Bitkom-Trendkongress 3D-Drucker verändern die Arbeitswelt

Auf dem ersten Trendkongress vom IT-Branchenverband Bitkom diskutierten Experten über die Zukunft der digitalen Revolution. Laut den Marktforschern von Gartner haben insbesondere dreidimensionale Drucker das Zeug zur nächsten umwälzenden Entwicklung. Von der neuen Technik könnten auch Handwerker profitieren.

Lothar Lochmaier

Ein Automodell, das im 3D-Labor des Instituts für Mathematik der Technischen Universität Berlin ausgedruckt wurde. - © Picture Alliance

Es ist mehr als eine kleine Revolution. Nicht mehr Unternehmen stehen im Mittelpunkt der Produktion, sondern die Kunden selbst. Mit Hilfe von 3D-Druckern kann schon heute jeder Verbraucher seine Produkte maßschneidern, wie es beispielsweise Online-Plattformen wie shapeways oder solidoodle ermöglichen.

"Das 3D-Printing ist die nächste umwälzende Entwicklung in der IT-Branche, und sie ist bereits weiter fortgeschritten als viele glauben“, betont deshalb Stephen Prentice, Vice President beim Marktforschungsunternehmen Gartner Research. Die Folgen für die Nutzung der Informationstechnologie seien demzufolge vielfältig, da sich der Fokus vom Besitz der Dinge stärker auf das Teilen von unterschiedlichen Anwendungen etwa über das Cloud Computing verlagere.

Bei der Gestaltung von neuen Produkten rücke zudem der emotionale Wohlfühlfaktor stärker in den Mittelpunkt. Allerdings wird der Trend die Welt nicht über Nacht umkrempeln, wie es ein Experteninterview auf Deutschlandradio Kultur verdeutlicht.

Embryo aus dem Drucker

So verwundert es kaum, dass das 3D-Printing bereits die eine oder andere Stilblüte treibt. So kann der private Chefdesigner Skulpturen von ungeborenen Kindern im embryonalen Status nachmodellieren. Anschließend drucken die werdenden Eltern das plastische Erinnerungsstück aus, zum Beispiel als Handyanhänger.

Der private Fabrikant steuert dazu den Designprozess bis zur Produktion vollständig in eigener Regie. Mit einer Software erstellt der Verbraucher einen Entwurf und probiert ihn solange am Kopierer aus, um hiernach Schraube, Schuh oder das ideale Schmuckstück per Mausklick auszudrucken. All dies ist längst keine Zukunftsmusik mehr. Auch lassen sich neue Entwürfe mit anderen Interessierten diskutieren und gemeinsam verbessern.

3D-Drucker sind mittlerweile für die breite Masse mit einem Preis von unter 1.000 Euro erschwinglich geworden. Die "Fabrik in der Westentasche" bleibt aber nicht auf den künstlerisch-kreativen Bereich begrenzt. Das vom Kunden auf den Kopf gestellte Innovationsmodell hat bereits die gesamte Wirtschaft erfasst, vom Carsharing, über die Mitfahrzentrale 2.0 bis hin zum Austausch der Wohnung auf Zeit (flat sharing).

Neue Möglichkeiten für Handwerksbetriebe

Die Ökonomie des Teilens (share economy) boomt und verändert auch jenseits vom Home Office unsere Arbeitswelt. Das Modell stellt ganze Wertschöpfungsketten und Kooperationsmodelle in Frage, sprich die traditionell hierarchische Rollenverteilung zwischen Hersteller, Zulieferer und Kunde. Und hier rückt auch der Handwerksbetrieb in den Fokus einer nicht nur technischen Innovationsdynamik.

Denn das Cloud Computing bleibt nicht auf die Teamarbeit in der Computerwolke begrenzt, mit dem ständig verfügbaren Smartphone, das auch die Buchhaltung und Auftragsabwicklung von unterwegs spielerisch leicht erledigen kann. Mehr noch: Für kreative Handwerker bietet der dreidimensionale Druck neue Gestaltungsoptionen, etwa beim Formenbau oder dem Modellieren von Objekten.

So bieten sich etwa beim Prototypenbau konkrete Vorteile, weil sich das Endergebnis im Miniaturmaßstab im Arbeitsprozess besser begutachten und bewerten lässt als in der realen Größe. Als sichtbares Beispiel für das Potential dieser Erfindung mag ein Haptic 3D Printer dienen, mit dessen Hilfe sich Vorlagen nicht nur automatisch als Produkt ausdrucken lassen. Überdies lässt sich das gewünschte Werkstück vom Nutzer individuell mit einer Art Spritzpistole ausgestalten. Und: Mit einem haptischen Feedback bekommt der Designer sogar eine direkte Verbindung zu dem Gestaltungsobjekt.

Gemeinsam Innovationen schaffen

Laut einer Umfrage vom IT-Branchenverband Bitkom teilen bereits 83 Prozent der Internetnutzer Inhalte aller Art im Web, unter den 14- bis 29-Jährigen sind es sogar 97 Prozent. An der Spitze stehen mit 44 Prozent persönliche Erfahrungen mit Produkten und Dienstleistungen. Unternehmen reagieren darauf, indem sie mit den Verbrauchern in Dialog treten. Gleichzeitig können sie die Informationen nutzen, um ihre Produkte und Dienste zu verbessern. Zudem werden Verbraucher immer häufiger direkt in den Innovationsprozess eingebunden.

Laut der Umfrage haben bereits 13 Prozent der Internetnutzer an der Neuentwicklung oder Verbesserung von Produkten mitgewirkt, weitere 25 Prozent können sich das vorstellen. Eine weitere Facette der sozialen Innovation (shareconomy) ist das Teilen von Informationen, Wissen und Ideen im Job. Nach den Ergebnissen der Umfrage sagen 63 Prozent aller Berufstätigen, dass insgesamt bessere Arbeitsergebnisse erzielt werden, wenn jeder Kollege seine Informationen mit anderen teilt.

Gefragt ist also in der vernetzten Arbeitswelt der Zukunft nicht nur der aktive Dialog mit den Verbrauchern. Darüber hinaus fungiert der Kunde als Ressource, als Frühwarn- und Prognosesystem, um Produkte und Dienste zu verbessern. Wenn wir alle etwas vom Teilen unserer Ideen und Vorlieben haben, dann entsteht daraus ein ökonomischer Vorteil. Die 3D-Druckrevolution ist die Speerspitze dieser weit reichenden Entwicklung. Kurzum: Es lohnt sich, wenn Handwerker den Kunden aktiv und frühzeitig in den Gestaltungsprozess ihrer Produkte und Dienstleistungen einbinden.