Bezahlen von Rechnungen Wie Sie das Smartphone als Kasse nutzen

Unbezahlte Rechnungen für Handwerkerdienstleistungen könnten bald der Vergangenheit angehören. Die Lösung kommt aus der IT-Branche: Das Smartphone wird mit einem kostenlosen Adapter und einer App zur Kasse umfunktioniert und die Bezahlung des Kunden kann direkt nach Auftragserledigung erfolgen. Erste Betriebe nutzen das System schon.

Steffen Guthardt

Das Smartphone erfasst per Berührung die Unterschrift des Kunden. - © Sum Up

Die neue Küche ist eingebaut, die Wand gestrichen oder das Abflussrohr repariert. Hat der Handwerker seine Leistung erbracht und die Rechnung erstellt, kann es je nach der Zahlungsmoral des Kunden noch eine Weile dauern, bis er auch sein Geld bekommt. Manchmal helfen als letztes Mittel nur noch rechtliche Schritte, im schlimms­ten Fall ist der Kunde zahlungsunfähig und der Handwerker bleibt auf seinen Kosten sitzen.

Dem entgegenwirken können Zahlungsterminals für Kredit- und EC-Karten, die vor allem im Handel für eine direkte Zahlung des Kunden eingesetzt werden. Diese eignen sich aber nur für die wenigsten Handwerksbetriebe.

Erstens sind die Geräte teuer, weil die Anbieter diese häufig nur gegen eine Umsatzbeteiligung sowie eine Monats- und gegebenenfalls auch noch eine Transaktion sgebühr zur Verfügung stellen. Gerade kleinere Betriebe können es sich aber nicht leisten, in sgesamt bis zu fünf Prozent ihrer Umsätze abzugeben, um elektronische Bezahlmittel einsetzen zu können.

Zweitens scheiden die stationär an die Kassen angeschlossenen Zahlungsterminals für viele Handwerker aus, da sie ihre Arbeit direkt vor Ort beim Kunden erledigen und die unhandlichen Geräte nicht mitnehmen können.

Alternative zum Bargeld

Eine Alternative wäre, die Kunden zur Barzahlung direkt nach Auftragserledigung aufzufordern. Häufig lassen sich die für den Kunden entstehenden Kosten aber im Vorhinein nicht genau abschätzen, weil die benötigten Materialien und die aufzuwendende Arbeitszeit erst nach der Auftragserledigung feststehen. Außerdem werden Bargeldzahlungen bei den Verbrauchern seit Jahren immer unbeliebter. Ihr Anteil am ge­samten Zahlungsverkehr sinkt seit zehn Jahren kontinuierlich um etwa 1,5 Prozent pro Jahr – zugunsten der Kartenzahlung, wie eine repräsentative Studie des Forschungsinstituts EHI zeigt.

Letztlich sehen sich die meisten Handwerker gezwungen, eine Rechnung zu schreiben und auf verlässliche Kunden zu hoffen.

Doch eine Alternative kommt jetzt aus der IT-Branche. Mit einem Kartenlese­adapter in der Größe einer Streichholzschachtel und einer App soll sich jedes aktuelle Smartphone in ein vollwertiges Zahlungsterminal verwandeln lassen. Gleich drei Start-up-Unternehmen bieten den Service seit kurzem auf dem deutschen Markt an und können sich nach eigener Aussage kaum vor Anfragen retten.

Über eine Million Betriebe in Deutschland könnten die Bezahlung per Smartphone schon in ein paar Jahren anbieten, lautet die Prognose des Berliner Anbieters Sum Up. Die Voraussage wirkt bei einem Blick auf den amerikanischen Markt nicht überheblich. Das Vorbild der deutschen Anbieter ist das US-Unternehmen Square. 2009 startete der Twitter-Gründer Jack Dorsey die Firma, die inzwischen pro Monat Zahlungen von rund 400 Millionen Dollar abwickelt. Square hat sich als ­Erster den weltweiten Boom der kleinen Taschencomputer zunutze gemacht.

Doch der Trend zum Smartphone ist längst auch in Deutschland angekommen. Schon sieben von zehn Verbrauchern ziehen beim Neukauf das Smartphone dem herkömmlichen Handy vor, wie der Branchenverband Bitkom ermittelt hat.

Adapter und App

Aber wie kann ein Kunde seinen Handwerker per Telefon bezahlen?

Zunächst muss sich der Betrieb den Kartenleseadapter anschaffen. Der kann bei allen deutschen Anbietern kostenlos über die Webseite der Unternehmen bestellt werden. Der gelieferte Adapter lässt sich über den Kopfhörerau sgang an das Smartphone anschließen. Zudem wird eine App für die Zahlungsabwicklung benötigt. Die gibt es ebenfalls ohne Gebühr in den jeweiligen App-Stores von Apple für iPhones und iPads und von Google für alle Android-Smartphones und -Tablets. Nach der Installation ist das Handy einsatzbereit für die Bezahlung beim Kunden. Hat der Handwerker seinen Auftrag erledigt, lässt sich der Bezahlvorgang mit wenigen Eingaben durchführen. Der Rechnungsbetrag wird über den Touchscreen oder die Tastatur ins Handy des Handwerkers eingetippt.

Anschließend wird die EC- oder Kreditkarte des Kunden durch den Kartenleser gezogen und die Zahlung durch eine Unterschrift mit dem Finger auf dem Bildschirm autorisiert. Daraufhin wird der Betrag in Echtzeit vom Konto des Kunden abgebucht und zur Prüfung der Transaktion zunächst an den jeweiligen Anbieter des Kartenlesegeräts überwiesen. Wenige Sekunden später wird automatisch eine elektronische Rechnung erzeugt, die dem Kunden zum Beispiel im PDF-Format wahlweise per SMS oder E-Mail zugeschickt wird. Die Rechnung soll nach Aussage der Kartendienstanbieter ohne weitere Bearbeitung beim Finanzamt einreichbar sein.

"Drei Tage nach dem Auftrag hat der Handwerker in der Regel das Geld auf seinem Konto und damit deutlich früher als bei Bezahlung per Rechnung", sagt Stefan Jeschonnek, Geschäftsführer von Sum Up, gegenüber der ­Deutschen Handwerks Zeitung. Die Schnelligkeit hat allerdings auch einen Preis. 2,75 Prozent des Transaktionsbetrages behält Sum Up ein, andere Anbieter bieten ähnliche Konditionen an.

Erledigt ein Handwerker beispielsweise einen Auftrag über 500 Euro, fließen davon 13,75 Euro an Sum Up. Damit ist der Service aber noch günstiger als die Gebühren von Anbietern gewöhnlicher Zahlungsterminals. Zudem können auch schon Kleinstbeträge ab einem Auftragswert von einem Euro mit dem Smartphone bezahlt werden.

Doch ist die Bezahlung per Smartphone auch sicher? Gerade wenn es um mobile Endgeräte geht, fürchten viele Verbraucher einen Angriff auf private Daten. "Bei der Zahlung werden keine Zahlungsdaten des Kunden im Smartphone des Handwerkers gespeichert", versichert Jeschonnek. Zudem setze Sum Up wie seine Wettbewerber bei der Transaktion die neuesten Sicherheitsverschlüsselungen ein, die einen Hackerangriff fast unmöglich machen sollen. Überzeugt das die Handwerker?

Erfahrung aus der Praxis

Anfängliche Skepsis hat sich bei Fens­terputzer Helmut Harneit schnell zerstreut. Er zählt zu einem der ersten Handwerksbetriebe in Deutschland, der das System schon nutzt. "Endlich müssen wir nicht mehr auf unser Geld warten und Mahnverfahren durchführen", berichtet er. Bisher habe er nur gute Erfahrungen mit dem System gemacht, das auch von den Kunden ohne Einschränkung akzeptiert werde. Einen großen Pluspunkt sieht er in der elektronischen Rechnung, die automatisch an den Kunden verschickt wird und die dieser direkt beim Finanzamt einreichen kann. "Es ist eine deutliche Zeitersparnis, nicht selber die Rechnungen schreiben zu müssen", sagt Harneit.

Weniger begeistert ist Margit Hartmann-Sprott, die das System für ihr Nagelstudio nutzt. "Manchmal streikt die Technik und das ist dann natürlich etwas peinlich vor dem Kunden, der dann doch in bar zahlen muss", sagt Sprott. Ein Autolackierer erzählt von Problemen, die speziell beim Einsatz von Visa-Karten auftreten.

Bekommen die Anbieter solche Mängel schnell in den Griff, ist das Potential des neuen Bezahlverfahrens groß.  "Vor zwei Jahren wäre so etwas noch nicht möglich gewesen, da gab es noch viel zu wenige Smartphones", resümiert Sum-Up-Chef Jeschonnek. sg

Die Anbieter im Überblick

Payleven

Lesegerät: Kostenlos auf payleven.de bestellbar

App: Kostenlos für iOS und Android

Zahlkarten: EC, Visa, MasterCard M Gebühr: 2,75 Prozent des Umsatzes zzgl. neun Cent je Transaktion

Besonderheit: Aktuell werden nur drei Geräte mit Android-System unterstüzt. Das HTC One, das Samsung Galaxy S II und das Samsung Galaxy Nexus

Street Pay

Lesegerät: Kostenlos auf streetpay.com/de bestellbar

App: Kostenlos für iOS, Android, Blackberry und Windows Phone

Zahlkarten: EC, Visa, MasterCard, American Express

Gebühr: 2,75 Prozent des Umsatzes zzgl. 0,15 Cent je Transaktion; ab 50.000 Euro pro Umsatz/Monat sinkt die Gebühr auf 2,25 Prozent

Besonderheiten: Derzeit nur Voranmeldung möglich

Sum Up

Lesegerät: Kostenlos auf sumup.de bestellbar

App: Kostenlos für iOS und Android

Zahlkarten: EC, Visa, MasterCard

Gebühr: 2,75 Prozent des Umsatzes, keine Transaktion sgebühr

Besonderheiten: Funktioniert auf Handys ab iOS 5.0 und Android 2.3.7

Quelle: Unternehmensangaben