen Ärger ersparen wollen.

Bürokratie ärgert Handwerk

Bürokratie: Vor allem die Mitarbeiter haben den bürokratischen Aufwand. Regelmäßige Wartungspflichten für den Tachographen sowie regelmäßige Auslesungspflichten des Tachographen und der Kontrollkarten gehören zu den Aufgaben. Die internen Arbeitsabläufe müssen genau geplant werden, damit nicht versehentlich durch einen akuten Serviceauftrag die 100 Kilometer überschritten werden. Ständiger Fahrerwechsel kann zu einer höheren Belastung des betrieblichen "Work-flow" führen.

Bußgelder: Die modernen Fahrtenschreiber sind mit dem globalen satellitengestützten Navigationssystems GNSS verbunden, daher können Kontrollbehörden die Daten auch aus der Ferne abrufen. Dennoch darf - anders als ursprünglich geplant - die Fernabfrage nicht zu einer automatischen Strafe bei nachgewiesenen Gesetzesverletzungen führen.  Es besteht Unternehmerhaftung für Regelverstöße. bur