IFA Internationale Funkausstellung 2013 Wenn das Tablet mit der Heizung spricht

Hersteller von Handys, Fernsehern und Notebooks fahren zur IFA 2013 in Berlin wieder groß auf. Im Mittelpunkt der Messe steht die intelligente Vernetzung der einzelnen Geräte und Haushaltsgeräte bekommen neue Funktionen. An einigen Stellen hakt es jedoch noch.

Jana Tashina Wörrle

Energiemanagement mit Handy oder Notebook: Mit einer guten Vernetzung der Geräte lässt sich vieles von unterwegs steuern und damit Strom sparen. - © Foto: lassedesignen/Fotolia

Den PC mit dem Drucker, das Notebook mit dem großen Monitor oder das Smartphone mit der Lautsprecherbox zu vernetzen gehört für viele heute schon zum Standard – manchmal auch komplett kabellos. Anders sieht es auch, wenn man Heizung, Waschmaschine, Stereoanlage, Festplattenrecorder und Fernseher noch dazu nimmt und gemeinsam nur über das Smartphone oder das Tablet steuern will. Nimmt man den Trend ernst, der bei der diesjährigen Internationalen Funkausstellung im Mittelpunkt steht, dann wird diese Zukunftsvision bald Wirklichkeit sein.

Die meisten großen Technikanbieter – ob Haushalt oder Unterhaltung – haben jetzt Geräte im Programm, die sich theoretisch vernetzten lassen. In der Praxis klappt das aber bislang noch nicht einwandfrei. So ergab eine Studie von TNS Infratest im Vorfeld der IFA, dass alleine die Vernetzung der Kommunikations- und Unterhaltungsgeräte schon an den fehlenden einheitlichen Standards leidet und so nur sehr zeit- und kostenaufwendig umsetzbar sei.

App sei Dank

Funktionstüchtig sind solche Systeme, die unter dem Begriff Smart Home zusammengefasst werden, bislang in einzelnen Sparten – die auch direkt ans Handwerk andocken: Hörgeräte und elektronische Steuerungen für Heizungen und Energiemanagementsysteme. So gibt es für Hörgeräte heute schon Möglichkeiten, sie über Bluetooth an alle möglichen anderen Geräte anzuschließen und deren Akustik abzufangen. Mit elektrischen Steuerungen lassen sich Haushaltsgeräte so miteinander kombinieren, dass sie dann Strom verbrauchen, wenn er günstig ist und sie lassen sich praktisch per Smartphone und Tablet steuern. App sei Dank.

Neben der Vernetzung zeigen die einzelnen Techniksparten auf der IFA aber auch ihre ganz eigenen Trends. Vor allem die Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik scheint mächtig unter Druck zu stehen immer noch schneller Neues auf den Markt zu bringen. So verzeichnete der Consumer Electronics Marktindex für Deutschland im ersten Quartal 2013 einen Rückgang der Verkaufs- und Umsatzzahlen bei Fernsehern, Satellitentechnik und vielen anderen Sparten im Vergleich zum selben Zeitraum 2012. Doch er zeigt auch klare Trends. Einzelne Bereiche retten die Gesamtzahlen, denn vor allem der Absatz von Smartphones und Tablet-PCs steigt kräftig an.

Genau dieser Trend zeigt sich auch auf der IFA in Berlin: Neue Smartphones und immer flachere und gleichzeitig hochauflösende Bildschirme wohin das Auge reicht – Hauptsache tragbar, internetfähig und per Fingerdruck bedienbar. Doch beim Gang durch die Messehallen fällt auch auf, dass die Optik immer wichtiger wird. So stehen im Mittelpunkt vieler Präsentationen die neuen UHD-Bildschirme mit der sogenannten 4K-Auflösung. Das ist viermal so viel wie bei Full-HD, das noch nicht vor allzu langer Zeit als das Maß aller Dinge galt.

Doch UHD bietet einen Vorteil gegenüber Full-HD: Man kann große Fernseher mit dieser Auflösung auch in sehr kleine Räume stellen und dementsprechend näher davor sitzen ohne die einzelnen Pixel zu erkennen. Dass sich große UHD-Bildschirme allerdings schnell als Standard etablieren, kann man derzeit angesichts der hohen Preise allerdings noch bezweifeln. Ein 55 Zoll großer UHD-Fernseher kostet bislang noch um die 5.000 Euro, für einen 65-Zöller muss man rund 7.000 Euro bezahlen.

Schüchterne Fernsehzuschauer

Bei den Fernsehern steht neben der optimierten Bildqualität wie bei vielen anderen Techniken auch die Vernetzung mit dem Internet im Vordergrund. Smart-TVs erlauben es interaktiv zu fernsehen – gleichzeitiges twittern, Mails abrufen, Online-Shopping und vieles andere wird so über ein Gerät möglich. Ganz so neu ist diese Entwicklung allerdings nicht. Laut einer Studie der Gesellschaft für Unterhaltungselektronik gfu steht bereits in jedem dritten Wohnzimmer ein internetfähiger Fernseher. Allerdings ist nur knapp mehr als die Hälfte davon mit dem Netz verbunden. Die Verbraucher scheuen sich also noch etwas vor dieser Technik.

Anders sieht es bei den Handys aus. Hier gehört das Internet für immer mehr zum Standard dazu. 40 Prozent aller Bundesbürger ab 14 Jahren besitzen nach Angaben des Hightech-Verbands Bitkom mittlerweile ein Smartphone und können damit auch unterwegs online surfen. Auf der IFA stehen deshalb auch viele neue Modelle zur Auswahl. Hier geht der Trend genau anders herum als bis vor kurzem bei den Handys. Die Displays wachsen. So zeigt die Messe viele der neuesten "Phablets", die mit 5,5 bis 6,4 Zoll schon fast so groß wie kleine Tablets sind.

Die Grenzen verschwimmen. Telefone werden zu Minicomputern und diese rein über Touchpad bedienbaren Geräte werden nun wiederum flexibel wandelbar – denn nicht jeder will ganz auf eine Tastatur oder die Möglichkeit eines klappbaren Bildschirms verzichten. Tablets sind gefragt und wie die diesjährigen Funkausstellung zeigt, besonders dann, wenn man sie zwischendurch auch ganz klassisch nutzen kann.

Mit neuen "Convertibles" verschwimmen die Grenzen zwischen Tablet und Notebook, denn der Bildschirm kann flexibel so verändert werden wie es die jeweilige Arbeitsposition erfordert. Natürlich geht es bei den Tablets und Notebooks genauso um immer bessere und hochauflösendere Oberflächen mit guter Optik.