Breitbandversorgung Langsames Internet belastet Handwerk

Der Breitbandausbau in vielen ländlichen Regionen läuft schleppend. Während manche Handwerker verzweifelt um Hilfe bitten, verlegen andere schon selbst Kabelnetze. Der Zentralverband des Deutschen Handwerks fordert ein schnelles Handeln.

Steffen Guthardt

Schnelles DSL fehlt: Viele Handwerksbetriebe können noch nicht mit 50 MBit/s im Internet surfen. - © pinkyone/Fotolia.com

In Echtzeit Neuigkeiten aus dem Unternehmen bei Facebook veröffentlichen oder in Sekundenschnelle E-Mails mit einer PDF im Anhang an einen Geschäftspartner versenden. Im Jahr 2013 ist das in Deutschland für die meisten Unternehmer eine Selbstverständlichkeit. Doch abseits der Ballungszentren gibt es immer noch große Lücken in der Versorgung mit schnellem Internet.

Betroffen sind auch viele Handwerksbetriebe, die im ländlichen Raum angesiedelt sind. Zu ihnen zählt Schreinermeister Georg Wohlfart aus Bad Königshofen im Grabfeld, einer Kleinstadt in Unterfranken. Für ihn ist seine extrem langsame Internetverbindung ein echtes Hindernis im Geschäftsalltag. Seine Kunden begegnen der unbefriedigenden Situation schon mit Ironie. „Ich schicke die E-Mail noch heute los, dann ist sie morgen bei dir“, ist noch einer der lustigen Sprüche, die Wohlfart zu hören bekommt.

In seiner Verzweiflung hat sich der Schreiner sogar mit einem Brief an den bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer gewandt. Ein direkter Kontakt zur Landesregierung kam dann über den ehemaligen Wirtschaftsminister Martin Zeil zustande. Doch alle Bemühungen verliefen bisher im Sande, sagt Wohlfart. Als Druckmittel hat der Handwerker sogar zeitweise die fällige Gewerbesteuer von rund 15.000 Euro im Jahr einbehalten. 2014 will Wohlfart seinen Betrieb übergeben. Noch hofft er, seinem Nachfolger auch eine schnelle Internetverbindung hinterlassen zu können.

Lücken überall im Land

Der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) kennt solche Missstände zu Genüge. Überall im Land gibt es Handwerker, die noch keine schnelle DSL-Verbindung nutzen können und damit in ihrer Wettbewerbsfähigkeit eingeschränkt sind. Deshalb hat der ZDH nun zusammen mit dem Deutschen Bauernverband Forderungen an die Politik für den Ausbau der Breitbandversorgung gestellt. "Hier stehen Bund und Länder in der Verantwortung", heißt es in einem Positionspapier.

Bisher liegt die Versorgungsrate mit Datenverbindungen von mindestens 50 Mbit/s in den betroffenen Regionen unter zehn Prozent. Bundesweit haben dagegen über 55 Prozent der Haushalte eine solche Netzverbindung. Vor allem die hohen Kosten bremsen den Ausbau. Einen Kilometer Glasfaser zu verlegen, kostet bis zu 50.000 Euro. Um bundesweit schnelles Internet verfügbar zu machen, müssten 30 bis 40 Milliarden Euro aufgewendet werden, errechnete der Branchenverband Bitkom.

Unter diesen Vorzeichen wirken die Pläne der bisherigen Bundesregierung ambitioniert. Bis Ende 2014 sollen drei von vier Haushalten mit 50 MBit/s im Internet surfen können. Um das Ziel annähernd zu erreichen, fordern die beiden Wirtschaftsverbände steuerliche Anreize für die Investition in Glasfaserkabel. Auch gemeindeübergreifende Strategien und stärkere Förderungen von regionalen Initiativen über Bankenprogramme seien erforderlich.

Glasfaser selbstgemacht

Doch nicht jeder Handwerker übt sich in Geduld. Uwe Baumann, Junior-Chef eines großen Elektrofachmarktes im oberfränkischen Bayreuth, hat sich selbst geholfen. Gemeinsam mit seinem Bruder kam er auf die Idee, ein eigenes Kabelnetz in der Region zu verlegen und hat dafür inzwischen rund 500.000 Euro investiert. Die Verlegung des Glasfasernetzes haben die Brüder größtenteils selbst bewerkstelligt. Binnen drei Jahren konnten 5.000 Kunden gewonnen werden, die den schnellen und persönlichen Service von Baumann schätzen. Der Netzbetreiber bietet seinen Kunden Leitungen von bis zu 100 MBit/s bei niedrigen Preisen im Vergleich zu Konzernen wie der Telekom oder Vodafone an. Projekte wie dieses ließen sich auch in anderen Regionen Deutschlands umsetzen, ist der Firmenchef überzeugt.

LTE noch nicht ausgereift

Als mögliche Alternative zu schnellen DSL-Leitungen ist der neue Funkstandard LTE im Gespräch, der ähnliche Geschwindigkeiten verspricht. Stuckateur Stefan Giering aus Eckental in Mittelfranken nutzt bereits das Funknetz in seinem Betrieb. Richtig zufrieden ist er damit aber nicht. „Das Netz ist zwar schnell, aber nicht immer stabil und bricht manchmal plötzlich ab“, berichtet Giering.

Auch aus Sicht des ZDH und des Bauernverbands ist LTE bisher nur eine Übergangslösung. Der Ausbau an Breitbandversorgungen auf dem Land muss weitergehen.