Panorama Bewölkte Aussichten

Cloud Computing war das große Thema der CeBIT 2012. Aber auch das neue Windows 8 und stylische Ultrabooks weckten Neugierde bei der größten IT-Messe der Welt in Hannover. Die Deutsche Handwerks Zeitung war vor Ort und hat sich die Trends des Jahres angeschaut.

Steffen Guthardt

Ab in die Wolke. Betriebe sollen ihre Daten künfitg in externen Rechenzentren auslagern. - © Cebit

Über den Wolken. Das war einst die Vision von Luftfahrtpionieren. Die IT-Branche wählt nun einen anderen Ansatz und gibt das Motto „in die Wolke“ aus. Schnelllebig wie die Technikwelt ist, handelt es sich aber schon nicht mehr nur um eine Vision, sondern bereits um ein milliardenschweres Geschäft mit riesigem Wachstumspotenzial. Diese Botschaft wurde zumindest den Besuchern der CeBIT 2012 verkündet.

Wer in diesem Jahr über die IT-Leitmesse schlenderte, kam an der Wolke, im Fachjargon auch bekannt als Cloud Computing, nicht vorbei. Schon auf den großen Werbesäulen vor dem Messegelände wurde das Thema von namhaften Ausstellern wie IBM, Fujitsu oder Datev groß angepriesen. In den Hallen selbst konnte sich der Besucher dann kaum noch dem Hype entziehen.

Doch was steckt eigentlich hinter dieser geheimnisvollen Wolke? Die Idee ist, dass Unternehmen ihre großen Datenbestände künftig nicht mehr auf den eigenen Festplatten oder firmeneigenen Servern speichern, sondern auf gut abgeschirmten Rechenzentren in der Ferne, wie zum Beispiel denen von Microsoft in den Niederlanden. Gegen eine geringe monatliche Gebühr können sich auch kleine und mittlere Betriebe von Aufwand und Kosten einer eigenen Datenverwaltung befreien und trotzdem über eine Internetverbindung jederzeit gezielt auf ihre Daten zugreifen, soweit die Idee. Microsoft, Apple oder Amazon könnten damit schon bald auch für tausende von Betrieben in Deutschland die komplette Verwaltung ihrer Datenbestände übernehmen.

Doch sind sensible Kundendaten außerhalb der Geschäftsräume und sogar außerhalb des Landes wirklich gut aufgehoben? Datenschützer schlagen Alarm und befürchten, dass heikle Informationen möglicherweise in die Hände von unbefugten Dritten gelangen könnten. Dass auch Großkonzerne nicht vor Hackerangriffen gefeilt sind, zeigt der Datenklau bei Sony im vergangenen Jahr. Doch die Aussteller wissen selbst, dass sie noch einiges an Überzeugungsarbeit für die Cloud leisten müssen, wenn diese den erhofften Milliardenregen bescheren soll. Und so stand die CeBIT 2012 nicht zufällig unter dem Motto „Managing Trust“ – Vertrauen schaffen.

Datensicherheit war gerade im Hinblick auf Cloud Computing und die auch durch Smartphones und Tablets zunehmende Mobilität des Arbeitsalltags das zweite große Thema der Messe. Ihre neuesten Softwarelösungen präsentierten unter anderem McAfee, Kaspersky und GData. Groß im Kommen sind vor allem Sicherheits-Apps, die sich zu geringen Kosten bequem aus den App-Stores von Apple, Google und Microsoft laden lassen und Schadprogramme frühzeitig erkennen und löschen sollen.

Ultradünn und ultraschnell

Ein Trend auch in diesem Jahr bleibt das mobile Büro. Standen im vergangenen Jahr noch Tablets und Smartphones im Mittelpunkt, wurde ihnen 2012 von den Ultrabooks die Show gestohlen. Konzerne wie Samsung, Toshiba und Asus überschlugen sich an ihren direkt nebeneinander platzierten Ständen an Superlativen. Während Samsung die Werbetrommel für eines der dünnsten Ultrabooks der Welt mit einer Bautiefe von maximal 14,9 mm rührte, ist das aus einer Magnesiumlegierung gefertigte Toshiba Portégé mit einem Gewicht von nur 1,12 Kilogramm das derzeit leichteste Gerät seiner Klasse. Allen vorgestellten Geräten gemeinsam ist, dass sie das klassische Notebook in vielen Belangen alt aussehen lassen. Neben der schmalen und leichten Bauweise verfügten die Geräte über deutlich längere Akkulaufzeiten von bis zu zehn Stunden und sind teilweise nur fünf Sekunden nach dem Systemstart einsatzbereit. Damit eignen sich die Ultrabooks für den mobilen Einsatz noch besser als Notebooks und bieten im Gegensatz zu den Tablets standardmäßig eine Voll­tastatur. Gerade für Unternehmer, die unterwegs viel schreiben müssen, eine ernsthafte Alternative zu einem iPad.

Windows ganz neu

Ob Ultrabook, Tablet oder Smartphone – überall soll künftig das neue Win­dows 8 laufen und dem Nutzer wie bei Apple ein „geschlossenes Ökosystem“ bieten. An einem der größten Stände der Messe gewährte Microsoft einen Einblick in den Nachfolger von Windows 7, der noch in diesem Jahr auf den Markt kommen soll. Nicht weniger als 100.000 Neuerungen gegenüber der Vorgängerversion versprechen die Amerikaner.
Bei Windows 8 gibt es zwar noch die klassische Oberfläche für Tastatur und Maus, doch wird der Fokus sehr stark auf Bedienelemente für Touch-Displays gelegt. Wie bereits von den neuesten Windows-Handys bekannt, steuert man über ein Kachelsystem, die sogenannte Metro-Oberfläche, durch die Menüs.

Doch es gibt nicht nur optische Neuerungen. So können etwa auf dem Rechner gespeicherte Daten auch im Ruhezustand online synchronisiert werden. Neue E-Mails sind somit sofort zum Lesen bereit, wenn das Gerät wieder aktiviert wird. Mit der Funktion „Windows to go“ sollen sich Windows 8 und Business-Apps per USB-Stick vom Büro-PC abkoppeln und überall hin mitnehmen lassen. Weiteres Highlight: Daten von verschiedenen Speichermedien können künftig in einem Gesamtspeicher zusammengelegt werden. Das bietet Unternehmen den Vorteil, große Datenmengen, die nicht auf einer einzelnen Festplatte liegen, über nur einen Befehl abrufen zu können. Auch bei der Suche im System hat sich etwas getan. So lässt sich bei Windows 8 nicht nur nach Dateien, Ordnern und Programmen suchen, sondern auch die Fähigkeiten von Programmen lassen sich abfragen. Unter dem Suchbegriff „Facebook“ werden  sämtliche Apps und Programme angezeigt, die irgendwie mit dem sozialen Netzwerk verbunden sind.