Die Stunde der Visionäre und Designer

Zur IAA wagen die Automobil-Hersteller einen Blick in die Zukunft und setzen dabei auf den Elektroantrieb. Von Ulrich Steudel

Die Stunde der Visionäre und Designer

Wenn sich alle zwei Jahre in Frankfurt die Welt des Automobils ein Stelldichein gibt, dann zeigen die Hersteller nicht nur ihre aktuellen Modelle, sondern bieten auch einen Blick in die Zukunft der Mobilität. So genannte Conceptcars sollen dem Publikum einen Eindruck davon vermitteln, wie sich die Menschen einmal fortbewegen werden. Dann schlägt die Stunde der Visionäre und Designer.

Eines haben fast alle Conceptcars dieser Internationalen Automobil Ausstellung (IAA) gemeinsam: Sie haben einen Elektroantrieb und sind als Vehikel für den Stadtverkehr konzipiert. Auch an Gewerbetreibende haben die Entwickler gedacht. So zeigt Renault mit dem Frendzy die Studie eines kleinen Allrounders, der zwei Fahrzeugkonzepte vereint: Als Stadtlieferwagen könnte er im Handwerk zum Einsatz kommen, andererseits eignet sich der Kompaktvan für Familie und Freizeit. Die Karosserie ist asymmetrisch konzipiert. Auf der rechten Seite verfügt der Frendzy über eine seitlich aufschwingende Tür für den Beifahrer und eine Schiebetür für die Fondpassagiere. Transportgut lässt sich auf diese Weise bequem einladen. Die Schiebetür ragt außerdem nicht auf den Bürgersteig und stört auch nicht an Laderampen. Der Verzicht auf die B-Säule in der Fahrzeugmitte vergrößert darüber hinaus den Zugang zum Innenraum.

Auf familiäre Bedürfnisse abgestimmt

Raffiniertes Detail: Statt eines Fensters ist ein 37-Zoll-Bildschirm eingepasst. Er dient als Kommunikationsfläche oder Werbeträger im gewerblichen Einsatz. Auf ihm können beispielsweise Kontaktdaten, Werbefilme oder kleine Präsentationen abgespielt werden. Darüber hinaus lassen sich der Ladestatus der Batterie und die verfügbare Reichweite auf dem Display ablesen. Die Fahrerseite verzichtet ebenfalls auf die Mittelsäule und ist mit zwei gegenläufig öffnenden Türen ausgestattet, die auf familiäre Bedürfnisse abgestimmt sind. Sie ermöglichen schnellen und bequemen Zugang zu allen Sitzplätzen.

Andere Conceptcars sind für den Transport von Waren oder Material gänzlich ungeeignet. Weil das Gewicht beim Elektroauto eine entscheidende Rolle spielt, reduzieren etwa Audi oder Opel die Zahl der Sitzplätze. Stattdessen finden nur zwei Passagiere Platz, die im Audi Urban Concept leicht versetzt nebeneinander und im Opel RAK e hintereinander sitzen. Beide Studien ähneln mehr einem überdachten Roller mit vier Rädern als einem Pkw in herkömmlichem Sinne. Vor allem Opel hat in diese Richtung gedacht. Normalerweise sei der Stadtflitzer RAK e, der zwei Drittel weniger wiegt als ein heutiger Kleinwagen, mit einer Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h sogar autobahntauglich. Eine auf 45 km/h gedrosselte Variante könnte dagegen schon von 16-Jährigen gefahren werden, zumal der RAK e so effizient produziert werden könne, dass er auch für jüngere Kunden erschwinglich wäre.