Der Einsatz von Videokameras kann wertvolle Hinweise für einen besseren Verkehrsfluss und mehr Sicherheit auf Autobahnbaustellen liefern, wie ein Projekt in Nordrhein-Westfalen gezeigt hat.

Dabei haben die Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) und die Technische Hochschule Aachen in einer etwa sechs Kilometer langen Baustelle auf der A1 zwischen Leverkusen und Dortmund 29 Webkameras platziert, die eine nahezu durchgängige Beobachtung des Verkehrs in der Arbeitsstelle über sechs Monaten ermöglichten. Nach Sichtung des über 90.000 Stunden langen Videomaterials konnten die Wissenschaftler insgesamt 31 Unfälle auswerten. Dabei wurden die Ergebnisse anderer Untersuchungen bestätigt: In der Baustelle ereignen sich vergleichsweise weniger Unfälle mit Personenschaden, aber die Anzahl der Unfälle mit Sachschaden ist um ein Vielfaches höher als auf der freien Strecke. Die Hauptursachen für Unfälle waren beengte Platzverhältnisse mit wechselnder Linienführung, Auffahrunfälle auf Stauenden bei hoher Geschwindigkeit wegen zu geringem Sicherheitsabstand und im Stau wegen mangelnder Aufmerksamkeit des Fahrers.
Die Hälfte der Staus wurde durch Überlastungen der Strecken aufgrund zu hoher Verkehrsmengen in der Baustelle verursacht. Innerhalb der Baustelle wurden bei Unfällen und Pannen wegen fehlendem Seitenstreifen vermehrt Fahrstreifenblockaden beobachtet. 30 Prozent aller Staus waren etwa auf diese Störfälle zurückzuführen. Fahrstreifensperrungen innerhalb der Baustelle im Rahmen von zusätzlichen Tagesbaustellen waren für rund 20 Prozent der Staus verantwortlich.
Die Analyse der Stauereignisse und der Unfallhergänge ergab konkrete Hinweise für eine verbesserte Arbeitsstellengestaltung. So sollten Stellen, an denen Fahrstreifen verschwenkt werden, nicht mit anderen Punkten zusammentreffen, die ebenfalls die erhöhte Aufmerksamkeit der Verkehrsteilnehmer erfordern, wie die Änderung der Fahrstreifenbreite oder Bereiche mit großen Steigungen. Geschieht eine solche Überlagerung, sinkt an dieser Stelle die verkehrliche Leistungsfähigkeit erheblich. Überleitungen und Verschwenkungen sollten mit markierten Trennlinsen ausgebildet werden. Einfahrstreifen in Arbeitsstellen sollten möglichst lang gewählt, verlegte Behelfsausfahrten deutlich beschildert werden.
Das Videomaterial diene übrigens laut BASt ausschließlich wissenschaftlichen Zwecken. Die Verkehrsbeobachtung sei datenschutzrechtlich unbedenklich, da die Qualität der erfassten Bilder ein Erkennen von Personen oder Fahrzeugkennzeichen nicht ermögliche. dhz