Interview mit Ferdinand Dudenhöffer "Dieselsubvention stoppt neue Antriebstechnik"

Die hohen Benzinpreise belasten die Autofahrer. Alternativen zu normalen Ottomotoren werden dadurch attraktiver. Doch nach Ansicht des Autoexperten Ferdinand Dudenhöffer verhindern die staatlichen Dieselsubventionen, dass alternative Antriebe eine reale Chance auf dem Markt haben. "Das Vorankommen der Technik wird durch die Subventionen verzögert", sagt er im DHZ-Interview.

Jana Tashina Wörrle

Nach Ansicht des Automobilexperten Ferdinand Dudenhöffer blockiert die Subventionierung vom Dieseltreibstoff, dass die Autokonzerne in die Erforschung alternativer Antriebe investieren. Sein Ansicht nach kann aber nur so eine Möglichkeit entstehen, den steigenden Benzinkosten auszuweichen. - © ferkelraggae/Fotolia

DHZ: Die Benzinpreise steigen immer stärker an und als Autofahrer scheint man machtlos zu sein gegen den Preisdruck der Mineralölkonzerne. Was raten Sie?

Ferdinand Dudenhöffer: Natürlich kann man jetzt auf Fahrgemeinschaften oder die öffentlichen Verkehrsmittel umsteigen. Da die meisten aber auf ein eigenes Fahrzeug angewiesen sind, ist der Umstieg auf eine alternative Antriebsart langfristig gesehen aber das vernünftigste.

DHZ: Wo führt die Preisspirale noch hin? Werden die Preise bald wieder sinken?

Professor Dr. Ferdinand Dudenhöffer ist Direketor des CAR-Instituts an der Universität Duisburg-Essen sowie Inhaber des Lehrstuhls für allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Automobilwirtschaft. - © Foto: privat
Ferdinand Dudenhöffer

Dudenhöffer: Schon seit den 70-er Jahren gibt es – von kleinen Schwankungen abgesehen – beim Benzinpreis nur eine Richtung und die führt nach oben. Auch in den kommenden zwanzig Jahren wird sich daran nichts ändern, die Preise steigen weiter. Genau deshalb sind ja die Alternativen so wichtig.

DHZ: Welche Alternativen sind am zukunftsichersten? Auf welche neuen Antriebsarten sollte man jetzt ausweichen?

Dudenhöffer: Es gibt Elektro-, Hybrid- oder Erdgasmotoren und für die langfristige Planung auch die Brennstoffzelle. Jede dieser Antriebsarten hat aber ihren individuellen Einsatzbereich. Ich denke, dass sich momentan am ehesten die Hybridfahrzeuge und die Erdgasautos lohnen. Das Angebot an Erdgasfahrzeugen wächst, und das ist positiv. Doch in etwa zwanzig Jahren wird die Forschung auch bei den Brennstoffzellen weiter sein. Grundsätzlich wird den alternativen Antrieben aber bislang noch zu wenig Chancen zugesprochen.

DHZ: Wie könnte man ihre Akzeptanz bei den Verbrauchern denn steigern und was kann oder sollte die Regierung dafür tun?

Dudenhöffer: Das Problem ist die Subventionierung vom Dieseltreibstoff, die momentan alles blockiert. Man muss endlich für alle Antriebsarten die gleichen Voraussetzungen am Markt schaffen. Weil Deutschland den Diesel immer noch künstlich vergünstigt, stecken auch die Automobilkonzerne das meiste an Geld und Forschung in die Dieselfahrzeuge. Durch falsche Preise wird auch die Autoindustrie in eine falsche Richtung gelenkt. Benzin wird dagegen nicht gefördert und deshalb haben wir eine willkürlich politisch verordnete Preisschere zwischen Benzin und Diesel. Und dies blockiert natürlich die Hybridfahrzeuge, die üblicherweise auf dem Benziner aufbauen. Toyota hat den Hybrid vor 20 Jahren in die Großserie gebracht, die Deutschen laufen wegen den falschen Steueranreizen beim Diesel immer noch hinterher, das zeigt ja auch die neueste Umweltliste des VCD .

DHZ: Wie und was müsste den ansonsten gefördert werden? Wie sieht es mit den Plänen für E-Fahrzeuge aus?

Dudenhöffer: Individuelle Kaufprämien für Elektrofahrzeuge sind sicher nicht der richtige Weg. Kaufprämien erzeugen kurzfristig einen kleinen Boom und danach fällt der Markt wieder zusammen.  Also den richtigen Rahmen schaffen heißt die Devise, etwa durch kostenlose Parkplätze für Elektroautos oder Zonen, die nur für Null-Emissions-Autos zugänglich sind. Dann steigt der Anreiz, sich so ein Fahrzeug zu kaufen ohne dass an anderer Stelle draufgezahlt wird.

DHZ: Sie sagen auch Erdgas habe eine große Zukunft vor sich. Warum wird Erdgas aber heute noch vergleichsweise wenig genutzt? Und wo liegt der genaue Unterschied zum Autogas?

Dudenhöffer: Erdgasautos haben Zukunft, das zeigt ja auch der Gewinner des VCD-Auswertung, der "VW eco up!", da sie viel umweltfreundlicher sind. Sie bieten eine sichere Alternative, da die Erdgasvorkommen noch sehr lange zur Verfügung stehen werden. Autogas ist eher eine Brückentechnologie, da Autogas als Kuppelprodukt bei der Mineralölraffinerie entsteht. Es ist von daher immer an die herkömmlichen Kraftstoffe angekoppelt ist. Aber da die Autogas-Umrüstung vergleichsweise günstig ist, lohnt es sich auf kürzere Sicht. Erdgas ist dagegen, da die Anschaffung eines solchen Fahrzeugs etwas teurer ist, momentan vor allem etwas für Vielfahrer, die den höheren Anschaffungspreis dann schneller wieder "verdient" haben.

DHZ: Aber woran hakt das Vorankommen noch?

Dudenhöffer: Was noch fehlt ist das Modellangebot der Autobauer. Das ist derzeit bei Erdgas der eigentliche Engpassfaktor. Grundsätzlich wird aber auch das Vorankommen dieser Technik durch die Dieselsubventionen verzögert.