Die deutsche Wirtschaft klagt über das zu langsame Internet. Auch viele Handwerksbetriebe haben darunter zu leiden. Daher pocht das Handwerk auf den schnelleren Netzausbau und findet deutliche Worte.

Langsame Internetanschlüsse sind nicht nur ein Problem der Großindustrie. Auch kleine und mittlere Handwerksbetriebe haben damit zu kämpfen. Rund jeder zehnte Handwerksbetrieb klagt über einen viel zu langsamen Internetanschluss. Darüber hinaus fühlt sich jeder fünfte Betrieb durch das Fehlen des schnelleren Netzes nicht gerüstet.
Digitalisierung im Handwerk stockt
Zu diesem Ergebnis kommt eine Umfrage des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH). ZDH-Generalsekretär, Holger Schwannecke, betont gegenüber der Nachrichtenagentur dpa: "Es ist richtig und dringender denn je, dass die Bundesregierung jetzt das Thema Digitalisierung und digitale Infrastruktur angeht."
An diesem Mittwoch will sich das Bundeskabinett mit dem Thema Digitale Infrastruktur befassen. Im Anschluss an die Gespräche wollen Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD), Innenminister Thomas de Maizière (CDU) und Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) eine "Digitale Agenda" der Bundesregierung vorstellen.
Schwannecke kritisiert, dass die Digitalisierung im Handwerk sowie der Austausch der Betriebe im Internet stocke, da die Infrastruktur in Deutschland löchrig sei. Bau- und Ausbaugewerbe, Kfz-Handwerk oder die global tätigen gewerblichen Zulieferer seien auf schnelle und belastbare Internetverbindungen mit schnellem Up- und Download auch großer Datenmengen angewiesen. Laut Angaben vom ZDH klagen hier bis zu 33 Prozent der Betriebe aus diesen Gruppen über die zu geringe Geschwindigkeit ihres Internetanschlusses.
Mittelstand stärker berücksichtigen
Wettbewerbsintensive Betriebe dürften wegen des schleppenden Ausbaus eines schnellen Netzes nicht vom Wachstum ausgeschlossen werden." Mehr als 50.000 Handwerksbetriebe, gerade Unternehmen aus den wichtigen Wachstums- und Dienstleistungsbranchen, beschäftigen sich heute bereits mit dem 'Internet der Dinge'", so Schwannecke.
Eine einseitige industriepolitische Beschäftigung mit den begonnen revolutionären Veränderungen in der Wirtschaft reiche daher nicht. Schwannecke fordert deshalb, den Mittelstand bei der geplanten Zukunftsdebatte näher in den Fokus zu rücken.
70 Prozent der Handwerksbetriebe sehen laut der Umfrage Marktplätze im Internet als Chance. 74 Prozent wollen bei den wachsenden Möglichkeiten zur Individualisierung von Produkten mitmischen. "Für diese wachstumsorientierten Handwerksbetriebe brauchen wir eine mittelstandsgerechte Digitalisierungsstrategie der Bundesregierung", sagt Schwannecke. Dazu gehörten passfähige Ansätze des Technologietransfers. dhz/dpa