Wirtschaftsauskunftei Schufa-Projekt erregt Politik und Datenschützer

Ein Eintrag bei der Schufa kann für Privatverbraucher über den Erhalt eines Kredits oder auch eines Handyvertrages entscheiden. Datenschützer befürchten nun, dass künftig auch Daten aus dem Internet in die Beurteilung einfließen könnten und schlagen Alarm.

Die Schufa steht wegen ihrer undurchsichtigen Berechnungsmethoden schon länger im Visier von Datenschützern. - © Marco2811 / Fotolia

Gemeinsam mit dem Hasso-Plattner-Institut für Softwaresystemtechnik (HPI) hat die Schufa ein neues Projekt gestartet. Angeblich könnte die Schufa dann künftig auch Nutzerdaten, die zum Beispiel in sozialen Netzwerken wie Facebook gespeichert sind, sammeln und in die Beurteilung der Kreditwürdigkeit eines Bürgers einfließen lassen.

Die Schufa selbst versucht die Tragweite des Projekts herunterzuspielen und erklärte gegenüber "dapd", dass es keine Pläne gebe, Nutzerdaten aus dem Internet für die Bonitätsprüfung zu verwenden. Ähnlich äußert sich der Projektpartner HPI und spricht lediglich von einer Untersuchung "gesellschaftlich und wirtschaftlich spannender Entwicklungen" im Internet.

Einige Politiker und Datenschützer reagieren derweil entsetzt über das Vorhaben der Schufa und üben harsche Kritik an der Auskunftei, die bereits in der Vergangenheit immer wieder wegen ihrer nicht offengelegten Berechnungsmethoden im Visier des Datenschutzes stand.

Schufa unter Beschuss

Die Auskunftei dürfe nicht "zum Big Brother des Wirtschaftslebens werden", sagte Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) dem "Münchner Merkur". Die Schufa müsse die Karten auf den Tisch legen und eine vollständige Aufklärung über die Hintergründe und Ziele dieses Forschungsauftrags leisten.

Grünen-Bundestagsfraktionsvorsitzende Renate Künast sprach von einem "offenkundig verfassungswidrigen Vorhaben der Schufa", das viele Bürger verunsichere. Auch Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger stellte sich entschieden gegen die Pläne. Der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion Ulrich Kelber sprach in diesem Zusammenhang von einem "Horrorszenario".

Sehr deutlich kritisierte auch Dieter Kempf, Präsident des Internet-Branchenverbands Bitkom, die Pläne: "Nicht alles, was technisch möglich ist, sollte in die Praxis umgesetzt werden", mahnte Kempf. "Das Durchforsten von sozialen Netzwerken nach Informationen, die Rückschlüsse auf die finanzielle Leistungsfähigkeit erlauben", würde viele Internetnutzer "zu Recht verunsichern".

Als einen "Angriff auf das Recht auf informationelle Selbstbestimmung", wertete der Vorsitzende der Piratenpartei, Bernd Schlömer, die Schufa-Inititiative gegenüber "Die Welt". Ähnlich deutliche Worte fand Malte Spitz, Mitglied des Bundesvorstandes der Grünen. Es könne nicht sein, "dass der Freundeskreis, Musikgeschmack, Twitter-Konversationen oder soziales Verhalten mit in die Bewertung der Kreditwürdigkeit einfließen und beispielsweise die Chancen auf einen Mietvertrag verschlechtern". Das sprenge "klar die Grenzen des Ertragbaren".

Die Schufa gerät damit stark unter Druck weitere Details zu ihrem Projekt preiszugeben. sg/dapd