Sie ist das Fahrzeug mit DDR-Vergangenheit, das unter allen Ost-Mobilen die Zeit wohl am unbeschadetsten überdauert hat – die Schwalbe. Zwischen Kap Arkona und Fichtelberg unter Nostalgikern nach wie vor beliebt, hat es das Moped aus dem ehemaligen Simsonwerk in Suhl auch im Westen zu Kultstatus gebracht. Jetzt soll die Schwalbe ihren zweiten Sommer erleben – als Elektroroller.
Ulrich Steudel
Gebaut wird die E-Schwalbe, die Ende dieses Jahres auf den Markt kommen soll, an historischer Stätte in Thüringen. Die Firma efw-suhl hat bewusst jenen Standort gewählt, an dem von 1964 an die Schwalbe bis zur Wende gebaut wurde. Das ist Teil des Marketingkonzepts, das mit dem außergewöhnlichen Design des „Ostvogels“ zudem auf den Spaßfaktor setzt, der neben dem Umweltaspekt die Kunden zum Kauf animieren soll.
Wie kein zweites Fahrzeug aus DDR-Produktion hat die Schwalbe seit 1990 auch im Westen viele Freunde gefunden. Das hat verschiedene Gründe: So erlaubt es ein Passus im Einigungsvertrag, dass die Schwalbe mit einem Mopedführerschein gefahren werden darf, obwohl sie mit einer Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h eigentlich viel zu schnell dafür ist. Außerdem lassen die 16 Zoll großen Räder eher das Gefühl des Motorradfahrens aufkommen, als es bei anderen Rollern mit deutlich kleineren Rädern der Fall ist.
Wenn die Schwalbe nun einen Elektromotor unter ihr Blechkleid bekommt, dann wird es allerdings mit dem knatternden Geräusch des Zweitakters und den stinkenden Abgasen des Benzin-Öl-Gemisches aus dem Verbrennungsmotor vorbei sein. An der markant quadratischen Lampe und den Blinklichtern an den äußeren Enden des Lenkers soll sich dagegen wenig ändern, genauso wie am gesamten Design der Schwalbe.
Kosten wird die E-Schwalbe allerdings deutlich mehr als Roller mit konventionellem Antrieb. Für das 45 km/h schnelle Modell müssen 4.700 Euro berappt werden, das bis 81 km/h schnelle Modell wird 5.800 Euro kosten. Dafür soll die E-Schwalbe mit einem mobilen Akku mit einer Reichweite von 40 bis 60 Kilometer ausgerüstet werden, der nach der Fahrt ins Büro schnell ausgebaut und an der Steckdose am Schreibtisch für die Heimfahrt wieder aufgeladen werden kann.
So soll die E-Schwalbe nicht zum Fahrzeug für Eigenheimbesitzer mit Photovoltaikanlage auf dem Dach werden, sondern zu einem Zweirad für jedermann, egal ob er die Schwalbe auf dem Land dem Zweitwagen vorzieht oder als Großstadtbewohner die Parkplatzsuche scheut.
