Wer seinen Gebrauchtwagen noch über Zeitungsannoncen sucht, verpasst womöglich einen Trend. Die vielversprechendsten Schnäppchen stehen im Internet. Doch Vorsicht – wer einen Gebrauchtwagen kauft ohne eine Probefahrt zu machen, kann böse Überraschungen erleben. Mit diesen Tipps von Autoexperten können sie die Angebotsvielfalt im Internet beim Autokauf sicher nutzen.
Eins, zwei, drei – ein Gebrauchtwagen lässt sich heute schnell bei Ebay ersteigern oder in vielen anderen Onlinebörsen erwerben. Doch schnell ist nicht gleich einfach: "Gerade bei gebrauchten Pkw erscheint es fast unmöglich, ein Fahrzeug in all seinen kleinen Einschränkungen und größeren Mängeln so zu beschreiben, dass das Fahrzeug den Vorstellungen des Käufers entspricht", sagt die Rostocker Rechtsanwältin Elisabeth Vogt.
Auf Probefahrt bestehen
Mehr Klarheit bekommt der Käufer, wenn er sich das Auto bei einer Probefahrt selbst anschaut. Allerdings kommt bei den meisten Portalen direkt ein Kaufvertrag zustande, beispielsweise mit Abgabe des Höchstgebots. "Wer bis zu diesem Zeitpunkt keine Probefahrt gemacht hat, hat wohl möglich ein Problem. Denn wer die Katze im Sack kauft, hat wenig Chancen, den wohl möglich schlechten Zustand des Fahrzeugs später erfolgreich zu reklamieren", sagt die AvD-Juristin Petra Schmucker." Alle Absprachen zum Angebot sollten Käufer und Verkäufer schriftlich fixieren rät die AvD-Juristin.
Top-Fünf Betrugsmethoden beim Autokauf
Die Initiative "Sicherer Autokauf im Internet" von ADAC, verschiedene Web-Portale und der Polizei gibt Tipps zum Autokauf im Internet. Das sind die fünf häufigsten Betrugsmethoden:
- Vorkasse mit Bargeldtransfer meiden: Eine Anzahlung an Verkäufer im Ausland über Western Union, MoneyGram, Speditionen oder Verschiffungsunternehmen geleistet werden, ist dies unseriös. Die nötigen Identitätsnachweise zum Abheben des Geldes konnten nach Erfahrung der Initiative immer wieder gefälscht werden.
Ein ganz perfider Trick der Betrüger: Sie fordern dass der Käufer als Liquiditätsnachweis einen Bargeldtransfer an einen Freund tätigt und den Beleg per E-Mail an den Verkäufer schickt. Dieser schlüpft mit gefälschten Ausweispapieren dann in die Identität des Freundes und hebt das Geld ab.
Der ADAC weist daraufhin, dass einige Internet-Fahrzeugmärkte mit einem Treuhandservice werben – diesen Service aber gar nicht bieten können. Aktuell werden unter dem Namen des Anwalts- und Notarbüros DigiMedia-Medienrecht in Berlin Betrügereien abgewickelt. - Keine Daten bei E-Mail-Anfragen abschicken: Fahrzeugbörsen fragen keine Käufer-Daten per E-Mail ab. Kommt eine Aufforderung Passwörter oder andere Informationen per E-Mail oder über einen Link preiszugeben, handelt es sich um eine Phishing-Mail. Auch Dateianhänge sollten nicht geöffnet werden.
- Keine Ausweise digital verschicken: Ausweise, Kfz-Briefe und andere Dokumente können leicht mit einem Bildbearbeitungsprogramm manipuliert werden, wenn sie nur in digitaler Form vorliegen. Ausweispapiere sollten daher unbedingt immer auch im Original angesehen werden. Eigene Papiere sollten Käufer gar nicht erst digital versenden.
- Bei der Übergabe genau hinsehen: Nach Einschätzung der Polizei ist bei einem Drittel der Gebrauchtwagen der Tachostand manipuliert. Käufer sollten dieser Anzeige daher kaum Vertrauen schenken, sondern lieber das Erscheinungsbild des Wagens im Detail ansehen.
Bei sehr günstigen Angeboten sollten Käufer grundsätzlich vorsichtig sein. Im Internet lauern versteckte Zusatzkosten, die nur in Fußnoten angegeben werden. Bei der Übergabe sollten Käufer alle Dokumente genau prüfen, denn auch geklaute Autos werden weiterverkauft. - Es gibt keine Seriositätstests für Autoverkäufer: Bekommt ein Käufer eine E-Mail in der die Verlässlichkeit des Verkäufers mit Zertifikaten, Schreiben des ADAC oder der Polizei nachgewiesen wird, ist dies eine Fälschung.
Regional Suchen ist sicherer
Grundsätzlich sollten Autokäufer neben Internetbörsen auch eine regionale Suche in Betracht ziehen. Andreas Halupczok vom TÜV Süd empfiehlt: "Zeitungsinserate aus regionalen Tageszeitungen oder lokalen Anzeigenblättern sind für die Suche nach Fahrzeugen im unteren Preissegment meist die bessere Wahl. Als Geheimtipp stellen sich oft auch die Kleinanzeigen in regionalen Internetbörsen heraus." Ein weiter Anfahrtsweg, um ein günstiges Angebot abzuholen, lohne sich meist nur für Autos der gehobenen Preisklasse, mahnt der TÜV-Experte.
Schließlich sollten Käufer auch beim örtlichen Autohaus vorbei gehen, um sich ein Bild zu machen. Die Händler haben meist ein Interesse mit einem guten Verkauf auch eine langfristige Kundenbindung aufzubauen. cg/dapd
