Handwerk leidet unter hohen Benzinpreisen Spritpreis wird zum Geschäftsrisiko

Der Benzinpreis ist trotz aller politischen Debatten auf einem Rekordniveau vor dem Osterwochenende und Fachleute erwarten nicht, dass sich an den Preisen so rasch etwas ändert. Für Handwerksbetriebe wird der Spritpreis jedoch ein immer höherer Kostenfaktor und somit zum Risiko. Das Bundeskartellamt hat nun ein Verfahren gegen die fünf großen Mineralölkonzerne eingeleitet.

Die Preise an den Tankstellen sind so hoch wie nie zuvor. - © Michael Gottschalk/dapd

Elektromeister Hans Auracher aus München ist einer von vielen Handwerksbetrieben, die fahren müssen, um zu ihren Kunden zu kommen.  "Weniger fahren können wir deshalb nicht", sagt der Chef von der Auracher Elektroanlagen GmbH. "Wir reduzieren halt nun das Tempo auf der Autobahn, versuchen im Stadtverkehr vorausschauender zu fahren und schalten den Motor an der Ampel ab." So lässt sich der Verbrauch wenigstens etwas reduzieren – trotzdem hat der Betrieb geschätzte 20 Prozent Mehrkosten innerhalb eines Jahres.

"Betriebe können schlichtweg nicht viel gegen die hohen Spritpreise unternehmen", sagt Rainer Bindig. Er ist der stv. Leiter der Abteilung Betriebswirtschaft bei der Handwerkskammer München. Kurzfristig könne er den Betrieben deshalb nur raten, dass zu tun, was viele sowieso schon längst umsetzen - allein aus zeitlichen Gründen: Routen optimal festlegen, um überflüssige Fahrten zu vermeiden.

In Zukunft muss jedoch eine Lösung her. Nach den Erfahrungen von Bindig zerrt der hohe Spritpreis vor allem an der Gewinnspanne der Betriebe. Ein Handwerker, der beispielsweise täglich von Traunstein nach München etwa 100 Kilometer fährt, bei dem schlagen die Kosten gewaltig zu Buche. Ad hoc lasse sich schließlich auch nichts am Kundenkreis ändern, so Bindig.

Löhne erhöhen, Autos noch spritsparender bauen

Der März war für Autofahrer der bisher teuerste Tank-Monat aller Zeiten – auch für Dieselfahrzeuge, wie sie viele Handwerker haben. Für einen Liter Diesel waren im Monatsdurchschnitt 1,52 Euro fällig. Im Vergleich dazu musste für Diesel im März 2011 durchschnittlich 1,41 Euro bezahlt werden und 2010 waren es sogar nur 1,18 Euro. Innerhalb von zwei Jahren ist der Diesel somit um etwa 34 Cent gestiegen.

Der Bundesvorsitzende Michael Ziesak  vom umweltorientierten Verkehrsclub Deutschland (VCD) sieht die Politik in der Pflicht: Die EU müsse die Hersteller zum Bau sparsamer Autos zwingen. Ziesak sprach sich zudem für eine Abschaffung der Pendlerpauschale aus und forderte, Arbeitgeber sollten Pendlern so viel zahlen, dass diese sich den Weg zur Arbeit leisten könnten.

Nach Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln gehört jedoch auch der Staat zu den Kostentreibern. Durch die Mineralölsteuer von 65,5 Cent pro Liter Super und 47 Cent pro Liter Diesel sowie die Mehrwertsteuer gehe gut die Hälfte der Tankrechnung an das Finanzamt.

Verfahren gegen Ölkonzerne eingeleitet

Nach einer Beschwerde der freien Tankstellen geht nun das Bundeskartellamt gegen die großen fünf Mineralölunternehmen vor. Die Wettbewerbsbehörde leitete ein Verfahren gegen BP, Esso, Jet, Shell und Total ein. Sie stünden unter dem Verdacht, freien Tankstellen Kraftstoffe zu Preisen verkauft zu haben, die über den Preisen der eigenen Endkunden liegen, teilte die Behörde mit.

Die Unternehmen wurden nun zur Stellungnahme aufgefordert, sie erhielten förmliche Auskunftsersuchen. Eine Frist wurde ihnen dabei aber nicht gesetzt.

Kartellamtspräsident Mundt hatte bereits am Wochenende Kritik an den die fünf Mineralölkonzerne anlässlich ihrer Preispolitik geübt. "Offensichtlich muss sich keiner der großen Mineralölkonzerne in Deutschland fragen, ob höhere Preise durchsetzbar sind", sagte er in der "Wirtschaftswoche". dapd/rh