Winterschlaf So motten Sie Ihren Oldtimer richtig ein

Nach dem sommerlichen Vergnügen kommt die herbstliche Arbeit. Die meisten Old- oder Youngtimer werden jetzt auf die Winterruhe vorbereitet. Was Sie dabei beachten müssen, erklären Experten aus der Kfz-Branche. "Denn es genügt nicht, den Schlüssel umzudrehen und die Garage zu schließen", sagt Vincenzo Luca von TÜV Süd.

© TÜV Süd

Für die Erholungspause der rund 1,6 Millionen Old- und Youngtimer, so die Statistik des Kraftfahrtbundesamts, sollten deren Besitzer "ein trockenes, sicheres und gut durchgelüftetes Quartier" wählen, empfiehlt Ulrich Köster vom Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK). "Optimal ist ein Abstellplatz mit einer möglichst konstanten Raumtemperatur und guter Belüftung", sagt Hans-Jürgen Götz von der Sachverständigenorganisation GTÜ.

Gegen Feuchtigkeit empfiehlt er sogenannte Entfeuchter-Granulate. Der Behälter wird in die Garage gestellt und die Verschlussfolie abgezogen. Das Granulat entzieht der Raumluft die Feuchtigkeit, bis eine Luftfeuchtigkeit von etwa 50 bis 60 Prozent erreicht wird. Dabei löst sich das Granulat allmählich auf und sammelt sich als Flüssigkeit im Auffangbehälter. Eine Packung reicht üblicherweise für Räume bis zu 80 Quadratmetern und ist mehrere Monate wirksam. Allerdings dürfe die Luft auch nicht zu trocken sein, da sonst Gummis, Leder und Hölzer leiden."

Vor der Winterpause muss geputzt werden

Fristet das Liebhaberstück unter einer Haube seinen Winterschlaf, sollte eine atmungsaktive Stoffabdeckung mit Innenvlies oder Baumwolleinlage verwendet werden, um Kratzer zu vermeiden. Keine PVC-Folie oder andere luftdichte Plastikfolien benutzen, rät Götz. Und wenn unter der Plane die Fenster ein wenig geöffnet blieben, könne Luft zirkulieren. Das vermeidet auch schlechte Gerüche im Innenraum.

Doch zunächst heißt es erst einmal: putzen und zwar innen wie außen. Mit Staubsauger und -tüchern wird der Innenraum auf Vordermann gebracht, Ledersitze mit speziellem Reiniger behandelt, Tür- sowie Fensterdichtungen mit Gummipflege auf den Winter vorbereitet.

Oldtimer-Fachmann Eberhard Lang vom TÜV Süd hält noch einen Tipp parat: "Zusätzliche Fußmatten überwintern am besten außerhalb des Autos, damit sich unter ihnen keine Feuchtigkeit bilden kann."

Für Lang sind zur Außenreinigung Shampoo mit Waschkonservierer oder Waschanlagenprogramme mit Wachszusatz die erste Wahl. "Das Waschwasser transportiert die schützenden Mittel sogar in Fugen und andere nicht direkt zugängliche Karosserieteile", erläutert er. Die Reinigung des Unterbodens sei ebenfalls wichtig.

Und eine Motorwäsche habe nicht nur optische Effekte, sondern sorge für einen problemlosen Start in der ersten Frühlingssonne. "Vorsicht aber bei der Hochdruckwäsche - nicht zu nahe an Aggregate wie die Lichtmaschine und andere elektrische Komponenten herangehen" mahnt er einen Mindestabstand von 50 Zentimetern an.

Frisches Öl schützt den Motor

Um unliebsame Überraschungen beim Start in die nächste Saison zu vermeiden, sollte man den Motor auf Betriebstemperatur bringen, den Kühlerfrostschutz prüfen und eventuell auffüllen, rät GTÜ-Experte Götz. Die nächsten Prüfpositionen nennt TÜV-Experte Lang: "Frisches Öl schützt den Motor. Auch wenn das Wechselintervall noch längst nicht erreicht ist, lohnt sich die Investition. Die meisten Oldtimer kommen mit dünnen Ölen wie 0W-30 schlecht zurecht, und ältere Dichtungsmaterialien leiden oft unter synthetischem Schmierstoff. Also auf die richtige Sorte achten."

Die Kontrolle der Ölstände in Getriebe und Achsantrieb sowie das Auffüllen auf den korrekten Stand mit dem richtigen Öl stellten sicher, dass alle Zahnräder und Lager während des Stillstands optimal versorgt seien.

Für die Reifen empfehlen die Fachleute einen leicht erhöhten Fülldruck. 2,5 bis 3,0 Bar sollten vor dem Abstellen anliegen. Und etwas Talkum an den Außenseiten von Oldtimer-Reifen erhöhe die Haltbarkeit des Gummis.

Beim Auffüllen an der Tankstelle sollte man gleich volltanken. Ist nämlich viel Luft in Kraftstoffbehältern, kann sich während der Winterpause Kondenswasser bilden. Ein voller Tank dagegen beugt Korrosion und Startschwierigkeiten vor.

Etwas Bewegung tut not

Die Batterie von Oldtimern könne abgeklemmt werden, sagt Lang. Eine leere Batterie könne nämlich bei Minustemperaturen einfrieren. Das würde sie zerstören. Bleibt der Akku angeschlossen, ist regelmäßiges Laden nötig. "Sehr empfehlenswert sind moderne Ladegeräte, die den Ladezustand automatisch prüfen und nur bei Bedarf tätig werden", berichtet Lang. Der Energieverbrauch sei dabei im Gegensatz zu älteren Ladern sehr gering.

Falls der Oldie nicht aufgebockt die Winterpause absolviert, sollte man das Fahrzeug "alle paar Wochen ein paar Dezimeter verlagern", rät der Oldtimer-Experte. "Das vermeidet sogenannte Standplatten an den Reifen. Auch verteilen sich Öl im Achsantrieb oder Fett in Antriebswellen dabei und bauen einen schützenden Schmierfilm auf." dapd