Innerhalb von nur 20 Jahren haben viele ostdeutsche Kommunen zwei Gemeindegebietsreformen über sich ergehen lassen müssen. Der Verlust an lokaler Identität kommt auch an wechselnden Kfz-Kennzeichen zum Ausdruck. Jetzt dürfen die Autofahrer in den betroffenen Städten aber darauf hoffen, ihre alten Nummernschilder bald wieder verwenden zu dürfen.
Ulrich Steudel
Die Verkehrsministerkonferenz hat bereits im vergangenen Jahr eine Lockerung der Fahrzeugzulassungsverordnung in Aussicht gestellt. In diesem Frühjahr soll nun der Bundesrat darüber befinden. Die Chancen, dass die Altkennzeichen auf Wunsch der Länder wieder gültig gemacht werden, stehen nicht schlecht.
Eine „Initiative zur Kennzeichenliberalisierung“ der Hochschule Heilbronn hat herausgefunden, dass selbst in den Altbundesländern, wo die Gemeindegebietsreformen bereits in den 70er Jahren durchgeführt wurden, ein großes Interesse an der Wiedereinführung der ehemaligen Kennzeichen besteht.
Insgesamt wurden von der Initiative um Professor Ralf Borchert mehr als 30.000 Personen in 144 Städten befragt. Das Ergebnis war deutlich: 73 Prozent der Befragten sprachen sich für die Rückkehr zu den alten Kennzeichen aus. Rund 180 Kommunen haben nach Angaben der Hochschule Heilbronn seit Beginn ihres Projektes inzwischen durch Stadt- oder Gemeinderatsbeschluss für die Wiedereinführung der alten Kennzeichen votiert.
Professor Borchert und viele Vertreter der Kommunen sehen in den alten Kennzeichen neue Vermarktungspotenziale, weil Städte mit eigenem Kennzeichen einfach bekannter wären.
So würde man in Wetzlar lieber mit dem Kennzeichen WZ fahren als mit LDK, das für Lahn-Dill-Kreis steht. Das hessische Verkehrsministerium hat einem entsprechenden Antrag der Stadt bereits entsprochen. Auch in Mecklenburg-Vorpommern hat das Verkehrsministerium Zusagen zur Wiedereinführung alter Kennzeichen gemacht, die im Dezember vom Bundesrat bestätigt wurden. Im Landkreis Nordvorpommern (NVP) wird es auch wieder die Kennzeichen RÜG für Rügen und HST für die Hansestadt Stralsund geben.
Viele weitere Städte möchten diesen Vorbildern folgen, darunter die Stadt Wernigerode im Harz, die statt HZ wieder das alte WR anstrebt. Doch längst nicht alle Einwohner oder Gewerbetreibenden befürworten solche Vorhaben. Im Autohaus Wernigerode gibt es bisher kaum Nachfragen nach dem alten Kennzeichen. Und seine Firma sieht Geschäftsführer Hartmut Paschke mit HZ gut repräsentiert. „Als größtes Autohaus im Harz passt HZ besser zu uns als WR.“