Der deutsche Pkw-Markt kommt nicht auf Touren. Rasant empor schnellende Kraftstoffpreise und Unsicherheit über den weiteren Autokosten-Anstieg drohen eine leichte Stabilisierung zum Halbjahresende auszubremsen.
Pkw-Markt trotz leichter Besserung mit Bremsspuren
Ein Plus bei den Neuzulassungen im ersten Halbjahr um 3,6 Prozent auf 1,63 Millionen gegenüber den ersten sechs Monaten 2007 und Exportbestwerte der heimischen Hersteller können nicht darüber hinwegtäuschen, dass im Inland die Talsohle noch lange nicht verlassen ist. Den Halbjahreswert von 1,58 Millionen Pkw 2007 – dem schwächsten Zulassungsjahr seit der deutschen Einheit – zu übertreffen, ist kein Ruhmesblatt – denn ansonsten sind die aktuellen Sechsmonatszahlen die niedrigsten seit 2000.
In der Haupturlaubszeit bis Ende August sind zudem wie alljährlich schwächere Zuwachsraten zu erwarten. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) prognostiziert für das Gesamtjahr weiterhin rund 3,2 Millionen Pkw-Neuzulassungen. Damit bliebe der Wert deutlich unter den Ergebnissen von 2005 und 2006 (3,34 Millionen und 3,47 Millionen).
VW, BMW und Mercedes verzeichnen mehr Zulassungen
Der Inlandsabsatz der deutschen Hersteller, die im ersten Halbjahr knapp 64 Prozent des Pkw-Marktes abdeckten, entwickelte sich recht unterschiedlich: Die Marke Volkswagen und der BMW-Konzern steigerten nach jüngsten Daten des Kraftfahrt-Bundesamtes ihre Zulassungen um je 6,2 Prozent zum Vorjahr. Mercedes verbesserte sich um 4,3 Prozent, Ford um 3,9 Prozent. Audi büßte 1,2 Prozent ein. Opel und Porsche verbuchten deutliche Rückgänge von 6,5 und 6,7 Prozent.
In der Marken-Wertung führt VW nach sechs Monaten klar mit 319.301 Neuzulassungen vor Mercedes (172.911). Dahinter folgt mit BMW ein weiterer Premiumanbieter (149.957) vor Opel (144.200). Auch die VW-Konzerntochter Audi (123.393) rangiert trotz leichter Einbußen noch vor dem Kölner Volumenhersteller Ford (107.295).
Absatzstärkster Importeur ist einmal mehr Renault. Zusammen mit der rumänischen Tochter Dacia steigerte der französische Konzern die Zulassungen um 15,1 Prozent auf 78.550 Wagen. Die tschechische VW-Tochter Skoda festigte mit 3,8 Prozent Plus (64.589 Zulassungen) ihren zweiten Rang bei den ausländischen Marken, während Toyota/Lexus herbe Verluste von 19,5 Prozent (55.154 Neuanmeldungen) erlitten. Peugeot (+10,5 Prozent auf 51.562 Fahrzeuge) und Fiat (+32 Prozent auf 49.533 Wagen) sind schon auf Sichtweite herangekommen.
Trend geht zu verbrauchsärmeren Kleinwagen
Angesichts steigender Sprit- und Autokosten wächst vor allem bei privaten Käufern der Trend zu preisgünstigen und verbrauchsärmeren Kleinwagen. Der Verbrauch sei mittlerweile auf Rang drei der wichtigsten Kaufkriterien nach Anschaffungspreis und Qualität der Fahrzeuge aufgerückt, konstatierte VDA-Chef Matthias Wissmann.
Der Anteil privater Käufer am Pkw-Absatz stieg von gut 39 Prozent im ersten Quartal leicht auf 41,4 Prozent an. Der Dieselanteil neuer Pkw sank zugleich, offenbar ebenfalls Folge der gestiegenen Tankkosten, auf 42,6 Prozent (Mai: 41,3).
Den stärksten Absatzzuwachs bei den einzelnen Pkw-Klassen erzielten die Minis. Deren Zulassungen wuchsen vor allem durch steigende Verkäufe des smart (+51,9 Prozent) und des neuen Renault Twingo (+264,2 Prozent) um 26,8 Prozent auf 91.363 an.
Die Kleinwagen legten nur leicht um 0,7 Prozent (246 642) zu, während die Kompaktklasse mit dem Bestseller VW Golf ihre Vorrangstellung um 9,5 Prozent auf 442.479 Neuzulassungen ausbaute. Während auch Geländewagen (+5,0) und Mehrzweck-Fahrzeuge (+5,5) zulegten, ging der Absatz von Vans insgesamt um 4,1 Prozent zurück. Die Nachfrage nach Pkw der Oberen Mittelklasse sank um 10,6 Prozent, bei Sportwagen um 14,2 Prozent.
In den Top Ten der Pkw-Zulassungen dominieren hinter dem weiter enteilenden VW Golf (124.641) trotz höherer Kosten leistungsstarke und komfortable Mittelklasse-Modelle: die neue Mercedes C-Klasse (+51 Prozent), VW Passat, Audi A4 und BMW 3er (zwischen 51.295 und 45.428 Neuanmeldungen). Der Opel Astra hält noch Platz sechs vor dem BMW 1er, der auf der Überholspur (+93,2 Prozent) heranprescht.
Die beliebtesten Kleinwagen sind VW Polo und Opel Corsa mit Rang 8 und 9. Ford schickt sich mit dem neuen Focus (+6,8 Prozent auf 31.212 Zulassungen) an, die Mercedes A-Klasse aus den Top Ten zu verdrängen. Audi A3 und VW Touran hat er bereits hinter sich gelassen. Die Liste der meistgefragten Importmodelle führen Skoda Fabia (28.994) und Peugeot 207 (26.014) an.
Peter Wilhelm/ddp
