An Transportern der Baujahre 2000 bis 2006 drohen Reifenausfälle, weil hinten Lastreserve fehlt. Von Elisabeth Göpel
Gefährliches Manko
Transporter bis 3,5 t zulässigem Gesamtgewicht sind besonders stark von Reifenausfällen bedroht. Fehlende Lastreserven an der Hinterachse sind laut DEKRA der Grund dafür, dass Reifen häufiger platzen, als es normal wäre. Betroffen sind nach Angaben der Reifenexperten rund die Hälfte der Fahrzeuge aller gängigen Modelle, die zwischen 2000 bis 2006 hergestellt wurden.
Bei jedem zweiten Transporter dieser Jahrgänge sei eine Lastreserve schlichtweg nicht vorhanden. Das bedeutet: Die zulässige Achslast stimmt annähernd mit dem Lastindex der Hinterachsbereifung überein. Die Folge: Bereits ein geringfügig zu niedriger Reifendruck verursacht eine Überladung der Hinterachse. Der Reifen wird zu heiß, das Unfallrisiko steigt. Berechnungen der DEKRA zeigen: Im Vergleich zur durchschnittlichen Anzahl der Reifenplatzer bei Pkws ist die Unfallhäufigkeit bei diesen Transportern etwa doppelt so hoch.
Der Lastindex ist auf dem Reifen aufgeprägt und gibt die maximale Belastung bezogen auf die Bereifung vor. Über eine Tabelle (erhältlich beim Reifenhändler) kann die maximale Tragfähigkeit in Kilogramm abgelesen werden. Ein Lastindex von 102 entspricht zum Beispiel einer maximalen Reifenbelastung von 850 kg. Die richtige Bereifung bestimmt man, indem man den Tragfähigkeitsindex mal zwei nimmt. Das Ergebnis sollte dann mindestens 150 bis 180 kg mehr sein, als die im Fahrzeugschein eingetragene zulässige Achslast.
Wer einen Transporter der Jahrgänge 2000 bis 2006 besitzt, dem empfiehlt Franz Nowakowski, Reifenfachmann der DEKRA, die Transporterreifen auszutauschen, um die Tragfähigkeit zu erhöhen. Vorher müsse aber geprüft werden, ob der Wechsel auf eine Alternativgröße technisch möglich ist. Dazu können Händler oder Werkstatt beraten.
Gummiventile bei Transporterreifen können die Gefahr zusätzlich verschärfen. Die immer höheren Maximalgeschwindigkeiten der 3,5-Tonner beanspruchen den Ventilschaft derart stark, dass der Ventilfuß einreißen kann. Wenn das passiert, wird der Reifen undicht. Statt Gummiventilen sollten deshalb nach Möglichkeit lieber Metallschraubventile oder verstärkte Ventile eingesetzt werden, so der Tipp des Experten.
Rund die Hälfte aller Reifenausfälle ist auf mangelnde Wartung und Pflege zurückzuführen. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte deshalb Überlast vermeiden, die Last im Innenraum gleichmäßig verteilen und regelmäßig den Reifendruck kontrollieren. Regelmäßig heißt: Alle zwei Wochen oder vor Antritt einer längeren Reise den Luftdruck messen, empfiehlt Nowakowski. Diese Faustregel gelte genauso für Reifen mit Stickstofffüllung. Der DEKRA -Experte rät, dabei auch die Laufflächen auf Vorschäden zu prüfen. Besondere Vorsicht ist bei runderneuerten Reifen geboten: Eine Auswertung von Unfällen der letzten zehn Jahre zeigte, dass es bei diesen Reifen häufiger Defekte gibt.