DVB-T2 Neuer TV-Standard bringt Handwerk Aufträge

DVB-T2 heißt der neue Standard für digitales Antennenfernsehen. Das Elektrohandwerk freut sich über das Zusatzgeschäft beim Austausch von Altgeräten. Wer wirklich alle DVB-T2-Sender empfangen will, muss weitere Kosten einplanen.

Steffen Guthardt

Wer einen Fernseher mit integriertem DVB-T2-Empfänger kauft, kann auf einen zusätzlichen Receiver verzichten. - © Gundolf Renze/Fotolia.com

Von einem "neuen Kapitel in der TV-Geschichte unseres Landes" spricht der Serviceprovider Media Broadcast vollmundig. Gemeint ist die Umstellung des digitalen Antennenfernsehens von DVB-T auf DVB-T2, die nach einem Testlauf 2016 seit dem 29. März dieses Jahres in vielen Ballungsgebieten in Deutschland stattfindet und 2019 abgeschlossen sein soll. Media Broadcast betreibt die DVB-T2-Plattform freenet TV, mit deren Hilfe die deutschen Privatsender RTL & Co. ein kostenpflichtiges Fernsehprogramm in HD vermarkten wollen.

Nur ein Bruchteil betroffen

Die Zahl der Haushalte in Deutschland, die bisher Fernsehen in DVB-T empfangen haben und von der Umstellung betroffen sind, ist allerdings relativ gering. Laut dem Digitalisierungsbericht der Landesmedienanstalten empfangen etwa 3,4 Millionen der rund 39 Millionen TV-Haushalte in Deutschland Fernsehen via DVB-T. Der Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationshandwerke (ZVEH) spricht gar nur von drei Prozent der Haushalte.

Trotzdem profitieren die Handwerksbetriebe von der Umstellung: "DVB-T2 wird derzeit in den Medien massiv beworben. Es gibt einige Kunden, die sich von den Fachbetrieben beraten lassen, was nun zu tun ist", sagt Johann Peter Pfeifer, Vorsitzender des Bereichs IT im Fachbereich Technik des ZVEH.

Ein Zusatzgeschäft ergibt sich für das Elektrohandwerk durch Austausch und Installation der Empfangsgeräte. Denn die meisten der alten DVB-T-Empfänger unterstützten den neuen Fernsehstandard nicht.

Beim Kauf auf Logo achten

Am kostengünstigsten ist der Empfang von DVB-T2 über eine Settop-Box möglich, die mit dem grünen Logo "DVB-T2 HD" versehen ist. Solche Boxen gibt es von diversen Anbietern im Handel für Preise von rund 30 bis 150 Euro.

Wer möglichst wenige Geräte Zuhause rumstehen haben möchte, kann alternativ zu einem Fernseher mit integriertem DVB-T2-Receiver greifen. Hier kostet die Anschaffung je nach Gerät dann aber gleich viele hundert oder über tausend Euro.

Ob nur ein neuer Receiver oder ein neues TV-Gerät – "unter dem Strich können wir von einem leichten Umsatzplus durch die Umstellung ausgehen. Ob es einen nachhaltigen Effekt gibt, lässt sich derzeit noch nicht abschätzen", sagt ZVEH-Vertreter Pfeifer.

Wer glaubt, mit dem richtigen Empfangsgerät allein künftig unbegrenzt die rund 40 DVB-T2-Sender in HD empfangen zu können, der irrt. Während die öffentlich-rechtlichen Sender ARD, ZDF und deren dritte Programme kostenfrei bleiben (abgesehen vom schon bisher fälligen Rundfunkbeitrag), sind Privatsender wie RTL, Sat.1 und ProSieben nur gegen eine zusätzliche Gebühr zu empfangen.

Nur wer zahlt, sieht weiter

Nach einer dreimonatigen Übergangsphase fallen ab dem 1. Juli 2017 pro Monat 5,75 Euro an, sonst bleiben die Kanäle schwarz. Zusätzlich wird zum Empfang der Privatsender in HD ein so genanntes CI+-Modul oder ein Receiver mit freenet-TV-Logo benötigt.

Bisher ist noch nicht abzusehen, wie viele der bisherigen DVB-T-Haushalte die doch recht aufwendige Umstellung auf DVB-T2 mitmachen werden. Schließlich gibt es für das Fernsehvergnügen inzwischen diverse Alternativen auf dem Markt. Neben dem klassischen Kabel- und Satelliten-TV buhlen IPTV-Angebote und Streaming-Dienste um die ­Kunden.