Oldtimer der Elektromobilität Ein Glücksfall für die Prüfingenieure

Ein 15 Jahre altes Elektroauto mit mehr als 90.000 Kilometern auf dem Buckel – über solch einen seltenen Besuch kann sich Prüfingenieur Friedemann Braus nur freuen. Der Citroën Saxo, mit dem Heiko Weidlingbei der Dekra in Stuttgart-Vaihingen vorfuhr, ist ein echter Glücksfall für den Prüfer.

Fachsimpeln unter dem Elektroauto: Heiko Weidling und Dekra-Prüfingenieur Friedemann Braus. - © dekra

„Ein solches Fahrzeug ist für unser Forschungsprojekt Gold wert“, sagt Friedemann Braus, der im Dekra-Kompetenzzentrum Elektromobilität arbeitet. Die Mitarbeiter wollen herausfinden, wie die Prüfvorschriften bei der Hauptuntersuchung speziell für Elektro- und Hybridfahrzeuge angepasst werden müssen.

Das Projekt ist von der Bundesanstalt für Straßenwesen initiiert worden und wird unter Federführung der Fahrzeugsystemdaten GmbH mit Sitz in Dresden von verschiedenen Prüforganisationen umgesetzt. Insgesamt 5.000 Fahrzeuge sollen bis Januar 2013 geprüft werden. Ergebnis des Feldversuchs soll ein Vorschlag zur Weiterentwicklung des Prüfkatalogs für Fahrzeuge mit batterieelektrischem oder Hybridantrieb sein, insbesondere mit Blick auf die Hochvoltkomponenten.

Anforderungen für Projektteilnehmer

Die beteiligten Fahrzeuge müssen mindestens zwei Jahre alt sein oder 25.000 Kilometer auf dem Tacho haben. Nur dann, so Friedemann Braus, wird es bei der Hauptuntersuchung aussagekräftige Erkenntnisse zu besonderen Mängelschwerpunkten oder Verschleißproblemen geben. „Bei einem 15 Jahre alten Auto mit einer Laufleistung über 90.000 Kilometer können wir natürlich besonders gut sehen, was mit den elektrischen Systemen im Verlauf der Lebensdauer passiert“, so Braus.

Heiko Weidling fährt den 1997 gebauten Elektro-Saxo seit vier Jahren und pendelt damit jeden Tag von seinem Wohnort Reutlingen zur Arbeitsstelle nach Stuttgart. Das sind 82 Kilometer pro Tag. Im Jahr ist er so rund 23.000 Kilometer mit dem Fahrzeug unterwegs.

Die Original-Akkus hat er vor zwei Jahren ausgetauscht, ansonsten funktioniere die Technik aus den 90er Jahren nach wie vor einwandfrei. „Es gibt ja im Elektromotor auch keine Verschleißteile wie Zahnriemen, Zündkerzen oder ähnliches“, sagt Weidling, der aus seinen Erfahrungen mit elektrischer Mobilität ein durchweg positives Fazit zieht: „Ich möchte nichts anderes fahren.“

Keine Berührungsängste

Da Heiko Weidling selbst Elektromeister ist, waren Berührungsängste beim Kauf eines E-Autos für ihn kein Thema. Beim heutigen Stand der technischen Entwicklung brauchen aus Sicht von Dekra-Experte Braus aber auch alle anderen Autofahrer nicht mehr vor der Elektromobilität zurückzuschrecken.

Für den Fahrzeughalter liegen die Vorteile klar auf der Hand: „Die allermeisten Fahrten spielen sich im Bereich von 100 Kilometer ab; diese Tagesreichweite ist für mein Fahrzeug realistisch“, so Heiko Weidling. Und wenn ich mir die Kosten anschaue, dann lande ich bei ungefähr 14 Kilowattstunden pro 100 Kilometer, das entspricht etwa 2,80 Euro. Dafür bekomme ich an der Tankstelle heutzutage keine zwei Liter Sprit.“

Für das Forschungsprojekt sucht Dekra noch weitere Fahrer von Elektro- und Hybridfahrzeugen, die gerne teilnehmen möchten. Sie können sich direkt an das Dekra Kompetenzzentrum Elektromobilität wenden.