Digitale Währung in der Diskussion Bitcoins: Währung mit unsicherer Zukunft

Bitcoins machen von sich reden und polarisieren. Nun soll die Währung seriös werden. Ob das gelingt, bleibt offen. Genauso wie die Chance auf ein probates Zahlungsmittel für Handwerksbetriebe.

Christoph Ledder

Das ist ein "physischer Bitcoin", der selten auftaucht. Die ansonsten digitale Währung wird von einigen Handwerksbetrieben als Zahlungsmittel akzeptiert. Verbreitungsgebiet der Bitcoins sind aber hauptsächlich Großstädte. - © Foto: dahool23/fotolia

Die digitale Währung   Bitcoin sorgt in der Medienlandschaft immer wieder für Schlagzeilen. Ob starke Kursschwankungen oder der Zusammenbruch von "Mt.Gox" im Februar 2014,  einer der größten Bitcoin-Umschlagplätze weltweit, bei dem  zahlreiche Bitcoins spurlos verschwunden sind.

Bitcoins sollen in Bank bleiben

Nun wollen zwei Ex-Banker die Bitcoins mit einem Start-up-Unternehmen aus San Francisco seriöser machen. Laut Informationen des "Handelsblatts" können Kunden in der Bank von Brian Armstrong und Fred Ehrsam ein Konto eröffnen und gegen US-amerikanische Dollar Bitcoins kaufen. Die Bitcoins, die in der Bank verbleiben, können dann am Computer oder über das Smartphone ausgegeben werden.

Schutz vor Hackerangriff

Für den Tausch stellen die Banker ein Prozent Gebühren in Rechnung, alle anderen Dienstleistungen sind kostenfrei. Der Grund für das Verbleiben der Bitcoins in der Bank: Hackerangriffen soll vorgebeugt werden sowie der Verlust des privaten Schlüssels des Nutzers. Dieser besteht aus einem Code und einem Passwort, der auf das Mobiltelefon gesendet wird.

Glühender Anhänger der Bitcoin-Währung ist auch Jörg Platzer aus Berlin. Dort ist er Betreiber eines Cafés. Wie in jedem anderen Bistro gibt es auch bei ihm Kaffee und Kuchen. Der Unterschied: Bei Platzer können die Gäste sowohl mit Euro als auch mit Bitcoins bezahlen. Platzer ist ein Fan der digitalen Währung. Er ist Mitbegründer des noch jungen Bitcoin-Verbands in Deutschland und von der digitalen Währung mehr als überzeugt. "In den letzten Jahren ist um Bitcoins ein wahrer Boom entstanden", erzählt der Wirt.

Digitale Währung erfordert starke Rechner

Allerdings sprechen nicht alle Bitcoin-Anhänger von einem Boom. Das mag daran liegen, dass die digitale Währung keine Scheine und Münzen kennt, sondern aus verschlüsselten Datenblöcken besteht. Bitcoins können nur am Computer hergestellt und mathematisch errechnet werden. Ein herkömmlicher PC reicht dafür aber nicht aus. "Das sind Hochleistungsrechner mit viel Arbeitsspeicher und eine sehr leistungsfähigen Grafikkarte", erläutert Platzer. Darüber hinaus dauert es Monate, ehe eine so genannte "Bitcoin-Einheit" hergestellt ist.

Da ein Rechner aber zu lange brauchen würde, um Bitcoins zu produzieren, schließen sich mehrere Rechner im Internet zusammen, um so die Währung innerhalb kürzester Zeit herzustellen. Doch wer bedient die Rechner? Selbst Platzer weiß es nicht. Lediglich den Namen "Satoshi Nakamoto" bringt er ins Spiel. Ob es sich dabei um einen Japaner oder um eine Netzwerkgruppe handelt, ist unklar. Jedenfalls soll "Nakamoto" die ersten Bitcoins im Jahr 2009 errechnet haben.

Transaktionskosten entfallen

Bei allen Mythen bleibt allerdings die Frage: Wie kommt der Durchschnittsbürger an Bitcoins? Einerseits können sie mit herkömmlicher Währung an so genannten Bitcoin-Börsen, wie beispielsweise bitcoin.de gekauft werden oder gegen Waren oder Dienstleistungen als Zahlungsmittel akzeptiert werden. Für Computer und Handys gibt es mittlerweile Programme, wo die Coins wie in einer Brieftasche gelagert werden können – nur eben digital.

Und genau in der Digitalisierung liegt für Steffen von Blumröder vom Bundesverband Informationswirtschaft Telekommunikation und neue Medien (Bitkom) die Chance für kleinere Handwerksbetriebe. "Für die Unternehmen entfallen die Transaktionskosten." Durch den Wegfall der Kosten (beispielsweise bei Kreditkartenzahlungen) bleibt mehr vom Umsatz. Diesen Vorteil hebt auch Platzer hervor. So gibt es beispielsweise in seiner Heimat bereits Bäckereien und Metzgereien und kleine Restaurants, die Bitcoin-Zahlungen akzeptieren.

Doch Unternehmen, die ihren Zahlungsverkehr auf Bitcoins umgestellt haben, müssen aufpassen. "Online-Diebstähle von Bitcoins sorgten zuletzt immer wieder für Schlagzeilen. Bei sämtlichen digitalen Zahlungen muss vom Endnutzer entsprechende Vorsorge getroffen werden", sagt von Blumröder. Auch Platzer warnt vor Datenklau und mahnt Nutzer, regelmäßige Back-ups durchzuführen.

Derzeit liegt der Wert eines Bitcoins zwischen 650 und 700 Euro. Mit Prognosen sind sowohl Platzer als auch Blumröder vorsichtig. Beide sehen die Währung noch als Experiment in den Startlöchern, das mit zahlreichen Kursschwankungen verbunden ist.