Onlinehandel erzeugt Preisdruck Kfz-Betriebe unter Druck: Hohe Rabatte bei Neuwagen im Internet

Beim Kauf eines Neuwagens lohnt sich nach Einschätzung von Verbraucherschützern auch ein Blick auf die Angebote von Internetportalen. Das rät die Zeitschrift "Finanztest" ihren Lesern. Die Kunden freuen sich über solche Angebote, setzen aber mit dem Preis die Kfz-Werkstatt unter Druck. Wie stationäre Kfz-Betriebe damit umgehen sollten.

Kfz-Betriebe sollten vor allem auf einen guten Service achten. - © ZDK

Auf Websites wie Autoaid, Intercar24, APL, Cameoo oder Autohaus24 lassen sich sehr hohe Rabatte für Neuwagen finden, wie die Zeitschrift "Finanztest" in ihrer März-Ausgabe berichtet.

Die gut zwei Dutzende Portale für den Autokauf per Mausklick haben dabei Verträge mit Autohändlern und treten als Vermittler auf. Den Kaufvertrag schließt der Kunde dann mit dem Autohändler ab.

Neuwagen im Internet: weit unter Listenpreis

Laut "Finanztest" wurde ein Volkswagen Passat, dessen Listenpreis bei knapp 31.100 Euro liegt, bei verschiedenen Portalen zwischen rund 26.400 und 26.600 Euro angeboten.

Nach Meinung von Robert Rademacher, dem Präsidenten des Zentralverbandes Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK), verzerren Internetportale für Neuwagen den Preis. Denn sie würden keinen realen Marktpreis abbilden, weil sie "extreme Sonderpreise für Spottmengen verbreiten, von denen sich Händler – fernab des eigenen Marktes – zu trennen versuchen, um anspruchsvolle oder gar unrealistische Bonusziele so doch noch zu erreichen", sagte Rademacher bei der Bundestagung im vergangenen Jahr.

Er habe nichts gegen das Internet. Denn für Gebraucht-Wägen seien die Internet-Börsen sinnvoll. Rademacher: "Bei Gebrauchtwagen haben die großen Börsen für ein bundesweit einheitliches Preisniveau gesorgt."

Um dem Portalen mit ihren Billigpreisen etwas entgegensetzen zu können, sollten sich Kfz-Betriebe und Händler weiterhin kundenorientiert und fortschrittlich verhalte. Rademacher rät zu prüfen, ob und wie es gelingen kann, dass ein Hersteller mit "seinen" Händlern in engem Verbund ein eigenes Marken-Internet-Portal für Neuwagen betreibt.

Auf der Bundestagung gab Rademacher dazu folgende Tipps >>>

Erforderlich sei, Kunden und Interessenten, die bewusst den Weg übers Internet wählen, in solchen hersteller-organisierten "Internet-Portalen zur Kaufvermittlung von Neuwagen" die volle Informations- und Transaktions-Palette mit allen Möglichkeiten zu bieten, also:

  • erst einen Neuwagen konfigurieren zu können,
  • sich dann informieren zu können, zu welchen Preisen und Lieferzeiten ein solches Fahrzeug von welchen Händlern angeboten wird und
  • dann einen bestimmten Händler auswählen können oder sich – in einer bestimmten Region oder auch unter dem Aspekt der Entfernung – vorschlagen zu lassen.

Experten raten außerdem dazu, sich auf den Service zu konzentrieren. Beim Service erwartet der ZDK ein stabiles Geschäft auf Vorjahresniveau wie auch auf dem Gebrauchtwagenmarkt. Hier rechnet der Verband auch für das laufende Jahr 2013 mit etwa sieben Millionen Besitzumschreibungen.

Service und Transparenz

Die größten Chancen haben nach Ansicht von des Autoexperten Charles McKay die Betriebe, die es schaffen, ihre Kunden auch im Web zu pflegen. Der Kunde erwarte Transparenz und lasse sich zum großen Teil auch über das Internet vermitteln.  

Der Professor für Automobilwirtschaft an der westfälischen Hochschule in Gelsenkirchen sagt, Kunden halte man nur, indem man absolute Leistungstransparenz garantiere: "Die Techniker müssen dem Kunden ganz genau erklären, was sie am Auto gemacht haben und was nötig ist."

Dietmar Clysters, Inhaber einer Opel-Werkstatt mit fünf Mitarbeitern, empfiehlt zum Beispiel als Alternative für den unbedingten Niedrigpreis daher, Komplettpreise zu machen. Die Preise müssten jedoch fair und marktgerecht kalkuliert sein. dapd/rh