Abwrackprämie Frau wrackt ab

Die Abwrackprämie macht's möglich: Plötzlich interessieren sich auch Frauen für Autos. Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer spricht sogar von einem "Frauen-Wunder".

Frau wrackt ab

Der Automarkt ist ein Männermarkt. Doch "seit Februar dieses Jahres erleben wir hier ein kleines Frauen-Wunder", hat Dudenhöffer, Leiter des Center Automotive Research an der Universität Duisburg-Essen, beobachtet und nennt Zahlen. So stieg im Februar der Frauenanteil unter den Neuwagenkäufern von 32 Prozent im Vorjahresmonat auf 39 Prozent, im März von 32 auf 40 Prozent.

Damit war er so hoch wie nie zuvor. Zwar wurde die Frauen-Quote im April und Mai nicht nochmals getoppt, aber mit jeweils 39 Prozent zählten diese beiden Monate ebenfalls zu den besten Frauen-Monaten der Autonation Deutschland. Alles in allem, resümiert Marktbeobachter Dudenhöffer: "Das Autojahr 2009 wird als Autojahr mit dem höchsten Frauenanteil in die Geschichte des deutschen Automarkts eingehen."

In Deutschland leben 82 Millionen Menschen. 51 Prozent oder 42 Millionen davon sind Frauen. Schaut man auf den Automarkt, gilt diese Gleichverteilung der Geschlechter nicht. So sind in Deutschland unter den 41,2 Millionen Führerscheinbesitzern nur 35 Prozent Frauen.

Kleinwagenmarkt ist Frauenmarkt

Was für die Aufteilung der Führerscheine zwischen Mann und Frau gilt, kann auf den Neuwagenverkauf übertragen werden. Seit Bestehen der Bundesrepublik ist der Markt für Neuwagen ein Männermarkt. Erst in den vergangenen Jahren hat die Frauenquote im Neuwagenmarkt die 30-Prozent-Marke überschritten. "Der Grund für das plötzliche Ansteigen der Frauenquote ist die Abwrackprämie", erläutert Dudenhöffer die Marktentwicklung. Diese wirke besonders auf dem Kleinwagenmarkt und da seien Frauen stärker vertreten als Männer.

Wie stark der Automarkt mit der Abwrackprämie durch die Frauen in Bewegung gekommen ist, zeigt ein Vergleich der absoluten Zulassungszahlen der ersten fünf Monate dieses Jahres gegenüber dem Vorjahr. Danach stiegen zwischen Januar und Mai die Neuwagen-Zulassungen auf Frauen um 234.148 Pkw oder 138 Prozent. Bei den Männern betrug die prozentuale Steigerung lediglich 74 Prozent und bei den gewerblichen Zulassungen musste gar ein Rückgang von 25 Prozent hingenommen werden. "Die Frauen sprechen also auf die Abwrackprämie doppelt so stark an wie Männer", zieht Dudenhöffer seine Bilanz.

Die Feinheiten der Dudenhöffer'sche Analyse zeigen, dass insbesondere Frauen in der Altersklasse von 45 und 59 Jahren Nutzerinnen der Abwrackprämie sind. So nahm der Anteil der Frauen unter den privaten Neuwagenkäufern in der Altersklasse 45 bis 49 Jahre um 1,4 Prozentpunkte auf 6,2 Prozent zu. "Das ist schon ein sehr enormer Zuwachs", kommentiert der Branchenbeobachter. Frauen unter 24 Jahren nutzten die Abwrackprämie nicht überproportional.

Nissan Gewinner bei weiblichen Fahrern

Die größten Steigerungen bei den Frauenanteilen erzielten dabei überwiegend jene Marken, die stärker bei kostengünstigeren Fahrzeugen und Kleinwagen auftrumpfen können. So steigerte beispielsweise Nissan in den ersten fünf Monaten seinen Anteil an weiblichen Fahrern um 11,2 Prozentpunkte auf 41,6 Prozent. Prämiengewinner sind zudem Alfa Romeo, Chevrolet, Ford, Kia, Toyota und Hyundai. Bei Alfa-Romeo-Fahrern ist die Steigerung des Frauenanteils auch durch den neuen Kleinwagen MiTo begründet.

Das klassische Frauenauto ist allerdings der Mini. 51,8 Prozent aller Minis wurden in den ersten fünf Monaten des laufenden Jahres auf Frauen zugelassen. Das schaffte keine andere Marke. "Trotzdem profitierten die Minis von der Abwrackprämie deutlich weniger als etwa Hyundai", erklärt Dudenhöffer anhand der Zulassungsstatistik. Bei den Minis gebe es eher einen "Schnäppchen-Jäger-Effekt" dank der Abwrackprämie. Dudenhöffer: "Der Mini ist einfach zu teuer, so dass 2.500 Euro Prämie ein überschaubarer Preisvorteil bleibt. Zusätzlich gilt, dass Mini-Käuferinnen eher mit besseren Monatseinkommen und jüngeren Autos unterwegs sind und entsprechend kaum Möglichkeiten vorliegen, wirklich abzuwracken."

Norbert Michulsky/ddp