Wichtigstes Transportmittel feiert Jubiläum 125 Jahre Benz – 125 Jahre Auto

Das Automobil wird 125 Jahre alt: Am 29. Januar 1886 meldete Carl Benz seinen dreirädrigen Motorwagen zum Patent an. Parallel zu Benz aus Mannheim entwickelte Gottlieb Daimler in Stuttgart das ersten vierrädrige Auto.

Der Motorwagen von Carl Benz steht im Deutschen Museum Verkehrszentrum in München. Der 29. Januar 1886 gilt als offizieller Geburtstag des Automobils: An diesem Tag meldete Carl Benz seinen dreirädrigen Motorwagen zum Patent an. Foto: dapd

125 Jahre Benz – 125 Jahre Auto

Allerdings war die Motorkutsche, wie die neuen Gefährte damals auch genannt wurden kein sofortiger Erfolg. In den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts wurde stattdessen das Fahrrad zum Massenverkehrsmittel der Arbeiter, die in die neuen Fabriken strömten. Autos waren der Oberschicht vorbehalten und dienten in den ersten Jahren eher dem Vergnügen, denn dem verlässlichen Transport.

In den ersten Jahren des Autos kam entscheidender technischer Fortschritt aus Deutschland: die Motoren von Nikolaus August Otto und Rudolf Diesel, das Auto selbst von Benz und Daimler, der Magnetzünder von Robert Bosch.

Durchbruch mit Fließbandarbeit in den USA

Der Durchbruch zum Auto als Massenverkehrsmittel, wie wir ihn heute kennen, kam aber aus den USA: Henry Ford führte nach 1910 in seiner Heimat Detroit die Fließbandmontage im großen Stil ein. Vorher wurden Autos per Hand montiert. Ford entdeckte den Zauber der Skaleneffekte, wie die Automanager heutzutage den Vorteil der Massenproduktion nennen: Je mehr Stück von einem Produkt hergestellt werden, desto billiger wird das einzelne Exemplar. Das "Model T" von Ford wurde das erste Massenmodell auf den Straßen. Mit einer klugen Preispolitik und hohen Löhnen sorgte Henry Ford weiter dafür, dass auch Arbeiter sich Autos leisten konnten.

Die moderne arbeitsteilige Welt mit Büros und Fabriken fern der Wohnbezirke war wie gemacht für den Siegeszug der Autos: Der Wissenschaftler Hermann Knoflacher schreibt: "Der Mensch hat mit der Wunderdroge Auto die Grenzen seiner physiologischen Evolution sprunghaft überstiegen. Der mühsame aufrechte Gang, der uns zu Geschwindigkleiten von 1 bis 4 km/h oder schon recht unbequemen 5 bis 6 km/h gebracht hat, wird durch das bequeme Sitzen im Auto um das Vielfache beschleunigt". Die Arbeitnehmer kamen entspannt bei der Firma an, das Fahrrad als Massenverkehrsmittel hatte ausgedient.

Das Auto entwickelte sich schnell weiter, viele Hersteller lieferten Beiträge: Das Bauprinzip "Motor vorne, Endantrieb auf die Hinterräder" setzte sich nach 1900 durch, auch die Bequemlichkeit der Fahrgäste wurde immer besser. Daimler-Benz setzte stark auf das Thema Sicherheit: 1951 die Knautschzone, 1981 den Airbag. Volkswagen brachte mit dem Käfer und dem Golf die klassenlose Massenmobilität nach Deutschland, Citroen führte die weiche Öl-Federung ein, Toyota den alltagstauglichen Stromantrieb im Prius.

Heute fahren weltweit mehr als eine Milliarde Auto und viele Hersteller planen für 2011 Produktionsrekorde. Dem Segen des schnellen individuellen Transports stehen aber inzwischen viele Probleme gegenüber: Zehntausende Verkehrstote jedes Jahr, Umweltverschmutzung, Lärm. Im Öko-Lager wird längst der Abschied von der Motordroschke gefordert. "Langsam, langsam", mahnt der Duisburger Professor und Autospezialist Ferdinand Dudenhöffer, wenn er Szenarien vom Ende des Autos hört: "Das Auto hat sich wie in einer Metamorphose immer wieder neuen Bedingungen angepasst", sagt er. "1974 in Ökrise lag der Verbrauch bei 13, 14 Litern Benzin. Heute sind es sieben bis acht Und die Forscher sind dabei, das Auto ganz CO2-frei zu machen", kündigt Dudenhöffer an.

Den größten Anpassungsbedarf des Autos sieht Dudenhöffer in den Mega-Metropolen: "Es fehlt der Platz für Autos, die nur eine Stunde am Tag fahren, aber 23 Stunden lang einen Parkplatz brauchen." Schon verbannen in China erste Städte die Hälfte aller Wagen an manchen Tagen aus den Städten. "Das Auto wird sich aber auch hieran anpassen. Die vernetzte Mobilität wird Leihwagen mit sich bringen, die an jeder Ecke stehen und problemlos ausgeliehen werden können, wie heute schon Leihfahrräder", sagt er.

Getestet werden solche Projekte schon, etwa in Ulm, Austin/Texas, bald in Paris und Hamburg. Die Zukunft des Autos hat begonnen.

dapd