DHZ-Leserforum: Die bayrische Landeshauptstadt sucht nach einer Lösung für Kfz-Betriebe in der Innenstadt. Von Ulrich Steudel

Aufatmen in der Umweltzone
Die Kfz-Werkstätten in der Münchener Innenstadt dürfen hoffen, künftig einfacher an Ausnahmegenehmigungen zum Befahren der Umweltzone zu kommen. Auf Anfrage der Deutschen Handwerks Zeitung bestätigte Brigitte Kauer vom zuständigen Kreisverwaltungsreferat, dass ein entsprechendes Verfahren erarbeitet werde. Danach müsse allerdings der Stadtrat noch zustimmen.
Im Oktober 2008 hatte die bayrische Landeshauptstadt das Gebiet innerhalb des Mittleren Rings der Hauptverkehrsader Münchens, die quasi die Innenstadt umrundet als Umweltzone ausgewiesen. Damit dürfen nur noch Fahrzeuge mit Umweltplakette (rot, gelb oder grün) in dieses Areal einfahren. Seit Januar werden von der kommunalen Verkehrsüberwachung und der Polizei Verstöße gegen das Fahrverbot geahndet. Eines der ersten Opfer war Kfz-Meister Peter Sommerer, der bei einer Fahrzeugüberführung mit dem Wagen eines Kunden in der Umweltzone ohne Plakette erwischt worden war. 40 Euro Bußgeld plus 23,50 Euro Auslagen der Behörde und ein Punkt in der Verkehrssünderkartei hat ihn das gekostet. Dabei wollte er den Wagen ja gerade umrüsten, damit dieser auch eine Plakette bekommt. "Wenn das so weitergeht, ist mein Punktekonto in Flensburg bald voll", klagte der Kfz-Meister im DHZ -Leserforum.
Viele Handwerksunternehmen sind von der Umweltzone betroffen, besonders hart jene Kfz-Betriebe, die innerhalb der Sperrzone liegen. Wie der von Peter Sommerer, der zusammen mit seinem Sohn und seinem Vater in der Pütrichstraße eine kleine Werkstatt betreibt.
Der Volksmund würde Peter Sommerer als typischen Schrauber bezeichnen. Und so sieht sich der Kfz-Meister wohl auch selbst. Denn Kunden mit relativ neuen Autos finden selten den Weg in seine Werkstatt. Für die routinemäßige Durchsicht, verbunden mit dem Stempel im Serviceheft, steuern die Fahrer lieber die markengebundenen Autohäuser an. Zu Peter Sommerer werden die betagteren Modelle zur Reparatur gebracht, hier wollen Autofahrer ihren Wagen durch die nächste Hauptuntersuchung retten oder eben für die Umweltzone fit machen.
Umweltzonen sind Teil eines Luftreinhalte- und Aktionsplans, mit dem Städte wie München die Feinstaubbelastung der Luft reduzieren möchten, um die von der EU festgelegten Grenzwerte einzuhalten.
Dieses Ziel wird von der Handwerkskammer für München und Oberbayern prinzipiell unterstützt. Trotzdem mahnte die Kammer im Vorfeld die richtige "Verhältnismäßigkeit der Mittel" an und forderte einfache und praktikable Ausnahmegenehmigungen sowie Härtefallregelungen nach dem Vorbild der Stadt Köln. Doch anders als die Rheinmetropole zeigte sich München zunächst relativ unnachgiebig. Nun scheint sich aber zumindest für die betroffenen Kfz-Werkstätten die Lage zu entspannen.
Unterdessen droht dem Münchner Handwerk neues Ungemach. Denn schon in diesem Frühjahr will der Stadtrat eine weitere Verschärfung der Fahrverbote in der Umweltzone beschließen. Geplant ist, dass bereits ab nächstem Jahr auch Fahrzeuge mit roter Plakette ausgesperrt werden. Ab 2012 sollen sogar Fahrzeuge mit gelber Plakette nicht mehr in die Umweltzone fahren dürfen. Damit würde die Zahl der betroffenen Betriebe sprunghaft steigen, weil besonders viele Transporter nur die rote oder gelbe Plakette haben.