Reifenhandel gibt Gummi

Das Vulkaniseur-Handwerk freut sich über sehr gute Geschäfte im vergangenen Jahr. Nun gehen die Preise deutlich nach oben

Reifenhandel gibt Gummi

Unerwartet erfolgreich war das Jahr 2010 für die Reifenhändler. Nach vorläufigen Angaben rechnet der Bundesverband Reifenhandel und Vulkaniseur-Handwerk (BRV) mit einem Absatzplus bei Pkw-Reifen von rund 10,0 Prozent. Noch besser lief der Absatz von Nutzfahrzeugreifen, wo die Zuwachsraten zwischen 7,0 Prozent bei Reifen für Leicht-Lkws und sogar 33 Prozent bei Reifen für so genannte Erdbewegungsmaschinen lagen. Während sich bei den gewerblichen Fahrzeugen der wirtschaftliche Aufschwung positiv auf die Reifenbranche auswirkte, indem aufgeschobene Investitionen nachgeholt wurden, beflügelte im Pkw-Bereich die Novelle des Winterreifenparagrafen in der Straßenverkehrsordnung den Absatz. Bei Winterreifen fiel das Plus mit 12,8 Prozent wesentlich deutlicher aus als bei Sommerreifen (7,0 Prozent).

Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 51,8 Millionen Pkw-Reifen verkauft. BRV-Geschäftsführer Hans-Jürgen Drechsler will die Absatzsteigerung bei Winterreifen allerdings nicht vorrangig an der neuen Winterreifenpflicht festmachen. Es handele sich vielmehr um einen ganz normalen Ersatzbedarf für die im Rekordjahr 2006 gekauften Winterreifen. „Als der geänderte Paragraf Ende vergangenen Jahres in Kraft getreten ist, hatte die Mehrzahl der Verbraucher ihre Pkws bereits für den Winter umgerüstet“, sagte Drechsler. Ein kräftiges Plus verbuchte der Verband auch bei den Motorradreifen mit einem Absatzplus von 15 Prozent.

Kautschukpreis steigt

Unabhängig von der Nachfrage wird sich der Reifenpreis in den kommenden Monaten weiter erhöhen. Verantwortlich dafür sind nach Angaben des BVR die steigenden Rohstoffpreise für Kautschuk und Öl. Die Weltmarktpreise für Kautschuk könnten nach Angaben des BVR bis zum Jahresende um 25 Prozent steigen. Der Preis habe sich in den vergangenen zwei Jahren um das Doppelte auf 2.850 Euro pro Tonne verteuert, schreibt die Financial Times Deutschland. Anfang dieses Jahres sei er in Malaysia auf 4.000 Euro gestiegen. Wegen der längeren Lieferzeiten für Rohstoffe und einer Beschränkung der ursprünglich vereinbarten Liefermengen komme es außerdem zu einer Warenverknappung. Diese könne wiederum zu einer Verteuerung der Pneus führen. Der Verband empfiehlt daher, Reifen rechtzeitig zu bestellen.

Angesichts der Preisentwicklung bleibt der Verband in seiner Prognose für das laufende Jahr vorsichtig und rechnet laut erster Einschätzung mit deutlich geringeren Zuwächsen für das laufende Jahr (Pkw-Reifen +1,0 Prozent, Lkw-Reifen +3,0 Prozent). Das Reifenersatzgeschäft werde mittelfristig durch folgende Trends beeinflusst: längere Nutzung der Reifen bis zur gesetzlichen bzw. empfohlenen Mindestprofiltiefe (Sommerreifen 1,6 mm, Winterreifen 4mm), wenngleich eine Anhebung der gesetzlich festgelegten Mindestprofilgrenze für 2011 von Bundesverkehrsminister Ramsauer angedacht ist, sowie geringere Fahrleistungen pro Pkw, gepaart mit längeren Laufleistungen der Pkw-Reifen durch ständige Produktverbesserungen. dhz