Smart Home IFA 2014: Smarthome-Steuerung

Die Vernetzung im Haushalt schreitet voran – ob Solaranlage mit Waschmaschine, Kühlschrank mit dem Internet oder Smartphone mit dem Lichtschalter. Doch ein Smarthome bedarf einer intelligenten Steuerung. Die Elektroverbände zeigen auf der IFA anhand des E-Hauses, was heute schon möglich ist und woran noch gearbeitet werden muss.

Jana Tashina Wörrle

Das E-Haus auf der Ifa 2014: die Elektroverbände zeigen hier, was bei der intelligenten Vernetzung in Haushalten heute schon möglich ist. - © Foto: ZVEI

Ein Smarthome steht hoch im Kurs: Wenn die Sonne scheint und die Solarzellen auf den Dächern diese Energie einfangen, springt in manch einem Waschkeller automatisch die Waschmaschine an. Wenn der Wind weht und ein kleines Windrad im Vorgarten antreibt, kann in der Garage das Elektroauto seine Batterien aufladen. Solche und ähnliche Szenarien sind schon länger Teil der Zukunftsvisionen von Herstellern, die Produkte inklusive intelligenter Vernetzung und Steuerung anbieten. Diese sollen unsere Haushalte energieeffizienter machen.

Viele einzelne Steuerelemente sind nötig, um die Technik eines ganzen Haus miteinander zu vernetzen. - © Foto: Wörrle

Wenn selbst erzeugter Strom aus erneuerbaren Energien vorhanden ist, soll er auch genutzt und bestenfalls sogar gespeichert werden können. Das "Smarthome" oder gar ganze "Smart Cities" wären möglich, wenn wir den Energieverbrauch besser an die Zeiten anpassen würden,  in denen viel Energie vorhanden ist und gleich genutzt werden kann. Voraussetzung dafür ist allerdings eine Vernetzung der einzelnen Geräte sowie eine automatische Smarthome-Steuerung .

Vieles ist schon heute möglich und Schritt für Schritt wird die Technik besser und zuverlässiger. War das Thema Vernetzung bereits ein Schwerpunkt auf der Internationalen Funkausstellung im vergangenen Jahr, so steht es 2014 ganz klar im Mittelpunkt – und mit ihm das E-Haus der deutschen Elektroverbände, darunter der Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH).

Kompatibilität der Smart-Komponenten noch mangelhaft

Das E-Haus ist ein Prototyp und wird so wohl nie gebaut werden. Beeindruckend ist es dennoch, denn es zeigt, wie weit die smarte Technik heute schon ist. Fast alles, was im E-Haus zu sehen und auszuprobieren ist, ist bereits auf dem Markt. Die Zukunftsvisionen werden langsam zur Realität – wenn auch viele Techniken noch sehr teuer sind und es mit den Produkten verschiedener Hersteller noch in der Kompatibilität miteinander mangelt. Die Hersteller versichern jedoch, dass es nur noch eine Frage der Zeit sei, bis die letzten Probleme gelöst werden.

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Eingangsbereich des Smarthomes

Nun zum Smarthome: An der Eingangstür geht die Vernetzung los. Wenn es klingelt, braucht der Hausherr nur einen Blick auf sein Smartphone zu werfen. Eine Kamera filmt den Eingang und überträgt das Bild auf das Handy. Öffnen kann er die Tür natürlich auch mit einem Klick auf die zur Anlage gehörigen App.

Smarte Küche

Auf dem Bildschirm den Kühlschrankinhalt kontrollieren. Kameras im Kühlschrank machen es möglich. - © Foto: ZVEH

Weiter geht es in die Küche und auch hier spielt wie in allen anderen Räumen das Smartphone oder Tablet eine zentrale Rolle. Es kann als Steuerung für alle angeschlossenen Geräte verwendet werden. Zwar haben die Hersteller der Küchengeräte die herkömmlichen Knöpfe und Rädchen nicht abgeschafft, über den Touchscreen geht es allerdings bequemer. So kann man beispielsweise den Backofen vom Sofa aus regulieren, man kann die Spülmaschine an- und abschalten oder nachsehen, was alles noch im Kühlschrank ist – er Kühlschrank hat mehrere Kameras integriert, die sich per WLAN ansteuern lassen.

Aber das ist nicht alles, denn die Elektrogeräte lassen sich auch von außerhalb des E-Hauses bedienen und da man dabei sowieso online ist, bekommt man automatisch zusätzliche Informationen: wie viel Energie wird gerade verbraucht? Muss ich bald den Klarspüler in der Spülmaschine nachfüllen? Und was muss ich einkaufen? Ein Blick in den Kühlschrank, während man eigentlich vor dem Supermarktregal steht, ist kein Problem.

Wohnzimmer per Smartphone steuern

Dann das Wohnzimmer: Hier spielt der Wohnkomfort die größte Rolle. LED-Leuchten an der Decke, die möglichst wenig Strom verbrauchen, lassen sich dimmen und in verschieden farbiges Licht verändern. Stereoanlagen, Fernseher, Jalousien, Heizung und Lüftung – alles ist an die smarte Steuerung angeschlossen und lässt sich über ein Gerät regeln. Zusätzlich gibt es dafür in jedem Raum einen kleinen Touchscreen an der Wand, der die verschiedenen anwählbaren Funktionen anzeigt – inklusive des aktuellen Stromverbrauchs und der Kosten.

Fenster fernsteuern

Etwas unheimlich wird es, wenn man sich die Fenster anschaut, denn auch diese lassen sich einerseits fernsteuern, so dass man von unterwegs nachsehen kann, ob sie auch wirklich geschlossen sind. Zusätzlich haben sie aber auch noch einen CO2-Sensor, der misst, wann man mal wieder lüften sollte. Bei zu schlechter Luft veranlasst er das automatisch.

Blick ins E-Haus. - © Foto: ZVEH

Smarthome für Senioren

Das Schlafzimmer wurde auf dem Messestand als Zimmer einer älteren Person dargestellt. Damit wurde das Thema des demografischen Wandels aufgegriffen. Denn die "intelligente" und vernetzte Technik soll es älteren Menschen auch ermöglichen, länger in den eigenen vier Wänden zu leben. Die Steuerung dafür ist diesmal kein kleines Smartphone, sondern ein relativ großes Tablet mit großen Symbolen darauf. Auch hier kann man Heizung, Lüftung, Licht und den Blick auf die Haustür ganz einfach regeln.

Zusätzlich gibt es Kameras im Raum und Sensoren, die messen, ob eine Person zu einer bestimmten Zeit in Bewegung ist – zum Beispiel wenn sie morgens aufsteht – oder nicht. Stimmt etwas nicht, wird automatisch ein Alarm ausgelöst. Dasselbe geschieht, wenn die Person fällt und nicht mehr aufsteht. Das ermöglicht ein Teppich im mit Sensoren, der die Erschütterungen misst.

Dezentrale Energieerzeugung benötigt Speicher

Das Zentrum des E-Hauses befindet sich in einem Raum, in dem die Kabel, Schaltungen und Verknüpfungen zusammenlaufen, die es möglich machen, dass man ein ganzes Haus nur über ein Smartphone regeln kann. Hier befinden sich auch die Batterien, die den Strom speichern sollen, der gerade nicht verbraucht wird. Zwar kann auch das Elektroauto, das vor der Tür steht, als Zwischenspeicher dienen. Für eine komplett dezentrale Energieerzeugung – wie es im Optimalfall mit dem E-Haus möglich wäre – braucht man zusätzlichen Speicherplatz.

Das E-Haus-Modell besitzt sowohl eine klassische Solaranlage und ein kleines Windrad zur Stromerzeugung als auch eine Solarthermieanlage für das warme Wasser und die Heizung und eine Brennstoffzelle im Keller. Um alles effektiv nutzen zu können, sind Stromspeicher unumgänglich. Doch genau diese sind es auch, die den Optimalfall noch immer schwer realisierbar machen. Stromspeicher sind noch immer sehr teuer.

Dazu kommt die Frage nach der Sicherheit. Der Nutzer kann die smarte Technik zwar zur Überwachung seines eigenen Hauses nutzen. Doch da alles über das Internet läuft, ist auch immer die Frage, ob sich nicht auch andere Zugriff verschaffen können.

Servicetechnik: Zugriff über WLAN

Smart Home: Lüftung, Heizung, Musik, Licht und vieles mehr lässt sich nur mit dem Tablet oder Smartphone bedienen. - © Foto: Wörrle

"Ein Smart Home ist kein Smartphone, das immer automatisch online ist", sagt Johann Peter Pfeifer vom ZVEH dazu. Er ist der Sprecher im Bereich Informationstechnik des Verbands und erklärt den Messebesuchern, diese Seite des E-Hauses. Er plädiert dafür, die Funktionen bewusst zu nutzen und die Verbindung mit der intelligenten Steuerung nicht dauerhaft übers Netz angeschaltet zu lassen.

Seiner Meinung nach wird die Vernetzung künftig weiter zunehmen und die Technik wird noch besser und sicherer werden. Wer heute neu baue und komplett neue Geräte kaufe, bekomme automatisch die smarte Technik angeboten. "Bald wird das genauso Standard sein, wie elektrische Fensterheber, über die sich ja auch keiner mehr wundert", sagt er.

Genauso werden sich auch die Arbeiten der Elektriker und Informationstechniker verändern. Die Branche stelle sich mit Fortbildungen und bei der Ausbildung bereits darauf ein. Künftig könnte sich die Vernetzung auch bei den Servicetechnikern vorteilhaft zeigen, wenn diese im ersten Schritt von außen Zugriff auf die Geräte bekommen.

Mehr zu den Trends der Technik, die auf der IFA 2014 gezeigt werden, gibt es hier.>>>